Ich zermartere mir gerade das Hirn, und mir fällt überhaupt nichts ein was auch nur ansatzweise mit so etwas wie z Bsp der SZ oder der New York Times mithalten könnte.
Beispiele eher aus Print, geht aber natürlich auch rein Flimmermedien.
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In DE bilden SZ, FAZ, ARD, ZDF, RTL, Tagesschau, Welt usw. den Mainstream ab. Diese haben zusammen eine enorme Reichweite. Oft ist es so, dass sie auch letztendlich das Gleiche sagen zu den großen Themen wie Corona oder aktuell Ukraine: Die Tagesschau wird genauso wenig die Regierung hart kritisieren wie die SZ.
Mainstream-Medien produzieren Mainstream. Das ist auch völlig in Ordnung, denn nur so funktioniert eine Gesellschaft: Du brauchst eine Mehrheit, die (annähernd) das Gleiche denkt. Für diese Mehrheit zu sorgen, ist Teil der Aufgabe der Mainstream-Medien. Das muss so sein, sonst hätten wir Unordnung und kämen nicht vorwärts.
Der Einzelne dann kann machen, was er will (innerhalb der Gesetze natürlich): die Statistik bügelt das glatt, sie funktiniert immer.
Laut Statista ist das Vertrauen in die etablierten Medien noch ziemlich hoch in Europa, so bei 80-88 %.
Diejenigen, die das Vertrauen offensichtlich verloren haben oder noch nie hatten, sind meist Menschen, die ihre Meinung im Mainstream halt unzureichend repräsentiert sehen. Ob da nun die wichtigste Erklärung ist, dass das an staatlicher Einflussnahme oder anderer Zensur liegt, halte ich für diskutabel.
Das etablierte Medien nur eine Sichtweise darstellen, ist halt auch schlicht nicht richtig oder stark vereinfacht.
Ein Problem ist sicherlich der Qualitätsverlust etablierter Medien, gerade im Printbereich, Zeitungen wie die FAZ oder die SZ waren natürlich auch vor 30 Jahren nie vollkommen unabhängig, unparteiisch oder unfehlbar, hatten aber hohe Standards. Aber Abonnentenschwund, Werbeverluste und Auflagenrückgang hat da aus meiner Sicht doch Qualitativ einiges reduziert.
Aus meiner Sicht braucht es aber Informationsquellen, denen man ein hohes (nicht blindes) Vertrauen entgegen bringen darf. Ich zumindest bin nicht so universalgelehrt, dass ich die meisten Gebiete überschaue, sondern mittlerweile nur noch ziemlich wenige. Lebenserfahrung und erworbene Medienkompetenz helfen, aber man darf sich da nicht überschätzen.
Die „neuen“ Medienformate sind aus meiner Sicht noch nicht wirklich gut entwickelt in ihren Regulationsfunktionen. Auch eine freie unabhängige Presse hat da ja solche Mechanismen entwickelt. Aber das Problem der Wahrnehmungsverzerrung durch die Algorithmen ist noch ungelöst, auch die Korrektivfunktionen finde ich suboptimal.
Das jeder quasi über Nacht mit seiner Meinung eine Reichweite bekommen kann, wie sie früher kaum ein etabliertes Medium hatte, ist halt sowohl Chance als auch Gefahr. Wirklich optimal funktionieren da die Regulationsprozesse noch nicht.
Ein Problem ist sicherlich der Qualitätsverlust etablierter Medien, gerade im Printbereich, Zeitungen wie die FAZ oder die SZ waren natürlich auch vor 30 Jahren nie vollkommen unabhängig, unparteiisch oder unfehlbar, hatten aber hohe Standards. Aber Abonnentenschwund, Werbeverluste und Auflagenrückgang hat da aus meiner Sicht doch Qualitativ einiges reduziert. ....
Vor 40 Jahren wurde man wahrscheinlich noch einseitiger informiert. Nur fiel das weniger auf, weil es kein Internet gab, wo man selbst recherchieren konnte.
