Sehe ich anders, auch „früher“ wurde bereits heftig moralisiert.
Ich erinnere mich noch lebhaft an die Nachrüstungsdebatte (NATO-Doppelbeschluss), wo „Kriegstreiber“ vs. „Vaterlandsverräter“ antraten. Oder die Debatte um §218 / Abtreibung als hochmoralischer Konflikt um „Lebensschutz“. Die Asyldebatte Anfang 1990er „, Das Boot ist voll“ vs. „Menschenwürde unantastbar“
„Homo-Ehe /„:Lebenspartnerschaft: „Zerstörung der Familie“ vs. „Gleichberechtigung“ Und die AIDS-Debatte mit heftigen moralische Zuschreibungen an Minderheiten.
Ja, das wurde so moralisch diskutiert, aber danach (oder dabei) konnten die meisten gemeinsam ein Bier trinken gehen. Heute werden Wirte unter Druck gesetzt, wenn sie ihre Räume "unliebsamen Gästen" zur Verfügung stellen, Menschen müssen sich rechtfertigen, mit wem sie zusammen fotografiert werden, Vorträge werden von militanten Störertrupps verhindert statt offener Debatte, man will nur mit politisch gleichgesinnten Fußball spielen, u.a.m. Das geht über den Diskussionsinhalt hinaus, der Gegenüber wird zu oft gesamtmoralisch verurteilt und für inakzeptabel erklärt - wegen der Diskrepanz in einzelnen Themen.
Speziell die AIDS-Thematik im Vergleich mit Corona zeigt den auffälligen Unterschied im Umgang miteinander: Als wegen AIDS die Homosexuellen unter Generalverdacht gerieten, und ihr sozialer Ausschluß drohte, wurden Politik und Medien aktiv, um (erfolgreich) für Verständnis und Deeskalation zu werben. Die gleiche Konstellation bei der Diskussion um Ungeimpfte vor ein paar Jahren wurde von politscher und medialer Polarisierung und Aufheizen der Stimmung gekennzeichnet (von allen Seiten). Menschen mögen emotional sein, aber Politik und Medien sind in der Verantwortung, Emotionen zu dämpfen, statt anzuheizen. Bin gespannt, ob sich das mal in näherer Zukunft ändert.
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“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
In meinen Augen, spiel die AfD damit ganz bewusst.
Möglich, dann ist es erst recht albern, über jedes solche Stöckchen zu springen (oder gar akribisch nach Stöckchen zu suchen), statt die eventuelle Provokation einfach zu ignorieren, ins Leere laufen zu lassen. Vielleicht geht es der AfD wie der Grundschullehrerin meines Sohnes: sie meinte, sie kann einfach kaum widerstehen, ihn mit Kleinigkeiten zu ärgern, der Junge kann sich so prächtig aufregen, das macht richtig Spaß .
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“If everything's under control, you're going too slow.” (Mario Andretti)
Möglich, dann ist es erst recht albern, über jedes solche Stöckchen zu springen (oder gar akribisch nach Stöckchen zu suchen), statt die eventuelle Provokation einfach zu ignorieren, ins Leere laufen zu lassen. ...
Du verharmlost konstant die Verwendung von Nazi Bezügen in der Öffentlichkeit. Die entsprechenden strafbewehrten Verbote im STGB wurden beschlossen, um die Opfer und deren Nachfahren in Deutschland zu schützen. Was sollen Menschen denken, deren Eltern oder Grosseltern von den Nazis ermordet worden sind, wenn sie heute wieder Politiker sehen, welche öffentlich Nazi Symbole und Redewendungen verwenden, ob auf Plakaten oder in Reden. Der Staat hat die Aufgabe, diese Menschen zu schützen.
Möglich, dann ist es erst recht albern, über jedes solche Stöckchen zu springen (oder gar akribisch nach Stöckchen zu suchen), statt die eventuelle Provokation einfach zu ignorieren, ins Leere laufen zu lassen. Vielleicht geht es der AfD wie der Grundschullehrerin meines Sohnes: sie meinte, sie kann einfach kaum widerstehen, ihn mit Kleinigkeiten zu ärgern, der Junge kann sich so prächtig aufregen, das macht richtig Spaß .
Also es würde mich beruhigen, wüsste ich, dass - ähnlich wie die Grundschullehrerin Deines Sohnes - die AfD solches Verhalten nur macht, um zu provozieren. Ich unterstelle aber mal ganz frech, dass der Inhalt solcher Provokationen auch mit deren Haltung zu tun hat!
Du verharmlost konstant die Verwendung von Nazi Bezügen in der Öffentlichkeit. Die entsprechenden strafbewehrten Verbote im STGB wurden beschlossen, um die Opfer und deren Nachfahren in Deutschland zu schützen. Was sollen Menschen denken, deren Eltern oder Grosseltern von den Nazis ermordet worden sind, wenn sie heute wieder Politiker sehen, welche öffentlich Nazi Symbole und Redewendungen verwenden, ob auf Plakaten oder in Reden. Der Staat hat die Aufgabe, diese Menschen zu schützen.
Ich haber ein gewisses Verständnis für die wenigen ganz klaren Symbole wie offen und original dargestelltem Hakenkreuz, SS-Runen, u.ä., weil dann eine halbwegs gute Korrelation zwischen Symbol und möglicher Absicht ableitbar ist. (Wobei nach dieser Logik eigentlich auch Hammer und Sichel und roter Stern in die Kategorie gehören sollten, um die Opfer des Kommunismus genauso zu schützen; ist z.B. in Ungarn so). Aber die Suche nach "verborgenen" Symbolen und Worten halte ich für übertrieben und kleinlich (so wie es kleinlich ist, wenn jemand verurteilt wird, weil er einen durchgestrichenen Hakenkreuz darstellt - sowas gab es auch schon mal).
Zitat:
Zitat von Dragonfly
Ich unterstelle aber mal ganz frech, dass der Inhalt solcher Provokationen auch mit deren Haltung zu tun hat!
Eben, der eine sieht es so, der andere so - wir beide unterstellen etwas, beide ohne Beleg. Unter solchen Umständen halte ich eine gewisse Zurückhaltung bzgl. Urteil für angemessen. (Ähnlich wie bei dem umstrittenen Zeigefinger von Antonio Rüdiger, obwohl mir Islamisten mehr Sorgen machen als die AfD)
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