Wie heissts so schön? "Man muss flexibel sein".
Genau.
Daher hab ich fast den kompletten Vormittag an jenem Ort verbracht, an dem ich heute Nacht bis um Drei noch gelesen hab: im Bett.
Dann hat mich doch das überreichliche Licht durch die Schlitze des Rolladens neugierig gemacht.
Laufen wollt ich nicht gleich gehen, weil ich gewaltigen Appetit verspürte und mir erstmal ein ordentliches Frühstück genehmigt hab, und bis ich dann mitm Forum hier (und anderswo) durch war, stand mir der Sinn eher nach Radeln.
Wir erinnern uns: der Donaudurchbruch.
Und: zwo Wochen bin ich nu aus verschiedenen Gründen mitm Auto in die Firma und sonstwohin gefahren, also irgendwie wars mal wieder an der Zeit für ne kleine Expedition.
Zunächst gabs aber n paar kleine Umtriebe, weil ich endlich, endlich, endlich, meinen Daunanschlafsack mal waschen wollte.
Der hat ne wildbewegte Geschichte, denn lange Zeit meines Lebens kam ich mit nem Steppdeckenschlafsackerl aus, das, wen ichs nedd brauchte, bei meiner Oma als Überdecke vom Sofa im Gästezimmer (naja, was heisst 'Zimmer', hüstel...) diente.
Irgendwann stand dann das erste Winterzeltlager an und mir deuchte, es könne frisch werden in der 'mehr-oder-weniger-Decke-mit-Reissverschluss-aussenrum', daher wurde n Bundeswehrschlafsack nachgelegt, und glücklicherweise hab ich zum Zelten Ende Dezember beide Penntüten mitgenommen.
Nachdem die Geschichte in Zelten stattfand, in denen man Feuer machen konnte (und im Dezember definitiv auch musste;- das erste Zeltlager fand bei nem guten, halben Meter Neuschnee statt...), manifestierte sich alsbald, dass beide Schlafsäcke aufgrund von Funkenflug etwas litten, völlig unbenommen des Umstandes, dass die Omi das Interesse an dem nach Feuerrauch stinkenden Mottenfänger nach und nach verlor.
Irgendwann entstand dann die Notwendigkeit, für Motorradreisen was Handliches aber dennoch Warmes aufzutreiben, und obwohl wir noch Jahrzehnte ohne Internet auskommen mussten damals, gelang es in kurzer Zeit festzustellen, dass aufgrund der Gefahr, nass zu werden, kein Daunenschlafsack in Frage kommt, weil so n Dingen einfach nass nimmer isoliert.
Also gabs erstmal n Kunstfaserprodukt, versehentlich mit Quallofill statt Quattrofill ausgestopft, was im Nachhinein imstande war, den günstigen Preis zu erklären, nixdestowenigerzumtrotz aber lange Zeit ausreichend war, quer durch Europa damit zu gondeln und auch mal auf zwotausendirgendwas Metern leidlich ausreichend war, auf irgendnem Alpenpass im Strassengraben zu nächtigen.
In all der Zeit und auf all den Kilometern ging mir der Wunsch nach nem Daunenschlafsack aber nie aus dem Kopf: kleiner komprimierbar, bessere Isolation, dadurch auch leichter.
Ergo achtete ich stets, bei allem was ich tat und überall, wo ich übernachtete, darauf, ob mein Schlafsack nass wurde, und nach gut fünf Jahren war die Zeit gekommen, die Frage danach mit nem klaren 'Nein' zu beantworten, worauf ich natürlich losmarschierte und mir endlich so n Teil genehmigte.
Es kam natürlich, wie es kommen musste: bereits auf der ersten Tour, die in den Herbstferien nach Jugoslawien führen sollte, dann aber in Ermangelung eines mitgeführten Reisepasses in Venedig und (wiedermal) den Alpen endete, wurde die Penntüte vom ersten Tag an nimmer trocken, so dass ich letztlich, zermürbt davon, morgens in nasse Klamotten und abends in nen nassen Schlafsack zu schlüpfen, die Tour abbrach.
DESASTER!
