Ich finde halt, wenn man mal ganz unemotional draufschaut, ist der Reifendruck einfach sehr wichtig sowohl für Performance als auch für Sicherheit. Insofern finde ich eine technische Möglichkeit, so einen Wert in echtzeit einfach und objektiv zugänglich zu machen, erstmal total sinnvoll.
Das bei solchen Innovationen am Anfang die Verhältnismäßigkeit aus technischem Aufwand, Preis und Nutzen nicht stimmt, liegt halt am Entwicklungsstadium und löst sich, wenn sich eine Technik etabliert. Oder auch erstmal nicht, wenn es (noch) nicht lösbar ist.
Das durch Technik die Komplexität vom Nutzer weg in die Entwicklung/Wartung verschoben wird und damit das Gerät selber komplizierter, ist aus meiner Sicht ja logisch unvermeidbar. Und ich finde das super. Und ohne diesen Prozess hätten wir technisch nirgendwo Innovationen. Natürlich ist das System Waschmaschine gegenüber dem Waschbrett total unnötig fehleranfällig und teuer, aber es bringt halt doch Vorteile.
Es liegt wahrscheinlich an meiner späten Einstiegspespektive, aber ich finde den Radsport echt lächerlich Innovationsfeindlich. Kettenschaltung,Indexschaltung, Klickpedale, Helme, Wattmesser, Carbon, Zwift, Reifenbreite, Reifendruck, Carbon, elektronische Schaltung, Scheibenbremsen, Tubeless…immer ein verlässlicher Zyklus in Stadien:
1)Emotionale Ablehnung ( Braucht Kein Mensch, gefährlich, unausgereift, ging bisher auch, zu teuer)
2)Abwertung der Nutzer ( Haben kein Gefühl, Inkompetent, Faul, verblödete Menschheit)
3)Relativierung und Beklagen des Erfolges ( Marketing, Industrie lässt keine Wahl…)
4) Stillschweigende Akzeptanz
5) Unerklärliche Amnesie für die eigene ursprüngliche Abneigung ( Also ich fand Zwift ja schon immer super… )
Versuch doch mal in 10 Jahren ( oder auch jetzt) jemanden zu erklären, warum man freiwillig mit einem 19mmDackelschneider und 11 Bar gefahren ist. Hm, keine Ahnung. Ging auch, aber fühlte sich schnell an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass in 10 Jahren kaum einer mehr Schläuche fahren wird und im Standardreifen ein Chip steckt. Muss man j nicht gut finden, mir taugt es.
Es liegt wahrscheinlich an meiner späten Einstiegspespektive, aber ich finde den Radsport echt lächerlich Innovationsfeindlich. Kettenschaltung,Indexschaltung, Klickpedale, Helme, Wattmesser, Carbon, Zwift, Reifenbreite, Reifendruck, Carbon, elektronische Schaltung, Scheibenbremsen, Tubeless…immer ein verlässlicher Zyklus in Stadien:
1)Emotionale Ablehnung ( Braucht KeinMensch, gefährlich, unausgereift, ging bisher auch, zu teuer)
2)Abwertung der Nutzer ( Haben kein Gefühl, Inkompetent, Faul, verblödete Menschheit)
3)Relativierung und Beklagen des Erfolges ( Marketing, Industrie lässt keine Wahl…)
4) Stillschweigende Akzeptanz
5) Unerklärliche Amnesie für die eigene ursprüngliche Abneigung ( Also ich fand Zwift ja schon immer super… )
Zitat:
I've come up with a set of rules that describe our reactions to technologies:
1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.
2. Anything that's invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.
3. Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.
Douglas Adams, The Salmon of Doubt (Dirk Gently, #3)
Ich merke leider, dass ich - wenn auch verspätet- gelegentlich in die dritte Kategorie abgleite. Während ich mir vor 25 Jahren ohne Zögern die damals neue elektronische Mavic Mectronic ans Rad geschraubt habe, würde ich jetzt viel lieber weiterhin mechanisch schalten. Den gedanklichen Widerstand gegen Schibenbremsen habe ich aber immerhin schon aufgegeben…
...
. Ich bin mir ziemlich sicher, dass in 10 Jahren kaum einer mehr Schläuche fahren wird und im Standardreifen ein Chip steckt. Muss man j nicht gut finden, mir taugt es.
