Viele Jahre glaubte ich, dass der europäische oder deutsche Weg erfolgreich sein würde, auch wenn klar ist, dass globale Probleme nur global gelöst werden können und dies zunächst hohe Kosten verursachen würde. Mittlerweile nicht mehr.
Fall' nicht auf die Behauptung rein, es gäbe einen deutschen Sonderweg. Sie ist ein Märchen aus der fossilen Lobby. Sie entspricht nicht den Tatsachen.
Deutschland ist beim Klimaschutz eingebettet in die gemeinsamen Bestrebungen der Europäischen Union. Deutschland liegt innerhalb der EU im Mittelfeld und ist keineswegs ein Vorreiter beim Klimaschutz. Aufgrund mancher Sektoren, wo wir besonders schlecht sind, kommen sogar empfindliche Strafzahlungen auf uns zu.
Daneben gibt es das Pariser Abkommen zum Klimaschutz, das eine globale Bedeutung hat und das wir bereits oft diskutiert haben.
Das Argument vom angeblichen Sonderweg besteht in der unausgesprochenen Behauptung, es sei besser, beim Klimaschutz langsamer voranzugehen als bisher. Sonst sei man der Dumme.
Schreibt man das einmal klar hin, bemerkt man sofort, dass das falsch ist. Bei der Windkraft, der Solarenergie, bei den Leitungsnetzen, selbst bei unserer nationalen Kernkompetenz, dem Automobilbau: Nirgendwo besteht unser Problem darin, dass wir zu schnell vorangegangen wären. Sondern, dass wir zu langsam sind. Die Chinesen machen uns Konkurrenz, nicht weil wir dumm wären, sondern weil wir langsam sind.
Gibt es ein aktuelles Beispiel in der heutigen Zeit, wo sich die Hemmung kreativer Gestaltungsmöglichkeiten bereits abzeichnet?
Ja, durch die Moralisierung des Themas Klimaschutz werden Ideen, Forschungen und Veröffentlichungen, die nicht dem "Mainstream" entsprechen (z.B. Forschungen zu zusätzlichen Einflußfaktoren aufs Klima, Entwicklung effizienterer Gasheizungen oder Verbrenner, Kernkraft für verläßliche emissionsfreie Energie, u.v.a.m.) sehr häufig moralisch diffamiert und damit unterdrückt. Es ist allerdings darüber hinaus ein eie gesellschaftliche Entwicklung, die sich auf andere Bereiche mit auswirkt; wurde z.B. bei Corona sehr deutlich, aber auch in Bereichen wie Intelligenzforschung, Genetik, u.a.m. wächst der Anteil von "tabuisierten" Themen in einem Ausmaß, das ich bedenklich finde.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Mir scheint nämlich das Gegenteil der Fall zu sein: Die Notwendigkeit zum Klimaschutz hat sehr viel Kreativität und Innovation freigesetzt. Das Elektroauto mit all seinen komplexen Voraussetzungen wurde entwickelt, die Energieversorgung revolutioniert, um nur zwei zu nennen. Vergleichen mit den Jahrzehnten davor leben wir in einer sehr dynamischen und kreativen Zeit.
Nicht die Innovation ist mein Problem, sondern der Umgang mit "Konkurrenz"-Innovationen. Es wird zu sehr auf die "einzig richtige Lösung" eingeengt, und Alternativen oder Kritik an der Praktikabilität oder gar Wirksamkeit der "bevorzugten" Innovation diffamiert, nicht akzeptiert und eingeschränkt. Das dämpft die freie Entwicklung von neuen Ideen jenseits des von Klimaschützern definierten Pfade.
Ich finde, daß vieles von der Innovation auf diesem Gebiet noch nicht ausreichend funktional ist, um das Alte vollständig zu ersetzen, daher sollte man nicht zu schnell alles Alte über Bord werfen, sondern das Neue soll sich im freien Wettbewerb durchsetzen.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Aus Deinen früheren Postings scheint mir hervorzugehen, dass Dir gerade dieses hohe Maß an Innovation und Veränderung gegen den Strich geht – und dass eine Mehrheit dahinter steht. Aus dieser Position einer immer kleiner werdenden Minderheit erscheint Dir die Gesellschaft als kollektivistisch. Dabei war sie zu keinem Zeitpunkt so vielfältig wie heute.
Ist da vielleicht etwas dran?
Der Mehrheit der Menschen, auch wenn sie anders denken, fehlt entweder das Wissen oder die Motivation, sich aktiv gegen diese Einengung des Denkbaren oder Sagbaren auf den "einzig richtigen Pfad" zu stellen. Das ist so, der Mensch ist ein Herdentier. Mein Problem ist, daß der kleine Anteil besonders Kreativer, die für die Entwicklung einer Gesellschaft entscheidend sind, durch diesen kollektivistischen Druck zur "moralisch richtigen" Haltung auch in der Motivation nachläßt, was langfristig die Entwicklungschancen reduziert. Alle großen Erfindungen und Entwicklungen entstanden in Zeiten und Gesellschaften, die Individualismus hochgehalten haben. Ich bin überzeugt, daß sich das nie ändern wird.
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“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
Schwarzfahrer, wo ist denn nun Dein konkretes Beispiel für unterdrückte Innovation aufgrund eines gesellschaftlichen Kollektivismus, den der Klimaschutz zu verantworten hat? Du hast Deine Antwort sehr allgemein gehalten.
Staatliche Regulierungen sind in gewissen Fällen ein notwendiges Übel und sollten immer minimiert werden, soweit wie vertretbar. Und die Definition dieser vertretbaren Grenze unterscheidet wesentlich eher kollektivistische von eher liberal/libertären Positionen in der Diskussion, bestimmt aber auch wesentlich, wohin sich eine Gesellschaft entwickelt.
