Meinst Du diese Aussage gilt für die 50 - 60 % in meinem Link? Das würde heißen, die AfD hat inzwischen absolutes Mehrheitspotential.
Nein. Du dichtest auf unzulässige Weise diesen 50-60% der Befragten etwas an.
Wenn bei Markus Lanz jemand über Windräder spricht, hat er anschließend einen Shitstorm von über 2.000 Zuschauerkommentaren zu verdauen. Auf allen sozialen Medien findest Du einen sehr aggressiven rechten Aktionismus. Opfer dieser Mobilmachung sind zum Beispiel Prof. Christian Drosten oder Richterin Brosius-Gersdorf. Zu den Scharfmachern zählen die Bild und die Welt (Springerpresse) sowie die AfD.
Du wendest es so, als wären durchweg die politisch rechten Positionen unter Beschuss. Das entspricht nicht den Tatsachen.
Zitat:
Zitat von Schwarzfahrer
Es wird Zeit einzugestehen, daß es hierzulande Probleme gibt, die nicht vom rot-grünen Mainstream benannt/anerkannt, aber trotzdem für viele Menschen von realer Bedeutung sind.
Ich halte die Debatte um die Meinungsfreiheit aufseiten der AfD in weiten Teilen für eine Nebelkerze. Es geht diesen Leuten nicht um die Meinungsfreiheit. Das ist nur ein Vehikel für das Verbreiten von Unwahrheiten.
Ich glaube auch, dass es darum geht, Wissenschaftsleugnung zu verstärken. Darüberhinaus spricht man aber mit der Meinungsfreiheitsdebatte auch konservative Wähler*innen an, die durch eine Verschiebung des Meinungsklimas und Gesetzesänderungen vom Mainstream in eine Minderheitenposition gerückt und entsprechend sozialem Widerstand ausgesetzt sind.
Wer um 2000 gegen eine Gleichgeschlechtliche Ehe war, sah sich nur mit knapp 1/4 der Deutschen als Befürworter konfrontiert. 2015 waren es schon fast 50% und 2017 waren dann 3/4 dafür. In nicht mal 20 Jahren ist man meinungsmäßig aus der Mitte der Gesellschaft an den Rand gerückt und die Meinung wird teilweise nicht toleriert, sondern oft sogar moralisch problematisiert.
Bei Wertethemen (Sexualität, Migration, Klima, Gender, Religion) wird halt auch häufiger in Kategorien wie anständig/unmoralisch, solidarisch/unsolidarisch, menschenfreundlich/menschenfeindlich gesprochen.
Meinungsfreiheit bedeutet halt auch nicht Folgenfreiheit, zumindest nicht in einem sozialen Sinn.
Interessanterweise ist das beim Klimawandel ähnlich. In den 1990ern/2000ern war es relativ mainstream, den Klimawandel zu relativieren oder primär wirtschaftliche Bedenken vorzuschieben. Heute gilt das – besonders in urbanen/akademischen Milieus – schneller als wissenschaftsfern oder unsolidarisch.
Ich hab mir da auch mal Zahlen angeschaut und auch da sieht man gut die Entwicklung. (u. a. Umweltbundesamt, BMUV-Umweltbewusstseinsstudien, Eurobarometer). Frühe 1990er wurde der Klimawandel zwar als Umweltproblem wahrgenommen, aber nicht prioritär. Verantwortungszuschreibung und Dringlichkeit sind noch sehr uneinheitlich. Ab 2000 akzeptiert eine Mehrheit ( Gemeint ist immer nicht die Wissenschaft, sondern der breite Bevölkerungsschnitt) zunehmend die wissenschaftliche Basis des bedeutsamen menschengemachten Anteils. In den letzten Jahren sehen große Mehrheiten den Klimaschutz als sehr wichtig an. Und er steht als Staatsziel im Grundgesetz.
Wer das prinzipiell anders sieht, bezieht auch zunehmend soziale Prügel, vor allem in urbanen/akademischem Milleus.
Ich glaube, dass diese Entwicklung vom Mainstream an den Rand und die zunehmend heftige soziale Reaktion der Grund ist für den politischen Fokus auf die Meinungsfreiheit bei AfD, MAGA und Co. Neben den wirtschaftlich Abgehängten fischt man mit verlockenden Köder auch bei den meinungsmäßig abgehängten.
Dass deine (ungarischen) Bekannten/Verwandten darin nichts erkennen konnten, ist für sich genommen noch kein Beleg dafür, dass nicht dennoch bewusst mit bestimmten Narrativen gespielt wurde.