Kostendruck bei den etablierten Medien führt letztendlich zu einer Einheitsmeinung: Der einzelne Journalist schreibt das (oder lässt die KI das schreiben), was gefällig erscheint, weil er Angst um seinen Job hat.
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Die „neuen“ Medienformate sind aus meiner Sicht noch nicht wirklich gut entwickelt in ihren Regulationsfunktionen. Auch eine freie unabhängige Presse hat da ja solche Mechanismen entwickelt. Aber das Problem der Wahrnehmungsverzerrung durch die Algorithmen ist noch ungelöst, auch die Korrektivfunktionen finde ich suboptimal.
Das jeder quasi über Nacht mit seiner Meinung eine Reichweite bekommen kann, wie sie früher kaum ein etabliertes Medium hatte, ist halt sowohl Chance als auch Gefahr. Wirklich optimal funktionieren da die Regulationsprozesse noch nicht.
Ich frage mich halt, was soll da wie reguliert werden? "Nachtigall, ich hör Dir trapsen."
Schaut Euch einfach bitte mal die Kriegsberichterstattungen über die Kriege seit dem 2. Weltkrieg an, um zu lernen, wie wichtig freie, unabhängige Publikationen sind im Vergleich zur zensierten offiziellen Regierungsberichterstattung, welche jeweils über alle Massenmedien verbreitet wird. Die "Wochenschau" Propaganda hat leider bis heute nichts eingebüsst und alle Staaten übernehmen diese Methoden, wenn es darauf ankommt.
Allen ist sicher noch gut in Erinnerung (als Beispiel für die Korrektivfunktion ;-) ) die Publikation der 400 000 (!) Dokumente von Wiki Leaks zum Irakkrieg, welche den Schleier von der Regierungsversion des Irak-Krieges wegzog und die anschliessende Verfolgung von Assange, wegen der Publikation der amerikanischen Kriegsverbrechen im Irak. Soll so eine "Regulierung" aussehen?
Ich persönlich bin in den Jahren des Vietnamkrieges sehr kritisch gegenüber Leitmedien wie der NZZ z.B. geworden, welche wie einige andere damals hauptsächlich die Regierungsversion dargestellt haben und den Gegner verteufelt und entmenschlicht haben.
Wahrnehmungsverzerrungen gibt es gerade bei Kriegen primär von den staatlichen und behördlichen Seiten und nicht bei alternativen Organisationsformen wie Wikileaks z.B.! Erstere schränken ein bis verbieten immer die freie Berichterstattung von Journalisten, siehe Gaza, russisch besetzte Gebiete in der Ukaine etc.
Diejenigen, die das Vertrauen offensichtlich verloren haben oder noch nie hatten, sind meist Menschen, die ihre Meinung im Mainstream halt unzureichend repräsentiert sehen. Ob da nun die wichtigste Erklärung ist, dass das an staatlicher Einflussnahme oder anderer Zensur liegt, halte ich für diskutabel.
Es geht nicht nur um eigene Meinung, sondern auch um selektive Darstellung von Inhalten/Ereignissen (s. Silvesternacht 2015...). Staatliche Zensur gibt es nicht, aber eine weitgehend einheitliche Redaktionelle Ausrichtung der meisten "Mainstream"-Medien, die ihre Marktmacht nützen, um die aufkommende Konkurrenz mit weniger linken ausrichtung zu diskreditieren. Da es genügend schlechte "alternative Medien" gibt, ist es auch einfach, diese auf alle zu projizieren. Diese Entwicklung finde ich aber nicht weniger schlimm, als wenn es staatliche Zensur gäbe.
Zitat:
Zitat von Antracis
Das etablierte Medien nur eine Sichtweise darstellen, ist halt auch schlicht nicht richtig oder stark vereinfacht.
Wie alle kurzen Formulierungen. Trotzdem gilt, daß es ein höheren Grad an übereinstimmung gibt, als vor 30 Jahren. Damals war es noch ein sehr großer Unterschied, ob ich FAZ, SZ oder Welt gelesen habe (letzteres war für mich damals inakzeptabel konservativ-rückständig, heute eines derer, die am wenigsten "Einheitsbrei" präsentieren).
