Du spielst hier die Sorge um die nackte Existenz gegen den Klimaschutz aus.
Warum gleich so dichotom? Ich gehe einfach davon aus, daß höhere Prioritäten auf einem Bereich zu verringerten Anstrengungen in einem anderen Bereich führen, also das Ergebnis dort mindestens verzögern. Das kann immer und überall passieren.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Damit kann man praktisch alle Missstände rechtfertigen. Kinderarbeit, Gewalt gegen Frauen, Hinrichtung homosexueller Menschen und so weiter. "Oder meinst Du, daß Länder in der Situation wie aktuell die Ukraine, oder auch Iran sich leisten können oder wollen, sich Gedanken um Gewalt gegen Frauen zu machen?"
In der Ukraine wird aktuell sicherlich einiges niedriger gewertet, als eine erfolgreiche Landesverteidigung und funktionierende Infrastruktur. Da wird man sich sicher kaum Gedanken um Meldportale für Rassismus oder Sexismus machen, und auch Klimaschutz dürfte dort kaum wesentliche Investitionen bekommen. Und was Iran angeht: bei denen ist Gewalt gegen Frauen Staatsprogramm, und das Zementieren der Position der Frauen in der Gesellschaft sowie die Vernichtung Israels sind schon lange deutlich höher priorisiert, als Klimaschutz. Aber auch die aktuellen Proteste sind kaum von Klimaschützern dominiert.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Das Argument ist in der Szene der Klimabremser sehr häufig und kommt stets in diesem Gewand daher: Die Menschen haben wichtigere Sorgen als das Klima in 50 Jahren.
Ja, das gilt nun mal für viele Menschen, daher werden Klimaschutzmaßnahmen finanziell wie bzgl. Priorisierung immer in Konkurrenz zu anderen Bedürfnissen stehen.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Dahinter steckt das falsche Argument, dass nur das allerwichtigste Anliegen einer Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit verdient. Bereits das zweitwichtigste Anliegen würde damit die Legitimation verlieren, sich darum zu kümmern.
Nein, das ist eine falsch dichotome Sicht. Das zweitwichtigste bekommt halt immer weniger Geld, weniger Zeit und weniger Aufmerksamkeit, als das aktuell Wichtigste, das drittwichtigste noch weniger, und muß dann entsprechend Abstriche bezüglich des real erreichbaren machen.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Klimaschutz ist in praktisch allen Gesellschaften als existenziell wichtiges Thema akzeptiert. Es verdient Aufmerksamkeit und Einsatz, auch wenn es aktuell jeweils noch drängendere Aufgaben geben sollte. So ist das nunmal: Es sind mehrere Aufgaben gleichzeitig zu meistern, da ist überhaupt nichts dabei. Es war nie anders.
Ja, mehrere gleichzeitig, aber nicht alle werden dauerhaft gleich priorisiert und gleich gut umgesetzt werden können. Ich mußte viele Jahre lang auch meinen Job bestmöglich machen, mich um meinen behinderten Sohn kümmern, ebenso um Haus und Garten, meine Gesundheit und mein Triathlon. Ich mußte allerdings immer wieder neu entscheiden, was ich optimal mache, und bei welchen Themen ich mich mit mittlerem oder geringerem Aufwand und Ergebnis zufrieden gebe. Ein anderer hätte möglicherweise anders priorisiert, es gibt keinen "optimalen Weg für alle".
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“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
In der Summe dieser beiden Aspekte kann die Ölförderung unrentabel werden.
Solange Öl auch noch ein sehr wichtiger Rohstoff für Industrie und Produktion ist, wird es kaum je unrentabel. Es dürfte noch sehr lange dauern, bis alle Schmierstoffe und Kunststoffe durch Alternativen ersetzt werden können, die nicht auf Erdöl basieren.
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“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
Es dürfte noch sehr lange dauern, bis alle Schmierstoffe und Kunststoffe durch Alternativen ersetzt werden können, die nicht auf Erdöl basieren.
Schießt Du da nicht ein Eigentor? Wenn es Emissionen gibt, sie sich nicht vermeiden lassen, dann müssen wir um so strikter die vermeidbaren Emissionen reduzieren.
In der Klimaleugnerszene hat Dein Argument einen eigenen Namen, weil es so häufig vorkommt. Man fordert unerfüllbar hohe Standards. Oben sprichst Du von allen Schmierstoffen und Kunststoffen und glaubst, dass sei ein Argument gegen den Klimaschutz.
An anderer Stelle argumentierst Du genau umgekehrt: Anstelle von utopischen Zielen solle man das praktikabel Erreichbare anstreben.
..... Ein anderer hätte möglicherweise anders priorisiert, es gibt keinen "optimalen Weg für alle".
Es geht beim Klimaschutz um Entscheidungen für die Existenz von Milliarden und nicht darum, was Du für Ausgabe- oder Bedürfnis-Prioritäten setzt. Und die zentralen Bedürfnissen von Milliarden hat Arne sehr korrekt beschrieben.
Als Psychologe würde ich in diesem Zusammenhang auf die Bedürfnispyramide von Maslow verweisen, 1943. Und der Klimaschutz gehört in den Bereich der notwendigen Basics der Pyramide, was niemand relativieren würde ausser die Klimawandelleugner.
Schießt Du da nicht ein Eigentor? Wenn es Emissionen gibt, sie sich nicht vermeiden lassen, dann müssen wir um so strikter die vermeidbaren Emissionen reduzieren.
In der Klimaleugnerszene hat Dein Argument einen eigenen Namen, weil es so häufig vorkommt. Man fordert unerfüllbar hohe Standards. Oben sprichst Du von allen Schmierstoffen und Kunststoffen und glaubst, dass sei ein Argument gegen den Klimaschutz.
Kurz emotional abrüsten und nachdenken, was ich geschrieben habe:
Ich wies darauf hin, daß Öl nicht nur klimaschädlich verbrannt, sondern nutzbringend verarbeitet wird als Rohstoff, und deshalb, auch wenn es nicht mehr verbrannt wird, gefördert werden wird. Es ist kein Argument gegen Klimaschutz. Es ist ein Argument dagegen, daß Ölförderung nur wegen Klimaschutz irgendwann unwirtschaftlich oder gar eingestellt wird. Öl bleibt genauso ein Rohstoff (in dieser Eigenschaft mit gleicher Klimawirksamkeit) wie Kupfer, Lithium oder Eisenerz, praktisch unentbehrlich noch für lange Zeit.
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“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
Etwa 4% der weltweiten Ölförderung werden derzeit zu Kunststoffen verarbeitet, mit steigender Tendenz.
Auch der in den Kunststoffen enthaltene Kohlenstoff gelangt früher oder später als Kohlendioxid in die Atmosphäre. Entweder durch langsame Zersetzung oder bei der Müllverbrennung.