Natürlich nicht, aber es ist ein Beleg dafür, daß solche "codes" für normale (also nicht auf AfD als Feindbild geprägte) Menschen praktisch irrelevant sind; würde man einfach drüber weggehen, verpuffen sie weitgehend wirkungslos. Erst durch die (m.M.n. obsessive) Fixierung auf sowas erzeugt man überhaupt Aufmerksamkeit - die sich dann auf lächerliche Formalien richtet, statt auf ggf. wirklich Bedenkliches. Ich bezweifle auf jeden Fall, daß solche Urteile irgend jemanden, dem die AfD egal ist, von ihrer Gefährlichkeit überzeugen.
__________________
“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
Soso.
Seinerzeit.
War zufällig in deinem Posteingang, oder?
Vermutlich Genauso zufällig wie Reitschuster verlinken.
Seinerzeit ja - das Plakat ging schon mal vor Wochen durch die Presse, mit entsprechender Empörung garniert. Ich bekomme keine Post mit sowas, ich finde meine Themen selbst im Netz. Und der Artikel bei Reitschuster zeigt halt recht gut die Absurdität der Fixierung auf solche lächerlich konstruierten Indizien.
__________________
“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
Nein. Du dichtest auf unzulässige Weise diesen 50-60% der Befragten etwas an.
....
Das hat mit der Meinungsfreiheit nichts zu tun.
Die Umfrage habe ich nicht gemacht, diese Menschen sehen ein Meinungsfreiheitsproblem. Das ist keine Dichtung.
Damit ist das Thema Meinungsfreiheit sehr wohl eines der Probleme, über die man sprechen sollte, finde ich, statt so zu tun, als ob alles in Butter wäre.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Du wendest es so, als wären durchweg die politisch rechten Positionen unter Beschuss. Das entspricht nicht den Tatsachen.
Weder die Umfrage noch ich habe etwas von Einseitigkeit geschrieben. Es ist ein gesellschaftliches Klima entstanden, in dem abweichende Meinungen nicht mehr akzeptiert, sondern moralisch be- und verurteilt werden, was die Bereitschaft, die Meinung zu äußern, massiv senkt (außer man ist in der eigenen Blase). Anzeigeportale und Paragraph 188 tun ein weiteres dazu.
Bzgl. des Phänomens gebe ich Antracis recht:
Zitat:
Zitat von Antracis
...und die Meinung wird teilweise nicht toleriert, sondern oft sogar moralisch problematisiert.
Bei Wertethemen (Sexualität, Migration, Klima, Gender, Religion) wird halt auch häufiger in Kategorien wie anständig/unmoralisch, solidarisch/unsolidarisch, menschenfreundlich/menschenfeindlich gesprochen.
Meinungsfreiheit bedeutet halt auch nicht Folgenfreiheit, zumindest nicht in einem sozialen Sinn.
Der letzte Satz ist aber der entscheidende Unterschied zu vor 20 Jahren. Damals gab es noch keine Moralisierung in diesem Maße, und der Respekt vor allen Mitmenschen gebot, auch Meinungen zu akzeptieren, die man gar nicht teilt, ohne diese Menschen zu sanktionieren. Alles unterhalb der Strafbarkeitsgrenze führte nicht zu sozialen "Strafen". Die Wandlung zu Antracis' letzten Satz entspricht dem (früher als Witz zitierten) Spruch Idi Amins: du darfst alles sagen, mußt aber die Konsequenzen tragen - also genau das Gegenteil von Meinungsäußerungsfreiheit.
__________________
“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
Natürlich nicht, aber es ist ein Beleg dafür, daß solche "codes" für normale (also nicht auf AfD als Feindbild geprägte) Menschen praktisch irrelevant sind; würde man einfach drüber weggehen, verpuffen sie weitgehend wirkungslos. Erst durch die (m.M.n. obsessive) Fixierung auf sowas erzeugt man überhaupt Aufmerksamkeit - die sich dann auf lächerliche Formalien richtet, statt auf ggf. wirklich Bedenkliches. Ich bezweifle auf jeden Fall, daß solche Urteile irgend jemanden, dem die AfD egal ist, von ihrer Gefährlichkeit überzeugen.
Auch dafür ist es in meinen Augen kein Beleg. Man muss sowas Kontext bezogen sehen. Wenn eine Partei, wie die AfD, eine national-konservative bis rechtspopulistische Partei, sowas auf ein Poster klatscht, dann hat das eine Bedeutung. In meinen Augen, spiel die AfD damit ganz bewusst.
