Mir dagegen machen meine alten Räder überhaupt keinen Spass mehr. Ich will elektronisch, Scheibenbremsen, breite Reifen usw. gar nicht mehr missen.
Habe hier noch ein altes Cervelo Soloist, top ausgestattet (alles Carbon, SRAM Red, 6.8kg), stehen, ist nur noch Ausstellungsstück. Fahre mittlerweile ein Cervelo Calendonia mit SRAM Red, macht richtig Bock.
Wie gesagt, es ist Hobby und da darf man auch Leidenschaftlich sein und wer es sich leisten kann, der soll seinen Spaß haben.
Natürlich! Selbstverständlich!
Mir geht es eher um die Preisentwicklung der Bike-Branche insgesamt, sowie um Canyon als einen der größten Hersteller. Wenn ein Rad der Mittelklasse heute 5.000 - 7.000 Euro kostet, ist das doch eine bemerkenswerte Entwicklung. Da fliegt so mancher Konsument aus der Kurve.
Ich könnte mir vorstellen, dass der Rennrad-Branche ein kleiner Richtungswechsel gut täte. "Keep it pure and simpel" könnte so ein Trend heißen. Der aktuelle Trend, der den Radsportlern das alleralleraerodynamischste Rennrad nahelegt (plus wadenhohe Aerosocken und ein hautenges Trikot) geht an den tatsächlichen Bedürfnissen einer großen Zielgruppe vorbei, meine ich. Den meisten Rennradlern ist die Aerodynamik ihres Rennradrahmens oder Lenkers ziemlich wumpe. Es ist nach meiner Überzeugung der Look, die Mode, der Trend, der solche Räder sexy macht.
Wir haben bereits andere Trends erlebt. Der letzte Trend war der der Leichtgewichts-Fetischisten und wurde vom aktuellen Aero-Trend abgelöst. Die Räder kratzten damals an der 6 Kilo-Marke; Hans-Christian Smolik wurde als klassische Gottheit verehrt. In Deutschland und den USA gab es als Sonderform den Stiffness-to-weight-Fetisch mit Principia oder Klein – wer hat damals nicht von einem Klein Quantum Pro geträumt? Davor lag die Ära der italienischen Rahmenbauer, in der es viel um Emotion ging. Ein verchromter Hinterbau und schön geschmiedete Muffen waren in den Magazinen ein ganzseitiges Foto wert. Das ästhetische Niveau dieser Zeit ist nie wieder erreicht worden. Ganz kurz gab es auch damals bereits einen Aero-Trend, der sich aber nicht durchsetzte.
Wer weiß, was nach dem aktuellen Aero-Trend kommt? Ich nicht. Vielleicht werden die Bikes wieder einfacher und günstiger.
...Die Räder kratzten damals an der 6 Kilo-Marke; Hans-Christian Smolik ...
Smolik kratzte meiner Erinnerung nach eher an der Sub 4kg-Marke.
__________________
Erinnerst du dich an die Zeit vorm Internet, als wir dachten, die Ursache für Dummheit wäre der fehlende Zugang zu Informationen? DAS war es jedenfalls nicht!
Smolik kratzte meiner Erinnerung nach eher an der Sub 4kg-Marke.
Ja, aber kommerziell war sowas nicht verfügbar, das waren reine Prototypen, soweit ich mit erinnere. Aber zugegebenermassen faszinierend.
Schlussendlich können einem die Rennradhersteller schon ein wenig leid tun. Was sollen sie denn tun, wenn sich eigentlich an der Technik über die Jahre nur inkrementell etwas ändert? Der Nutzwert meines 2004er Canyon Scandium mit 3x9 Ultegra (und Smolik Komponenten ) ist nicht wirklich geringer als eines neuen Rades mit Scheibenbremsen und Aeropipapo. Klar sieht das bei Leuten, die Rennen fahren, sicher anders aus, aber für die Sonntagsnachmittagsrunde ist das alles komplett irrelevant.
Trotzdem muss die Industrie irgendwie ständig neue Räder in den Markt drücken, sie können ja nicht sagen "Wir machen jetzt drei Jahre ein Neurad-Moratorium".Wenn die Anzahl nicht wächst, versucht man eben, mehr Umsatz über höhere Preise zu machen. Und versucht den Leuten einzureden, dass die neueste Generation irgendwie revolutionär besser als das Vorgängermodell sei - das aber angeblich auch schon revolutionär besser als das davor revolutionär Bessere usw usf.
Ob ich das alles mitmache und jede Hipster-Scheisse mit in meiner Wahrnehmung völlig überteuerten Klamotten und Rädern nachmachen muss, ist ja am Ende meine private Entscheidung.
__________________
Wenn Ihr alle die Zeit, die Ihr hier im Forum vertüdelt, fürs Training nutzen würdet...
Ich könnte mir vorstellen, dass der Rennrad-Branche ein kleiner Richtungswechsel gut täte. "Keep it pure and simpel" könnte so ein Trend heißen. Der aktuelle Trend, der den Radsportlern das alleralleraerodynamischste Rennrad nahelegt (plus wadenhohe Aerosocken und ein hautenges Trikot) geht an den tatsächlichen Bedürfnissen einer großen Zielgruppe vorbei, meine ich.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Zielgruppe wirklich so groß ist oder präziser formuliert: Ob das wirklich die kaufrelevante Gruppe ist. Du beschreibst ja im Prinzip Räder, die Du selbst gerne (wieder) kaufen würdest und bist nach allem, was ich so weiß, ja eher der Alptraum des ambitionierten Radverkäufers:
Du kauft sehr selten, fährst Räder sehr lange, bist preissensibel. Es reichen 85-90% Performance für 60-70% des Preises statt 15k Raumschiff.
Der immer relevantere Markt rekrutiert sich meines Wissens nach aber seit 10-15 Jahren zunehmend aus einer Gruppe 35-55 jähriger gute verdienender Freizeitfahrer (oft ohne jegliche Wettkampfambition!) ohne Schrauber-Sozalisation.
Für die ist ein 6K kein Mittelklasserad, sondern ein Rad, was alles kann und trotzdem „State of the Art“ ist und die Kaufkraft haben die und kaufen dann auch nich das Gravelbike für 3-5k zwei Jahre später.
Die ganzen integrierten Carboncarbonplattformen sind auch aus Herstellersicht sicher gut skalierbar, haben hohe Margen und eine gute Produktstory.
Ein Top-Alubike mit mechanischer Ultegra ist mittlerweile technischer eher teuer zu produzieren für geringe Margen und für eine Gruppe, die vielleicht kn der Communitylaut aber eher klein ist.
Die Probleme der Radbranche liegen doch in der Postcorona-Zeit eher bei teils sehr unrealistischem Wachstum, Überkapazitäten, Kapitalbindung und gewisser Marktsättigung.
Das man an der Zielgruppe vorbeientwickelt hat und damit das Ruder herumreissen könnte, glaube ich nicht.
PS: Mein erstes Rennrad hab ich mir vor knapp 8 Jahren gekauft, damals ein CAAD12 mit mechanischer Ultegra für 1299€ und Felgenbremse. War ein Top Rad.