Mit der Kritik an der Qualität der Daten im Vergleich zu der Versicherungsgeschichte hast du (@steinhardtass) natürlich recht. Das ist aber halt mal so: IRONMAN hat die IRONMAN Daten.
Wo du m.E. nicht recht hast ist, wie du den Bias in den Daten siehst und warum ältere AKs bevorzugt würden. Vor allem, dass die älteren AKs leistungsmäßig homogen und extrem stark wären, ist schlicht falsch. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Man sieht sofort einen starken Abfall der Leistung nach ein paar Plätzen. Beispiel aus 2024
Top10 der M30: 8:32-8:50, das ist ein Spread von 18min
Top10 der M65: 10:33-11:31, das ist ein Spread von 58min
Dein Argument, das System wäre keine Repräsentation der physiologischen Komponente: Für was soll das ein Argument sein? Doch wohl nicht für das alte System der Quotenverteilung? Weder das eine System noch das andere System leistet und wollte das. Die zu Ende gedachte Konsequenz einer solchen Forderung wäre: Auflösung der AKs.
Ich sehe den Bias in den Daten schon auch, die wesentlichen Gründe dafür sind m.E. jedoch vor allem:
- das alte Slotvergabesystem mit Rolldown (vor allem die nordamerikanischen Rennen mit vielen Slots) in Kombination mit der inhomogenität der Leistung der älteren AKs
- die physiologischen Probleme Älterer mit den Kona Bedingungen
M.E. ist die Diskussion ab 2031, wenn der Bias des alten Systems raus ist, eine völlig andere.
Ich freue mich wirklich, dass dieses Thema so viel Anklang findet und wir hier eine – wie ich finde – qualitativ sehr hochwertige Diskussion führen. Das zeigt mir, dass das Thema für viele relevant ist und dass unterschiedliche Sichtweisen absolut ihre Berechtigung haben.
Mir geht es ausdrücklich nicht darum zu behaupten, dass das neue System schlechter ist oder das alte System perfekt war. Das alte System hatte zweifellos auch Nachteile, und beim neuen lassen sich Vorteile erkennen. Wahrscheinlich ist es – wie so oft – eine Mischung aus beidem: Beide Modelle bringen Vor- und Nachteile mit sich, und genau das wird in der Diskussion hier sehr deutlich. Ich verstehe auch die Argumentation, dass reifere (ich mag das Wort „alt“ im Zusammenhang mit diesen sportlichen Leistungen nicht )Athletinnen und Athleten für ihren Einsatz belohnt werden sollen, und das unterstütze ich selbstverständlich.
Was ich persönlich extrem spannend fände, ob das Thema vielleicht ein Thema für eine der nächsten Sendungen von Arne wäre, u.a. mit einem objektiven Vergleich:
Wie viele Athletinnen und Athleten aus welchen Altersklassen hätten sich bei den bisherigen Rennen nach dem alten System für Hawaii qualifiziert – und wie sähe das unter dem neuen System aus?
Ich selbst habe leider nicht die technischen Möglichkeiten, um das sauber auszuwerten. Aber hier im Forum gibt es ganz sicher einige IT-Spezialisten die so etwas mit ein paar Daten, etwas Zeit und vielleicht auch mit Hilfe von KI gut und schnell hinbekommen könnten.
Das wäre aus meiner Sicht ein spannender Beitrag zur Versachlichung: nicht das Für und Wider aus dem Bauch heraus, sondern ein echter Datenvergleich.
Neben der Qualität der Diskussion hier finde ich es spannend, dass da ein fast philosophisches Problem lauert: Was wäre die optimale Verteilung und woran erkennt man sie? Wir wissen alle, dass wir das nicht wissen, und das sagt was
...Was ich persönlich extrem spannend fände, ...
Wie viele Athletinnen und Athleten aus welchen Altersklassen hätten sich bei den bisherigen Rennen nach dem alten System für Hawaii qualifiziert – und wie sähe das unter dem neuen System aus?... Das wäre aus meiner Sicht ein spannender Beitrag zur Versachlichung: nicht das Für und Wider aus dem Bauch heraus, sondern ein echter Datenvergleich.
Ich bin mir nicht sicher, welchen Erkenntnisgewinn du daraus ziehen möchtest.
Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten: Die Ergebnisse sind in allen Systemen gleich oder eine Altersgruppe/ein Geschlecht partizipiert positiv bzw. negativ. Und dann? Ist dann eines der neuen System fairer oder unfairer? Oder war das alte nicht vielleicht fairer oder unfairer?
Wenn du nach Fairness fragst, sollten die Beurteilungskriterien klar sein. Ich werfe mal diese in den Ring:
Leistungsorientierung, Geschlechtergerechtigkeit, Transparenz und Vorhersagbarkeit.
Das alte System war zwar leistungsorientiert, aber demografisch verzerrt zu Gunsten großer Männer- AKs. Dafür transparent und der echten Möglichkeit eines Wettkampfs im Wettkampf.
Das neue System ist rein leistungsbasiert. Geschlecht und Demografie spielen keine Rolle. Aber du läufst als Athlet ins Ziel und hast außer deiner Zeit keine Ergebnis-Verlässlichkeit. Und es führt scheinbar in eine stärkere Umverteilung der Slots zu Gunsten der Männer.
Das neue (System)`schreibt den leistungsbasierten Ansatz fort, berücksichtigt aber ebenfalls demografische Fairness als qualifikations-relevant. Wird aber durch den doppelten Performancepool nun nicht einfacher. Im Gegenteil.
Mein Fazit: das neue, überarbeitete System (November-Edition) ist für mich das Fairste. Es priorisiert Leistung, berücksichtigt strukturelle Ungleichheiten und vertritt eine inklusive Sportvision durch Unterstützung des Frauenanteils in einer Trend-Sportart.
Wie IRONMAN CEO Scott DeRue treffend formulierte: "Gleichberechtigter Zugang wird nicht durch das Ignorieren von Ungleichgewichten erreicht, sondern durch die Gestaltung von Systemen, die diese berücksichtigen."
Das System zeigt, dass wahre Fairness mehr erfordert als nur mathematische Gleichheit – es muss die komplexen Realitäten des Sports und der Gesellschaft widerspiegeln, während es gleichzeitig Spitzenleistungen belohnt.
Anscheinend wird hier vergessen, dass die Datenbasis zur Bestimmung der Faktoren von uns allen nachvollzogen werden kann.
Ich habe das schon mal gemacht (für 2 oder 3 AKs).
Außerdem werden sich die Faktoren in den nächsten Jahren ändern, da ja die letzten 5 Jahre für Age Graded Results hergenommen werden.
Insofern ist die Kritik an der Datenbasis nicht nachvollziehbar.
Der Vergleich mit 1914 ist nicht zulässig.
Die IM Daten werden sich auch zusätzlich ändern, weil auch die älteren AKs schneller werden, auch zB wegen besserem Material und Professionalisierung.
Das wurde von mir und anderen in diesem Thread aber auch in anderen schon mehrfach erwähnt.
Fand in Cozumel interessant: Mit 49 Jahren hätte ich 9:38 machen müssen für die Quali, mit jetzt 51 hätten 10:00 gereicht. Über 20 Minuten sind schon nicht wenig, gerade in den höheren AK scheint ein Qualiversuch in der neuen AK schon vielversprechend.
Richtige Beobachtung, und "das war schon immer so" - als 49jähriger hättest du nach dem alten System dich mit den 45jährigen Jungspunden um die Slots gebalgt, das ist als 50/51jähriger "Junior" in der neuen AK systemisch einfacher...
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Ex-Weiser, Mitglied in Axels 100-Tri-Plus-Club Owner of Post 10,000 im "Leben der Anderen"
Richtige Beobachtung, und "das war schon immer so" - als 49jähriger hättest du nach dem alten System dich mit den 45jährigen Jungspunden um die Slots gebalgt, das ist als 50/51jähriger "Junior" in der neuen AK systemisch einfacher...
Klar, aber ob das aber einfacher oder schwerer war, ist ja die spannende Frage. Wenn man schon einen mathematischen Faktor nutzt, kann man es ja prinzipiell auch noch feiner aufschlüsseln, dann gibts halt für jedes Jahr paar Minuten Bonus. Ob es dadurch gerechter werden würde, weiss ich nicht.
Dieses Jahr in Schottland bin ich bei einem Rennen in der Superveterans-Kategorie gestartet, das ist 50-59. Da spielten zwar AK-Plätze keine Rolle, aber der Unterschied zwischen 50 und 59 kann halt auch riesig sein performancemässig.