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Szenekenner
Registriert seit: 30.05.2010
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Zärtliche Momente im Rentnerbad...
... ja, da staunt ihr, was?
Mein Renterbad bietet ALLES! Sogar Erotik. Naja, sagen wir lieber Zärtlichkeit, das trifft's besser.
Heute nämlich, ich machte gerade irgendeine Serienpause, begrüßte der sehr dicke Mann, der immer mit einem anderen Mann und einer Frau zusammen in einer Art Dreieck quasselnd in der Mitte des oberen Schwimmbeckens schwimmt (also sie schwimmen immer mit Blickkontakt, so dass mindestens einer Rücken schwimmt), heute begrüßte der eben diese Mitschwimmerin mit einem "Hallo Süße!", als die ein wenig später ins Becken kam. Sie ging zu ihm hin und erst heute bemerkte ich, dass die beiden ein Paar sind (vielleicht ist das aber auch eine neue Entwicklung, keine Ahnung), denn sie küssten sich zur Begrüßung und dann standen sie mehrere Momente lang beieinander, die Stirnen aneinander gelehnt, leise miteinander sprechend, sich noch mal küssend. Das war ein Moment großer Zärtlichkeit und Intimität mitten in der Öffentlichkeit eines Schwimmbades. Das ist man ja eher von Jugendlichen in Spaßbädern gewohnt, aber nicht von Leuten deutlich jenseits der 70 Jahre in normalen Schwimmbädern. Schön!
Ich bin heute super aus dem Bett gekommen und war eigentlich schon um 6 Uhr bereit, das Haus zu verlassen. Weil ich aber keine Lust hatte, so lange vor der Schwimmbadkasse zu stehen, die erst um 6:30 Uhr aufmacht, habe ich noch 10 Minuten getrödelt. Als ich dann um kurz vor halb am Schwimmbad ankam, dachte ich, mich trifft der Schlag: Die Schlange war doppelt so lang wie üblich. Freitags ist es immer voll, aber so voll? So ein Mist! Es standen Lagen auf dem Plan, ich brauche eine Randbahn!
Im unteren "Sportbecken" brauche ich mir keine Hoffnung auf eine Bahn am Rand zu machen. Die links nimmt der Regenbogen-Brillenfisch. Sie ist immer früh da und wenn nicht, bezahlt der Typ für sie, der IMMER als erster am Kassenautomaten steht und der die rechte Randbahn im Sportbecken besetzt. Der Regenbogen-Brillenfisch ist immer schon in der Warteschlange halb ausgezogen, also obenrum im Badedress und zieht nur noch Schuhe und Rock aus (sie trägt niemals Hosen).
Im oberen Becken ist die linke Randbahn immer vom Seitenschwimmer belegt. Der ist auch immer weit vorne in der Schlange und ganz fix im Wasser. Der soll auch bloß am Rand schwimmen, denn früher gab es oft Streit mit ihm, weil er auf der Strecke einer 25 m Bahn so weit zur Seite schwimmt, dass er quasi zwei Bahnen belegt. Man muss also ständig gucken, wo er gerade schwimmt. (Sieht übrigens auch sehr ungesund aus, was er da treibt. Er atmet total krank extrem zu einer Seite. Der ganze Körper ist verbogen und deshalb schwimmt er immer nach rechts. Erst seit er am Rand schwimmt, hat er es einigermaßen im Griff.)
Bleibt also noch die rechte Randbahn im oberen Becken. Ein Blick entlang der Warteschlange zeigt mir, dass ich Glück haben könnte, weil der mitteldicke, tättowierte, Sonnenstudio-Typ nicht da ist, der sich diese Bahn meistens krallen kann, weil er meist deutlich vor mir in der Warteschlange steht und auch zügig im Wasser ist. Manchmal schaffe ich es aber auch, ihn abzuhängen. Dann ärgert er sich, aber so sind die Spielregeln zwischen uns.
Die Spielregeln im Rentnerbad sind nämlich höchst kompliziert und ganz einfach zugleich. Kompliziert, wenn man sie noch nicht kennt, aber wenn man sie mal weiß ganz einfach. Es gibt Leute, die haben unumstößliche feste Plätze in den Becken. Ich würde nie auf die Idee kommen, den Platz des Regenbogen-Brillenfisches für mich zu beanspruchen, wenn sie sich mal verspäten sollte, was aber noch nie vorgekommen ist. Oder den der Qualle. Der hat seinen Platz auf der 2./3. Bahn von links im Sportbecken und fertig! Bei den meisten gilt aber: Wer zuerst kommt, schwimmt zuerst.
Heute habe ich also schon innerlich geflucht, weil ich noch in der Schlange am Kassenautomaten stand, als die ersten schon in die Becken stürzten.
Trotzdem habe ich mit einem Rest Hoffnung in der Umkleide unglaublich Gas gegeben und darin bin ich mittlerweile extrem gut!
Und siehe da, hurra: Als ich ins Bad komme, ist die rechte Randbahn im oberen Becken noch frei und ich kann sie belegen, Sekunden bevor die Frau mit der grauenhaften, praktischen Kurzhaarfrisur sie belegt, die auch immer ewig schwimmt.
Gut gelaunt kann ich also meine 3,5 Kilometer schwimmen. Keko hat mir ein sehr kurzweiliges Programm gegeben und ich hatte viel Spaß:
200 m ein
4 x 100 m Kombinationen (Lagen in wechselnder Reihenfolge)
4 x 50 m, 25 Kraul, 25 Delphin
2 x 400 m mit Paddles, GA1, 30 Sek. Pause
4 x 100 m mit Pullbuoye, zügig, 30 Sek. Pause
100 m locker, Rücken/Brust
2 x 400 m GA1
4 x 100 m Beine, 30 Sek. Pause
200 m aus
Heute fühlte ich mich fitter als gestern und bin auch jetzt nach dem Training nicht so müde.
Ich wünsche euch einen schönen Tag!
Viele Grüße
J.
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