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Zitat von MattF
Ja, ist aber das Problem des kompletten Einzelhandels. [...] ...denen es nur darum ging den Kunden irgendwas anzudrehen (was grad da rum stand z.b.).
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Najagut, das kann man von zwo Seiten betrachten.
Jahrzehntelang sind viele Kunden damit gut gefahren, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich hab seit ich 12 war mit nem beim Händler vorrätigen Rennsportrad halb Europa bereist und später auf nem ebensolchen Rennrad ziemlich viele Kilometer abgerissen.
Das Problem sind die Kunden, die bereits vorgeprägt daherkommen und in erster Linie ne Bestätigung ihrer Prägung suchen.
Ich hab zB. mal ne Weile versucht, Kunden vom Trip, sich ein MTB zu kaufen, um damit in die Stadt zu fahrn oder auf Feldwegen rumzugurken, abzubringen.
Viel Mühe, wenig Erfolg.
Genaugnommen musste die Aktion abbrechen, bevor sie woanders hingehen, wo ein Verkäufer (nicht Berater) nicht lang fackelt, ihm in die Hand drückt was er sucht und ihn innerhalb von 10-15Minuten an die Kasse damit schickt.
Aber gut, neben den von mir für solche Zwecke empfohlenen Cross- oder vielleicht sogar Trekkingrädern hatten wir natürlich, tadaaa!, auch MTBs rumstehen (die weg mussten. Auch Canyon preist in erster Linie die Bikes an, die sie da- und lieferbar haben, weil, wenn die nur rumstehen zum Angucken, bringen die auch nix im Sinne von wirtschaftlichem Erfolg) um der üblen Nachrede zu entgehen, nur verhökern zu wollen, was rumsteht.
Ich hab in nem anderen Fred, in dems mehr um Skier geht, vor n paar Tagen ketzerisch geschrieben und gedroht, in dem Laden, wo ich Ski kaufen will, anzurufen und auch nach ner Bestätigung meiner angelesenen Vorauwahl zu verlangen.
Hab ich natürlich nicht ernsthaft und mich in nem sehr angenehmen Gespräch tatsächlich von was anderem überzeugen lassen.
Im Gegenzug hat mein Berater akzeptiert, dass und warum ich die Ski mit ner artfremden Bindung fahren will.
Unterm Strich wieder eine Erfahrung, die mich als fachhandelsaffiner Käufer in genau dieser Haltung bestärkt.
Noch ne andere Episode: hatte vor Jahren mit nem Typen vom Land und seinem Kumpel zu tun, der mir zu jedem Rad, das ich ihm empfohlen hatte, sofort irgendwelche Nachteile runterleierte. So die Spezies 'darf nix kosten, darauf noch nen massiven Nachlass, umsonst die halbe Büchse umstricken und natürlich nur die besten Komponenten' (deren Internet-Preise er sich vorher grob abgeschrieben hatte), und ausschliesslich sortenrein mit der Attitüde, unter XT gibts kein Leben. Dazu ständig von nem 'Almond-Time Bike' gefaselt, bis ich merkte, dass er ein Allmountain wollte (dass das das Letzte war, was der brauchte, steht auf nem anderen Blatt).
Also letztlich stiehlt er uns und mir ne gute, halbe Stunde Zeit, dann meinte er in nem Nebensatz als Einleitung für nen neuerlichen Vortrag, er habe ja keine Ahnung und mir rutscht spontan raus, 'ja, hab ich schon gemerkt'.
Grussloser Abgang, ich nehm an, die Strasse runter beim Stadler stand er 15 Minuten nachm Betreten des Ladens mit irgendnem Blender mit XT-Schaltwerk und Alivio-Schalthebeln und zwo Gängen weniger als zu der Zeit üblich an der Kasse.
Ich war zuerst erschocken vor mir selbst, aber mein Chef meinte grinsend, er bewundere den Gleichmut, mit dem ich den so lange ertragen hätte.
Quintessenz: es gibt solche und solche, auf beiden Seiten.
Ne allgemeingültige Verurteilung greift mir aber deutlich zu kurz und ist Schmarrn.