Bzgl. des Phänomens gebe ich Antracis recht:
Der letzte Satz ist aber der entscheidende Unterschied zu vor 20 Jahren. Damals gab es noch keine Moralisierung in diesem Maße, und der Respekt vor allen Mitmenschen gebot, auch Meinungen zu akzeptieren, die man gar nicht teilt, ohne diese Menschen zu sanktionieren. Alles unterhalb der Strafbarkeitsgrenze führte nicht zu sozialen "Strafen". Die Wandlung zu Antracis' letzten Satz entspricht dem (früher als Witz zitierten) Spruch Idi Amins: du darfst alles sagen, mußt aber die Konsequenzen tragen - also genau das Gegenteil von Meinungsäußerungsfreiheit.
Sehe ich anders, auch „früher“ wurde bereits heftig moralisiert.
Ich erinne mich noch lebhaft an die Nachrüstungsdebatte (NATO-Doppelbeschluss), wo „Kriegstreiber“ vs. „Vaterlandsverräter“ antraten. Oder die Debatte um §218 / Abtreibung als hochmoralischer Konflikt um „Lebensschutz“. Die Asyldebatte Anfang 1990er „, Das Boot ist voll“ vs. „Menschenwürde unantastbar“
„Homo-Ehe /„:Lebenspartnerschaft: „Zerstörung der Familie“ vs. „Gleichberechtigung“ Und die AIDS-Debatte mit heftigen moralische Zuschreibungen an Minderheiten.
Verändert haben sich aus meiner Sicht teilweise die Themen und die betroffenen Gesellschaftsteile.
Und die mediale Verarbeitung. Heute gibt es keine Redaktionsschlüsse mehr und die Diskussion wird nicht in Leitmedien stellvertretend geführt und ebbt irgendwann ab, sondern es gibt soziale öffentliche Dauererregung.
Ich glaube auch, dass es darum geht, Wissenschaftsleugnung zu verstärken.
Diese Denkweise setzt voraus, daß es eine einzig wahre Wissenschaft gibt - dabei lebt die Wissenschaft von Diskussion und Skepsis, nicht von Dogmen. Allein die Einführung des Begriffs "Leugner" für alle Skeptiker ist ein Merkmal eines Dogmatismus, der absolute Gefolgschaft verlangt. Sorry, das ist nicht für Menschen, die mal "sapere aude" für richtig hielten.
Zitat:
Zitat von Antracis
Darüber hinaus spricht man aber mit der Meinungsfreiheitsdebatte auch konservative Wähler*innen an, die durch eine Verschiebung des Meinungsklimas und Gesetzesänderungen vom Mainstream in eine Minderheitenposition gerückt und entsprechend sozialem Widerstand ausgesetzt sind.
Man spricht sie nicht damit an - sie erfahren das Problem am eigenen Leib ud führen deshalb die Debatte. Du glaubst wohl kaum, daß die 50 - 60 % der Menschen, die dieses Problem sehen, alle nur durch die Diskussion darüber getriggert werden, ohne eigene solche Erfahrungen?
Zitat:
Zitat von Antracis
Ich hab mir da auch mal Zahlen angeschaut und auch da sieht man gut die Entwicklung....In den letzten Jahren sehen große Mehrheiten den Klimaschutz als sehr wichtig an. Und er steht als Staatsziel im Grundgesetz.
Solche Umfragen sind natürlich stark durch die jeweils überwiegende mediale Darstellung der Themen beeinflußt. Dazu frage ich mich, wie viele sich bei der aktuellen Atmosphäre "Leugnern" gegenüber trauen, bei Umfragen die "falsche" Antwort zu geben. Aber trotz konstanter Klima-Alarmstimmung fiel in den letzten Jahren das Thema deutlich hinter anderen Problemen der Menschen in ihrer Priorität zurück. Und der Grundgesetzeintrag hat wenig mit den großen Mehrheiten in der Bevölkerung zu tun, es war keine Volksabstimmung sondern ein Urteil von einem Handvoll Juristen.
Zitat:
Zitat von Antracis
Wer das prinzipiell anders sieht, bezieht auch zunehmend soziale Prügel, vor allem in urbanen/akademischem Milleus.
Ja, genau das ist ein Merkmal schwindender Meinungsfreiheit (als Beispiel aus nur einem Bereich).
Zitat:
Zitat von Antracis
Ich glaube, dass diese Entwicklung vom Mainstream an den Rand und die zunehmend heftige soziale Reaktion der Grund ist für den politischen Fokus auf die Meinungsfreiheit bei AfD, MAGA und Co. Neben den wirtschaftlich Abgehängten fischt man mit verlockenden Köder auch bei den meinungsmäßig abgehängten.
Ja, allerdings: Leute, deren abweichende Meinung nicht gleichgültig oder auch in Diskussion zur Kenntnis genommen wird, sondern die sich dafür ins Gesicht gespuckt fühlen, wenden sich halt denen zu, die sie nicht abwerten. Ist das wirklich überraschend?
__________________
“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)