Vielleicht läuft es ja auch anders: versuch doch mal in zehn Jahren jemandem zu erklären, warum man, obwohl es längst wunderbar funktionierende TPU-Schläuche gab, etwa fünf Jahre lang mit Dichtmilch rumgematscht hat, vor jeder Saison die Reste mechanisch rausklabustern musste, und am Ende trotzdem das System bei über 5 bar nicht wirklich gedichtet hat. Du weisst vorher nie, was sich durchsetzt.
Wer über 35 ist, kann vielleicht noch was mit diesen Stichworten anfangen: Beam bike, 26er, BioPace, Campagnolo Delta, Bikedrive Kurbel, Powertap Nabe...
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Wenn Ihr alle die Zeit, die Ihr hier im Forum vertüdelt, fürs Training nutzen würdet...
Vielleicht läuft es ja auch anders: versuch doch mal in zehn Jahren jemandem zu erklären, warum man, obwohl es längst wunderbar funktionierende TPU-Schläuche gab, etwa fünf Jahre lang mit Dichtmilch rumgematscht hat, vor jeder Saison die Reste mechanisch rausklabustern musste, und am Ende trotzdem das System bei über 5 bar nicht wirklich gedichtet hat. Du weisst vorher nie, was sich durchsetzt.
Nein, aber dass es im MTB und im Gravel mittlerweile ein Standard ist, ist schon ein starker Hinweis und da immer breitere Reifen mit weniger Druck im Rennrad gefahren werden, werden auch die Dichtungsprobleme kleiner werden. Und das Konzept Schlauch + Mantel ist nicht ohne Grund bei anderen Verkehrsmitteln verschwunden.
Zitat:
Wer über 35 ist, kann vielleicht noch was mit diesen Stichworten anfangen: Beam bike, 26er, BioPace, Campagnolo Delta, Bikedrive Kurbel, Powertap Nabe...
Ich bin über 35. Und das manche Technologien sich auch nicht durchsetzen, ist klar. Ist aber kein Grund, immer so aufgeblasene Debatten mit Abwertungen der Nutzer zu führen IMHO.
Man kann auch manche Entwicklungen einfach ziemlich sicher antizipieren. Beispielsweise wäre ich mir ziemlich sicher, dass irgendwann auch flächendeckend Bremsen mit ABS am Rennrad kommen werden. Ist nur eine Frage, wie lange das dauert.
Warum? Performance und Sicherheitsrelevant, siehe Auto und Motorad. Technische Lösung halt klar dem menschlichen Vermögen überlegen. Wie die Einführungs- und Entwicklungsdebatte verlief, dürfte auch den meisten Ü-35 bekannt sein. Oh Mann.
Beim Rad gibts ja jetzt schon erste Systeme bei E-Bike , Lastenbike und Co.
Irgendwann, wenn das technisch entsprechend klein und leicht baubar ist ( wahrscheinlich jetzt schon machbar) wird dann Shimano auch eine Bremse rausbringen, die bei Vollbremsung die Traktion gegenregelt.
Hier im Forum wird dann wieder geschimpft, wie teuer die Räder dadurch werden und die Volldeppen unter den Radfahrern einfach gescheiht Bremsen üben sollen. Die Unzulänglichkeiten des Systems werden beklagt werden und das man gar keine Kontrolle mehr hat.
Das System wird reifer werden und immer mehr Menschen werden sich im Amateurbereich sowas zulegen, weil sie feststellen, dass es einfach Vorteile hat, wenn es im Grenzbereich eine Verschiebung vom User zum Material gibt. Natürlich hilft das dem Anfänger oder normal bis schlechten Fahrer mehr, als dem Besten. Vor allem, wenn die Technik noch nicht so fein regelt. Aber das wird.
Im Profifeld wird das natürlich von der UCI streng verboten werden, während man sich in diversen Sondersitzungen andererseits großzügig bei der Regulation der Grösse und Farben von Sonnenbrillen zeigt.
Irgendwann, wenn das ABS aber so richtig gut ist, wird der eine oder andere Fahrer nach seinem Sturz auf regennasser TdF-Etappe das lauter fordern , weil er weiss, dass er sich mit ABS wahrscheinlich nicht das Schlüsselbein gebrochen hätte und dann irgendwann mit Hilfe Fahrergewerkschaft oder so kommts dann doch.