Du hälst doch die Fahne der Aufklärung hoch und kommst mit so einer negativen Staatsauffassung (notwendiges Übel, Kollektivistisch) um die Ecke, die zu keinem demokratischen Staat passt. Stichworte: Gesellschaftsvertrag und Volkssouveränität. ( Hobbes, Locke, Montesquieu und Rousseau), um stattdessen eine feudalähnliche Macht grosser Monopole über die Gesellschaft als non plus ultra zu vertreten bzw. deren Freiheit (Allmacht), die durch staatliche, kollektive Zwänge behindert und beschnitten würde wie im Falle von Klimaschutzgesetzen. Mit der Aufklärung hat dieses Gesellschaftsmodell nichts mehr zu tun, es pervertiert sie.
Stichworte: Gesellschaftsvertrag und Volkssouveränität. ( Hobbes, Locke, Montesquieu und Rousseau),
Hobbes in einer Aufzählung zum Thema Gesellschaftsvertrag und Volkssouveränität? Dir ist schon klar, dass bei Hobbes Souverän nicht mehr das Volk ist, dass bei Eintritt in den Gesellschaftsvertrag alle Rechte an einen Souverän abgibt? Er wurde zum Wegbereiter des Absolutismus...
Hobbes in einer Aufzählung zum Thema Gesellschaftsvertrag und Volkssouveränität? Dir ist schon klar, dass bei Hobbes Souverän nicht mehr das Volk ist, dass bei Eintritt in den Gesellschaftsvertrag alle Rechte an einen Souverän abgibt? Er wurde zum Wegbereiter des Absolutismus...
Lies die Aufzählung historisch in zeitlicher Reihenfolge: Hobbes begründete den Begriff "Gesellschaftsvertrag" als erster im Leviathan, dem unteilbaren Souverän, dem das Volk die Macht abtritt, während später Rousseau das Volk als Souverän definiert auf Basis des Gesellschaftsvertrags. ("Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundlagen des politischen Rechts").
Bei beiden: Die politische Macht vergibt nicht mehr Gott, sondern das Volk inform des Gesellschaftsvertrags, einmal an den unteilbaren Souverän (Hobbes), einmal ist es selbst der Souverän (Rousseau).
J durch diesen kollektivistischen Druck zur "moralisch richtigen" Haltung auch in der Motivation nachläßt, was langfristig die Entwicklungschancen reduziert.
Ich hoffe dass sich das nie ändert, sonst haben wir dank Leuten wie dir das 4. Reich und den Niedergang Europas.
Klima- und Umweltschutz bedeutet schlicht auch Essen, Lebensqualität, Trinkwasser, ... begreifen einige nur nicht und leugnen die Fakten. Das schlimme ist dass durch ständige unwidersprochene Wiederholung von diesem Unsinn immer mehr Leute das glauben.
Wer nur ein klein bisschen recherchiert wird schnell darauf kommen dass uns Klima- und Umweltschutz schon lange deutlich billiger kommt als das braune und extrem konservative Weltbild uns glauben machen will. Unglaublich was wir uns und unserer Wirtschaft mit diesen einseitigen Abhängigkeiten antun, wir könnten schon lange billigere und sauberere Energie haben wenn nicht ein kleiner Teil so laut dagegen wettern und mit allen Mitteln von Fake-News bis populistischem Käse "das wird man doch noch sagen dürfen" versucht den Schritt in die Zukunft zu verhindern.
Wir leben zum Glück in einem Land wo man alles sagen kann. Aber Fake-News und brauner Mist bleiben zum Glück noch nicht unwidersprochen.
Schwarzfahrer, wo ist denn nun Dein konkretes Beispiel für unterdrückte Innovation aufgrund eines gesellschaftlichen Kollektivismus, den der Klimaschutz zu verantworten hat? Du hast Deine Antwort sehr allgemein gehalten.
Habe ich, weil ich den Kollektivismus allgemein als ein Problem sehe*, das weit über den Klimawandel-Thema hinauswirkt. Konkret sehe ich bei diesem Thema z.B. die einseitig auf die Regenerativen Energien fokussierte Forschung und staatliche Förderung, wo man doch angesichts der noch lange in Benutzung befindlichen fossilen Technologien viele "lower hanging fruits" ernten könnte. Oder daß Entwicklungen wie der Dual Fluid Reaktor nach Ruanda auswandern, weil in Deutschland zu eng gedacht wird, wenn es um eine CO2-freie Zukunft gehen soll. Besonders die moralische Überfrachtung von allem, was mit fosssilen Energieträgern zu tun hat, und moralische Überhöhung von Wind und Sonne als "sicher ausreichende Lösung" verhindert freies, unbeschwertes Denken in Richtungen, die wir aktuell noch gar nicht vorstellen können (zumindest bei Leuten, die sich von ihren Mitmenschen beeindrucken lassen, und das sind viele).
Ähnlich einengend sind viele "woke" Bewegungen, die bestimmte Forschungen oder Aktivitäten von Professoren behindern oder verbieten wollen. Jede Bewegung, die alle Menschen auf einen gemeinsamen Pfad bringen will, läuft Gefahr, den Effekt von Kreativitäts- und Vielfaltsverlust zu produzieren, und damit Chancen zu vertun.
*natürlich hat Kollektivismus in einem gewissen Rahmen auch positive Aspekte, besonders für die große Mehrheit von Menschen, die Geborgenheit in einer Gemeinschaft suchen, da in einem solchen System weniger Konflikte auftreten und weniger Verantwortung auf dem Einzelnen lastet. Aber bezüglich Entwicklungsmöglichkeiten sehe ich darin einen großen Nachteil.
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