gemeinsam zwiften | youtube | forum heute
4 Radtage Südbaden
4 Radtage
Südbaden
4 Radtage Südbaden
Keine Flugreise
Deutschlands wärmste Gegend
Kilometer sammeln vor den Wettkämpfen
Traumhafte Trainingsstrecken
Training auf dem eigenen Rad
30.04..-03.05.2026
EUR 199,-
triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Da fasse ich mir echt an den Kopf…
Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 06.10.2017, 10:45   #8366
Klugschnacker
Arne Dyck
triathlon-szene
Coach
 
Benutzerbild von Klugschnacker
 
Registriert seit: 16.09.2006
Ort: Freiburg
Beiträge: 24.940
Zitat:
Zitat von Jörn Beitrag anzeigen
Anders gefragt: Sind wir in dem, was wir als Sinn akzeptieren würden, selbstlos?

Hier ist meine These: Genau das Gegenteil ist der Fall. Die einzige Eigenschaft eines Sinns, die nicht verhandelbar ist, ist dass er mit uns zu tun hat. .... Deswegen behauptet die Religion in der Regel, Gott liebe uns um unser selbst willen. Er liebt uns, weil er uns liebt. So großartig und liebenswert sind wir. Und mehr wollen wir gar nicht wissen.
Das sind interessante Gedanken. Ich hake mal bei dem Begriff "die Religion" aus dem obigen Zitat ein: Mir scheint, Du meinst hier speziell jene Religionen, die an einen persönlichen Gott glauben, der den einzelnen Menschen sieht, wie es etwa im Christentum der Fall ist.

Damit kontrastierend gibt es auch andere Gottesvorstellungen. Eine von ihnen hat mich in meiner Jugend sehr interessiert und wird unter anderem von Hoimar v. Ditfurth vertreten. Ich werde sie nachfolgend in maximaler Kürze skizzieren:
Die Welt ist noch nicht fertig. Sie entwickelt sich im Rahmen der Evolution über den ganzen Kosmos hinweg. Anstelle eines einmaligen Schöpfungsaktes gibt es eine viele Milliarden Jahre dauernde Evolution.

In dieser Evolution zeichnet sich eine Tendenz ab: Einfache Strukturen werden immer komplexer. Zuerst gab es nur Wasserstoffgas, heute gibt es sogar Gehirne. Dadurch zeigt sich eine zweite Entwicklungstendenz: Hin zum Bewusstsein. Wir Menschen sind die ersten Wesen mit einem ausgeprägten Bewusstsein, aber alle andere Materie folgt uns in dieser Entwicklung. Das Universum ist demnach etwas, das aufgrund von natürlichen Abläufen immer mehr Bewusstsein erzeugt, oder mit religiösen Worten: immer mehr Geist.

Das Entwicklungsziel oder der Sinn meint stets das gesamte Universum. Es entwickelt sich in seiner Gesamtheit auf ein Ziel hin, nämlich der Entfaltung des Geistes. Dieses Ziel mag man vielleicht mit der Vorstellung eines "Jenseits" oder "Paradieses" gleichsetzen, das ist einerlei. Wichtig ist jedoch, dass es nicht um den einzelnen Menschen geht. Es geht auch nicht um die Menschheit. Wir sind nur Zahnrädchen in einer viel größeren Entwicklung.

Diese Entwicklung begann ohne Menschen, und sie wird ohne Menschen enden. Wir sind nach dieser Vorstellung ein Zwischenschritt, genauso wie alles andere im Universum ein Zwischenschritt ist: Wasserstoff, Sonnen, Lurche, Schimpansen usw.

Das Ziel dieser Entwicklung wird vom gesamten Kosmos erreicht, nicht von seinen Einzelteilen. Mit anderen Worten: Nicht der einzelne Mensch kommt ins Paradies oder in die Hölle. Sondern der Kosmos als Ganzes erreicht ein Ziel.


Allerdings hat die moderne Kosmologie meiner unmaßgeblichen Meinung nach ein schwerwiegendes Gegenargument: Unser Universum dehnt sich aus, und zwar mit immer weiter zunehmender Geschwindigkeit.

Das hat aus meiner Sicht zwei Konsequenzen, welche dagegen sprechen, dass mit dem Universum als Ganzes in Zukunft etwas Interessantes oder Sinnvolles (der Einzug des Geistes in die Materie) stattfinden wird.
1. Das Universum stirbt den Kältetod. Ein expandierendes Universum wird immer kälter, alle Energiegefälle verschwinden, alles kommt zum Erliegen. Jede Entwicklung bleibt stehen, außer der Expansion des Raumes.

2. Wir vereinsamen im Kosmos: Durch die begrenzte Geschwindigkeit des Lichts können wir maximal 13.7 Milliarden Lichtjahre weit sehen. Das Licht von Himmelskörpern, welche noch weiter entfernt sind, konnte uns nicht erreichen, weil ihr Licht länger zu uns unterwegs ist, als das Universum alt ist. Also gibt es einen "Sichtbarkeits-Horizont" in einer Entfernung von 13.7 Milliarden Lichtjahren. Was sich innerhalb dieser riesigen Kugelschale befindet, ist das sichtbare Universum. Was sich jenseits dieses Horizonts befindet, ist der für immer unsichtbare Teil des Universums.

Jetzt kommt’s: Durch die fortwährende Expansion des Raumes bewegen sich alle größeren Himmelskörper von uns weg, da zwischen uns und ihnen fortwährend der Raum expandiert. Immer mehr Galaxien geraten dadurch hinter den "Sichtbarkeits-Horizont" und verschwinden aus unserer Sicht für immer. Das für uns sichtbare Universum wird also zunehmend leerer. Diese Entwicklung scheint sich außerdem immer weiter zu beschleunigen. Früher oder später sind wir allein, sofern man annehmen will, dass die Menschheit noch einige dutzend Milliarden Jahre existiert, in welcher Form auch immer.

So geht es nicht nur der Erde, sondern allen Himmelskörpern: In einer fernen Zukunft ist jeder von ihnen komplett alleine. Er kann weder von anderen erreicht werden, etwa durch Funksignale, noch können andere ihn erreichen. Eine kosmische Evolution im oben skizzierten Sinn ist damit sehr fraglich. Denn zwischen diesen kosmischen Inseln gibt es keinerlei Zusammenhang mehr.
(Sorry für den länglichen Gedanken).
Klugschnacker ist offline   Mit Zitat antworten