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Zitat von Klugschnacker
Vor welcher Klimaschützerin oder vor welchem Klimaschützer hast Du gegenwärtig am meisten Angst? Oder, falls Du nicht so in dem Thema drin bist, welche Klimaschutz-Organisation macht Dir aktuell die größten Sorgen?
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Angst ist vielleicht das falsche Wort, viel zu persönlich. Ich würde es so formulieren: ich habe Sorgen daß großer Schaden angerichtet wird, zuallererst durch zwei Gruppen oder Aktivitäten (keine Organisation im speziellen, es sind eher Stoßrichtungen, die von verschiedenen Organisationen verfolgt werden):
die einen, die Freund-Feind-Fronten aufbauen, und alle, die ihre Ansichten nicht bedingungslos teilen, als böse "Klimaleugner", rückständig, doof, nazi, u.a.m. brandmarken und überhaupt das Thema moralisch-propagandistisch überladen. Das vergiftet die gesellschaftliche Atmosphäre mit möglicherweise gefährlichen Folgen für die Zukunft.
Die anderen, die aus weniger Wissen und viel Überzeugung heraus glauben, eine Industrienation kurzfristig mit Wind und Sonne zuverlässig und wirtschaftlich versorgen zu können, und (zwar guten Glaubens, was es nicht besser macht) die Sicherheit der Energieversorgung nicht nur riskieren, sondern teils mutwillig zerstören.
Die erste Gruppe sorgt leider auch dafür, daß sich viele Politiker, die es besser wissen (müßten) nicht trauen, klar Position zu beziehen, sondern versuchen, sich durchzulavieren ohne irgendwo anzuecken.
Die übergriffige Idee, in den privaten Bereich hinein das Verhalten der Menschen regulieren zu wollen ist zwar auch eine Gefahr für eine freiheitliche Welt, die aber von weit mehr als den Klimaschützern allein bedrängt wird, das kann man ihnen nicht allein in die Schuhe schieben.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Du packst hier eine Reihe Behauptungen in Deine Aufzählung, die aus der Szene der Klimawandelleugner kommen und gut bekannt sind. In Deutschland häufig: "ohne wirtschaftliche Erfolge kein Geld für Klimaschutz."
Diese Behauptung unterstellt, dass Wirtschaftswachstum und Klimaschutz in einer chronologischen Reihenfolge stehen: Zuerst muss Geld verdient werden, dann kann man es für die Luxusaufgabe Umwelt ausgeben. Richtig ist: Man muss beides gleichzeitig hinbekommen.
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Dieser Satz, der nichts mit Klimaleugnung, sondern mit Logik zu tun hat, stellt keinen chronologischen, sondern kausalen Zusammenhang dar: Klimaschutz ist teuer (weiter oben gab es einen Link auf die bisherigen und geschätzten Kosten der Energiewende allein in Deutschland). Diese Kosten müssen kontinuierlich erwirtschaftet werden, können es aber offenbar nicht mit den neuen Technologien (allein) - das wäre ein wahrer Münchhausen-Trick.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Warum? Weil die Kosten des Nichthandelns größer sind. Damit sind nicht nur direkte Schäden gemeint wie Niedrigwasser am Rhein, überflutete Täler oder schlechtere Ernten. Ganz wesentlich geht es um Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA (Inflation Reduction Act) und China (Photovoltaik, Windkraft, Batterietechnik, E-Mobilität.
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"die Kosten des Nichthandelns" sind ein geliebtes Buzzword, die bestenfalls modellbasierte Schätzungen sind, mit großer Unschärfe, die schon bei der unsicheren Quantifizierung des Anteils des Klimawandels an Naturkatastrophen krankt (natürlich wird gerne jede Katastrophe so dargestellt, als ob es sie ohne Klimawandel nicht gegeben hätte, was meistens quatsch ist).
Wettbewerbsfähigkeit muß auf etwas aufbauen, was man kann, und was andere zu dem Preis kaufen wollen. Z.B. den geplanten "grünen Stahl" wird zu dem realen Preis kaum jemand in China oder USA kaufen, mit Stromüberschüssen an windigen Sommertagen hat Deutschland bisher auch nicht viel verdienen können. Man braucht dafür nachgefragte, hochwertige und kostengünstige Produkte oder Dienstleistungen, und diese müssen ohne übermoralisierte Filter genutzt werden, wenn man wirklich international bestehen will. Ich bin für Pragmatismus statt Idealismus (vielleicht auch dem Alter geschuldet).