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Zitat von qbz
Ich würde daraus eher die Schlussfolgerung ziehen, dass Menschen das "Fressen" (billiger Zucker) und der Profit näher stehen als die Moral.
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Kann sein, aber meine möglicherweise falsche Überzeugung ist, dass Du (oder Brecht) an dieser Stelle die Menschen etwas überschätzt. Denn eine moralische
Abwägung, aus der dann das Fressen als Sieger hervorginge, findet oft gar nicht statt. Das ist ja das Bequeme an der Ignoranz, dass man nichts abzuwägen hat.
Der Familienvater, der Aktien für den Zuckerhandel gekauft hat, erwog nicht die damit verbundenen Konsequenzen für die Menschen Afrikas. Der ganz normale, nationalsozialistisch wählende Spießbürger wog nicht ab zwischen seinen vielleicht unklaren nationalistischen Überzeugungen und den Konsequenzen für die Menschen Polens. Und so weiter. Man überschätzt die Menschen aus meiner Sicht ein wenig, wenn man ihnen ein bewusstes moralisches Abwägen unterstellt. Es ist eher die Ausnahme als die Regel. Das meiste Unrecht geschieht aus ganz banaler Gleichgültigkeit.