Muss nicht im detail so kommen, ist aber hochwahrscheinlich. Vielleicht löst sich aber auch demnächst noch mal eine Scheibenbremse und enthauptet das halbe Peloton oder Thomas Hellriegel wird UCI-Präsident und alle werden wieder vernünftig und bremsen mit Felgenbremse auf 19mm. Wer Weiss das schon.
Hmm, anhand der Länge Deines Sermons scheine ich oder jemand anderes doch einen Nerv getroffen zu haben (oder neudeutsch irgendwas getriggert haben).
Lass es mich kurz machen: eine gewisse Skepsis, allen neuen Trends hinterherzulaufen, die kein als akut wahrgenommenes Problem lösen, ist vermutlich altersbedingt und nennt sich Lebenserfahrung. Gerade beim Rennrad, das ja traditionell eher minimalistische Technik verwendet und damit auch ein bisschen ein wohltuendes Gegenteil zu unserer immer aufwändigeren und technisierten Gesellschaft darstellt, darf man mMn auch diesen Minimalismus ausleben.
Ansonsten: lass uns in zehn Jahren auf den Thread zurückkommen. Du darfst dann gern ein Bier von mir einfordern und ich werde lachen über meine jugendliche Ignoranz von vor zehn Jahren.
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Wenn Ihr alle die Zeit, die Ihr hier im Forum vertüdelt, fürs Training nutzen würdet...
Ich habe ein Cervelo P5 aus Ende 2019.
Das werde ich bis zum Ende meiner Triathlon- Karriere fahren, also noch so 2-3 Jahre.
Dann wird das Rad also knapp 10 Jahre alt sein.
Bei allen neuen Rädern sehe ich keinen Grund, etwas anderes zu fahren , auch nicht aus Komfortgründen die breiteren Reifen oder wegen anderer Ausstattungsmerkmale.
Ich hatte ein Zipp 808, der neueste Schrei, durfte man nur tubeless fahren, hookless und max. 5Bar bei 28er Reifen.
Damit habe ich Testläufe durchgeführt gegen mein Lieblings-HR, mit 25er Reifen und 7Bar, was immer schneller war.
=> die 10K (etwas weniger - eher 9K weil selber zusammengebaut) haben sich in den 10Jahren dann für mich gerechnet.
Ich bin noch nie Wettkampfmaterial länger gefahren, max. 3 Jahre bis dahin.
Wer über 35 ist, kann vielleicht noch was mit diesen Stichworten anfangen: Beam bike, 26er, BioPace, Campagnolo Delta, Bikedrive Kurbel, Powertap Nabe...
Mist, das hatte ich alles! Bis auf die Bikedrive Kurbel – da hatte ich auf die total ätzenden Smartcranks (1.000 Mark) gesetzt.
Außerdem: 180er Zeitfahrkurbeln, Powerplates für Duathlons, Allgäu-Hai mit Reißverschluss bis zu den Knöcheln....
Und das Konzept Schlauch + Mantel ist nicht ohne Grund bei anderen Verkehrsmitteln verschwunden.
Stimmt, wenn es am Rad so einfach funktioniert wie beim Mopped oder Auto bin ich auch dabei. Da geht es auch ohne Panscherei mit Dichtmilch, die muss auch nicht getauscht werden, Reifen aufziehen, fertig. Und ja, da gibt es auch Dichtmilchlösungen, aber auch bei Airstop-Reifen brauche ich nicht selber mit dem Zeugs rumzupanschen.
Irgendwo muss die neue Technik auch Vorteile bringen. Wenn ich die aktuellen Scheibenbremsen mit den alten Felgenbremsen gerade bei Carbonfelgen vergleiche will ich nie wieder zurück. Kleiner leichter Drucksensor im Reifen? Auch gerne.
Deswegen haben sich einige aber lange nicht alle neuen Erfindungen durchgesetzt.
Wenn man gerade im Finetuning guckt wie viel Einfluss der Reifendruck auf Rollwiderstand, Grip und Pannenschutz hat sehe ich da durchaus noch viel Potential, auch wenn sich das ein oder andere System nicht durchsetzen wird.