...
In China gibt es auch Reiche. Ich weiss nicht, ob da mit dem Finger auf sie gezeigt wird und dass die Leute dadurch an Motivation verlieren viel zu arbeiten.
...
Ich persönlich zeige nicht auf Reiche. Auf meinen Bildungsreisen schaue ich mir liebend gerne Villen an, so kürzlich in Porto Romano auf dem Weg nach Puerto Banús, wo kurz vorher die weltbesten Triathleten um die Wette liefen. Zwar hätte ich gerne eine, aber ich habe keinerlei Neid auf die Besitzer.
Skeptisch werde ich, wenn man mir sagt, ich solle mehr arbeiten, meinen Gürtel enger schnallen und verzichten und parallel dazu steigt die Zahl der Viertvillabesitzer an der Costa del Sol.
Fortschritt für einen selbst auf jeden Fall. Für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes nein.
So einfach funktioniert die kapitalistische Ökonomie nicht.
Allgemeine Arbeitszeitverkürzungen erhöhen in der Regel den Druck auf die Unternehmer, die Arbeitszeitverkürzungen durch die Erhöhung der Arbeitsproduktivität zu kompensieren und führten in der Geschichte zu den diversen Produktivkräfte-"Revolutionen" in der produzierenden Industrie und der Landwirtschaft. Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität bringt dann einen deutlichen Konkurrenzvorteil gegenüber allen anderen Firmen, welche weiter mit technologisch überholten Methoden produzieren.
In der Geschichte des Kapitalismus hat sich das Verhältnis von totem Kapital (Produktionsmittel) zu lebendigem Kapital (Arbeitskräfte) in der industriellen Produktion kontinuierlich zugunsten des toten Kapitals verschoben.
Die Arbeitsproduktivität erhöht sich ja nicht nur durch den Druck aufgrund von Arbeitszeitverkürzung, sondern auch durch zB. Konkurrenz und Fortschritt.
Und wenn sich diese Produktivität erhöht und die Arbeitszeiten bleiben, ist der Outcome grösser als wenn man die Arbeitszeiten reduziert. Einfache Gleichung.
In Vergangenheit konnten wir uns das leisten, ohne an wirtschaftlicher Lebensqualität signifikant einzubüßen. Dafür hat man individuell an Qualität und Freiheit gewonnen.
Derzeit sieht es aber nicht so aus, als ob wir unseren Lebensstandard mit diesem Modell halten können.
Auch Unternehmen rechneten jedes Jahr mit Effizienzsteigerung und Wachstum und konnten so weiterhin die Leute halten oder noch mehr einstellen. Da das Wachstum in einigen Branchen ausbleibt, muss freigestellt werden. Daher ist Wachstum für das kapitalistische Modell so wichtig.
Die Arbeitsproduktivität erhöht sich ja nicht nur durch den Druck aufgrund von Arbeitszeitverkürzung, sondern auch durch zB. Konkurrenz und Fortschritt.
Natürlich wirken beide Faktoren in Richtung einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität.
Zitat:
Zitat von Adept
Und wenn sich diese Produktivität erhöht und die Arbeitszeiten bleiben, ist der Outcome grösser als wenn man die Arbeitszeiten reduziert. Einfache Gleichung.
Was den Outcome betrifft: Selbst Lastwagenfahrer werden zu Pausen genötigt und müssen Fahrtenschreiber führen, weil sich sonst die Unfallgefahr erhöht. Die Arbeitzeit lässt sich nicht beliebig erhöhen, um eine optimale Produktivität der Arbeitskräfte zu erzielen.
Allgemeine Arbeitszeitverkürzungen erhöhen in der Regel den Druck auf die Unternehmer, die Arbeitszeitverkürzungen durch die Erhöhung der Arbeitsproduktivität zu kompensieren und führten in der Geschichte zu den diversen Produktivkräfte-"Revolutionen" in der produzierenden Industrie und der Landwirtschaft. Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität bringt dann einen deutlichen Konkurrenzvorteil gegenüber allen anderen Firmen, welche weiter mit technologisch überholten Methoden produzieren.
Es gilt aber auch anders herum: technische Fortschritte bringen erhöhte Produktivität, die als Argument in den Tarifverhandlungen helfen, kürzere Arbeitszeiten durchzusetzen.
Zitat:
Zitat von qbz
In der Geschichte des Kapitalismus hat sich das Verhältnis von totem Kapital (Produktionsmittel) zu lebendigem Kapital (Arbeitskräfte) in der industriellen Produktion kontinuierlich zugunsten des toten Kapitals verschoben.
Ist es so allgemein? Meine Firma (ein weltweit agierender großer Konzern in Energie-, Industrie- und Verkehrstechnik) hat sich über meine 35 Jahre dort massiv von "totem Kapital" getrennt, und die Wertschöpfung zunehmend auf Arbeitskräfte verschoben. Die Produktpalette hat die meisten material- und produktionsintensiven verloren/ausgelagert, und der Schwerpunkt liegt inzwischen überwiegend bei Software und Dienstleistungen.
Zitat:
Zitat von keko#
Und länger arbeiten und später in Rente wird das lösen? Ich fühle mich bei so was wirklich verarscht.
Länger Arbeiten kann ein nötiger Baustein sein, um die Rentenkosten zu begrenzen, da wir alle immer länger leben, und damit länger Rente wollen - um eine radikale Reform des Systems herumzukommen hilft das nicht, aber es verschiebt die wirklich unpopulären Einschnitte, die unweigerlich kommen werden, auf die nächste Politikergeneration. Vielleiht hoffen sie auch auf Entspannung, wenn durch massive Deindustrialisierung und daraus resultierende verschlechterte Lebensbedingungen die Lebenserwartung wieder sinkt.
__________________
“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)