Zitat:
Zitat von Meik
... wir könnten verdammt viel erreichen ohne gleich unzählige Verbote oder massive Einschränkungen der Lebensqualität.
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Gewiss. Außer man fragt sich, wer "wir" ist. Und was "verdammt viel" ist.
Sind mit "wir" Deutschland und andere reiche Industrienationen gemeint? Oder auch Afrika, das seine Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2050 auf zwei Milliarden verdoppeln wird? Sind da 1,4 Milliarden Chinesen und eine Milliarde Inder eingeschlossen?
Der weltweite Ausstoß von Klimagasen wird selbst dann
stark weiter ansteigen, wenn wir uns an das Pariser Abkommen halten – was derzeit nicht der Fall ist. Vom eigentlichen Ziel, einer deutlichen Verringerung der Emissionen, sind "wir" meilenweit entfernt. Wir stoßen global jedes Jahr mehr Klimagase aus, als im Jahr davor. Es sieht aktuell so aus, als hätten wir global im Jahr 2030 einen um sagenhafte 50% höheren Ausstoß an Kohlendioxid als im Jahr 2000! Allen zwischenzeitlichen Anstrengungen und Appellen zum Trotz.
Ich fürchte, wir machen uns da etwas vor, wenn wir Deutsche künftig nur dreimal statt viermal pro Woche Fleisch essen, Golf statt Passat fahren und in Zermatt statt in Palma Urlaub machen – und glauben, mit derlei Kleinigkeiten könnten wir verdammt viel erreichen. Das sind Tropfen auf einem heißen Stein. Im globalen Maßstab ist das völlig unbedeutend. Und wir haben es nunmal mit einem globalen Problem zu tun.
Ich sage das nicht an Deine Adresse: Dass wir Mitteleuropäer heute den Verzicht auf Rindfleisch oder Urlaubsreisen mit dem Flugzeug für eine massive Einschränkung unserer Lebensqualität halten, ist lächerlich. Unsere Supermärkte sind bis unters Dach vollgestopft mit köstlichen Alternativen. Tolle Landschaften mit hohem Freizeitwert haben wir praktisch vor der Haustür. Aus Sicht eines Kindes, das in einer der vom Klimawandel betroffenen Regionen leben wird, sind wir einfach große Arschlöcher. Ich gehöre da selbstverständlich dazu.
Wenn wir uns darüber einig sind, dass der Klimawandel ein globales Problem darstellt – dann sind die Ursachen dieses Problems eines gewiss nicht: Die Privatsache des einzelnen Menschen. Unser ökologischer Fußabdruck ist nicht nur privat, sondern geht alle etwas an. Die Interessen des Einzelnen müssen mit den Interessen der Gemeinschaft ausbalanciert werden. Das geht nicht ohne Gesetze. Jeder versteht und akzeptiert, dass ich meinen Mercedes nicht im Wasserschutzgebiet neu einwachsen darf, denn hier geht das Wohl der Gemeinschaft vor. Außerdem gibt es zumutbare Alternativen. Dasselbe gilt für die Massentierhaltung von Rindern. Nachdem wir ihre Schädlichkeit für das Gemeinwohl erkannt haben, haben wir das Recht und die Pflicht, sie per Gesetz einzugrenzen.