Zitat:
Zitat von Antracis
Aus meiner Sicht braucht es aber Informationsquellen, denen man ein hohes (nicht blindes) Vertrauen entgegen bringen darf. Ich zumindest bin nicht so universalgelehrt, dass ich die meisten Gebiete überschaue, sondern mittlerweile nur noch ziemlich wenige. Lebenserfahrung und erworbene Medienkompetenz helfen, aber man darf sich da nicht überschätzen.
Keinem Medium bringe ich inzwischen ein grundlegendes Vertrauen entgegen. Ich finde, man muß jedem Artikel/Bericht/Meinungsbeitrag eine Portion Skepsis entgegenbringen, und sich bemühen, durch Vergleiche und Zusatzrecherche selbst ein Urteil zu bilden. Nur bei Themen, die mir nicht wichtig sind, spare ich mir das.
Zitat:
Zitat von Antracis
Wirklich optimal funktionieren da die Regulationsprozesse noch nicht.
Die werden sie vermutlich auch nie - jede Regulation von oben trägt schon den Keim einer möglichen Zensur in sich (oder kann dafür mißbraucht werden, nicht nur vom Staat). Die beste Regulation ist m.M.n. immer noch das eigene skeptisch-kritische Denken und selbst erarbeitete Medienkompetenz. Je mehr Leute dies anwenden, desto weniger Chance auf dem Markt haben Medien, die unsauber arbeiten.
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“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
Ich persönlich bin in den Jahren des Vietnamkrieges sehr kritisch gegenüber Leitmedien wie der NZZ z.B. geworden, welche wie einige andere damals hauptsächlich die Regierungsversion dargestellt haben und den Gegner verteufelt und entmenschlicht haben.
Wahrnehmungsverzerrungen gibt es gerade bei Kriegen primär von den staatlichen und behördlichen Seiten und nicht bei alternativen Organisationsformen wie Wikileaks z.B.!
Diese Erkenntnisse sind für mich eigentlich Basics: Ich würde lange darauf warten, in der Tagesschau eine Kritik der Ukraine-Politik zu erfahren. Das passiert einfach nicht. Bzw. es passiert erst dann, wenn die Politik ihre Strategie geändert hat.
Darin liegt auch der Grund, warum sich bei den großen Themen (Flüchtlingspolitik, Corona, Ukraine ...) immer wieder die gleichen Personen streiten: auf der einen Seite diejenigen, die immer Mainstream-Meinug vertreten, auf der anderen Seite die grundsätzlichen Gegner (vereinfacht ausgedrückt).
Keinem Medium bringe ich inzwischen ein grundlegendes Vertrauen entgegen. Ich finde, man muß jedem Artikel/Bericht/Meinungsbeitrag eine Portion Skepsis entgegenbringen, und sich bemühen, durch Vergleiche und Zusatzrecherche selbst ein Urteil zu bilden.
In der Regel findet man Meinungen in Form von Meinungsclustern:
Wenn man im Gespräch mit einer Person erfährt, dass sie Schwierigkeiten mit der Akzeptanz des Klimawandels hat, weiß man sofort, was sie über Corona, Migration, Verbrenner-Aus, vegetarische Grillwürste und Gendern denkt. Diese Ansichten treten meistens gemeinsam auf und bilden einen typischen Meinungsgleichschritt, der vielen von uns bekannt sein dürfte.
Dieser Meinungschor kontrastiert in seiner Geschlossenheit stark mit der Selbstwahrnehmung dieser Leute, die sich als freie, unabhängig urteilende Geister sehen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser immer gleiche Strauß an Überzeugungen das Ergebnis persönlicher Recherche innerhalb des gesamten medialen Spektrums sein soll. Wenn alle die gleiche Jacke tragen, glaubt man doch nicht, sie hätten sie alle selbst genäht.