Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Es ist aus meiner Sicht richtig, bestimmte Dinge auch moralisch zu bewerten.
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Soweit sind wir uns einig. Sowohl Zustände wie auch einzelne Meinungen oder Handlungen anderer Menschen beurteilt man auch moralisch. Daraus muß aber nicht folgen, daß ich wegen einzelner Punkte, die nicht meinen Moralvorstellungen entsprechen, einen Menschen als ganzes abwerte, ihn aus dem gemeinsamen sozialen Gefüge entfernen möchte. Es gibt m.M.n. nur wenige moralische Kategorien, die sowas rechtfertigen (und die sind meist strafrechtlich relevant), aber mein Eindruck ist, daß in den letzten Jahren für viele diese Kategorien inflationär angestiegen sind. Ich finde, Toleranz heißt auch, sich bis zu einem gewissen Maße mit unterschiedlichen Moralvorstellungen anderer Menschen in Teil-Lebensfragen abzufinden, und mit denen weiterhin respektvoll umgehen zu können.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Mir scheint, dass Menschen solche moralischen Betrachtungen mitunter meiden, weil sie ihnen einen Spiegel vorhalten, in dem sie sich nicht gefallen. Man würde gerne sein billiges Schnitzel essen, mit dem Flieger nach Hawaii düsen (wie ich), mit 200 Sachen über die Autobahn fegen und "Ausländer raus" rufen – und sich gleichzeitig als guter Mensch fühlen.
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Ich schätze, es gibt viele, die sich damit als guter Mensch fühlen und sich gefallen. Ich erwarte auf jeden Fall nicht, daß andere meine moralischen Maßstäbe einhalten; ich bin zufrieden, wenn wir uns gegenseitig den Raum lassen, das eigene Leben frei zu gestalten. Wer sich dieser Freiheit sicher ist, ist eher bereit, sich über das eine oder andere Gedanken zu machen, als wenn er durch soziale Isolation unter Druck gesetzt wird, seine Moral zu ändern.