Sowas hatte es bis dato noch nie gegeben und es wäre aufgrund eines Unfalls oder Defektes vielleicht im Ansatz denkbar gewesen, niemals aber wegen unzulänglichem Material. Never!
Das nächste Winterlager sah mich dann wieder mit dem bewährten Ensemble aus Couchbezug und BW-Schlafsack, und, man mags glauben oder nicht: in den Osterferien hatte ich mich zugunsten einer neuen Chance für den Daunenschlafsack gegen Schifoan entschieden und für ne Tour nach Südfrankreich, wo ich zu dem Zeitpunkt garantiert schon ein halbes Jahr nimmer war.
Es kam, wie es kommen musste: 10Tage in der Pisse und trotz bewährtem, an sich wasserdichtem Kompressionssack, wiedermal der nasse Daunensack.
Unglaublich, aber im Nachhinein nachvollziehbar, denn feuchte Nächte zog sich wie ein roter Faden durch das Leben dieses Utensils und dummerweise war ich damals noch vom Gedanken beseelt, die Ausrüstungsberge grazil zu halten und hatte den bewährten Quallofill-Schlafsack nem Kumpel verkauft.
PePe, persönliches Pech, sozusagen.
Der Bann war erst zu dem Zeitpunkt gebrochen, als ich mir mit meiner damaligen Blume gemeinsam zwo Schlafsäcke kaufte, die koppelbar waren. Physikalisch isses ja kaum nachvollziehbar, dass das wärmer wär dadurch, aber nicht immer ist die Physik in der Lage, irgendwelche Effekte zu erklären, aber wie auch immer: man war ja nedd gezwungen, die beiden Dinger zusammenzukoppeln.
Die Daunenpenntüte freute sich derweil und lange Jahre darüber, warm und trocken und aufgrund meiner zwischenzeitlich angeeigneten Vorsicht, Ausrüstungsgegenstände voreilig abzustossen, auf oder in irgendwelchen Schränken ungewissen Einsätzen entgegenzudämmern.
Der (man kann hier wirklich nur die Einzahl bemühen) kam dann Anfang des neuen Jahrtausends, als ich die glorreiche Idee ausbrütete, mir nen Wohnwagen kaufen zu wollen.
Idealer Einsatzzweck für nen Schlafsack, der nedd nass werden sollte und wenn man gerne drauf verzichtet, richtige, aber einfach sperrige Bettdecken und Kissen zu verwenden.
Nu sollte man meinen, damit würde alles gut werden, aber denkste: voriges Jahr im Frühling sperr ich die Zigeunerbüchse auf und finde den Inhalt weitgehend nass vor. Inklusive des Schlafsacks natürlich.
Erfreulicherweise war ich mit meiner ewigen Glückssträhne kurz nach dem feuchten Inferno vor Ort, und konnte durch die sofort eingeleiteten Trocknungsmassnahmen Schlimmeres verhindern, nahm aber das Intermezzo zum Anlass, den Daunenschlafsack mal waschen zu wollen.
Ok;- das dauerte nu noch fast ein Jahr, aber heute war der hohe Festtag dann gekommen.
Soviel also dann zur Einleitung...
Nachdem jedenfalls die Wäscherei fürs Erste abgeschlossen war, kramte ich meine verwaisten Fahrradklamotten aus der Reisetasche, dübelte Klickies an die Blaue Banane, kopierte mir den benötigten Landkartenausschnitt und radelte los.
Alles war bestens, die Sone lunzte durch die Bäume, die Wege waren griffig und die Füsse dank Winterschuhen und Thermo-Präsern darüber warm.
Die ersten Kilometer kannte ich, die Karte war eher fürn Rückweg gedacht, dann kam ein Radwanderweg, den ich schon häufiger benutzt hatte, und dann der erste Blick ins Donautal:
Der trog leider etwas, denn so rasant wie die folgende Abfahrt war (und dementsprechend frisch;- wir hatten -4°C und mein EiFohn war bereits seit längerer Zeit zum Selbstschutz ausgestiegen) so deftig gings auch anschliessend erst nochmal hoch.
Als ich hier das Bild geschossen hab, hab ich gleichzeitig das Telefon nochmal in den Topeak-Container umgeladen, mit der Klammer daran unter das lange Shirt geclipst und dabei bemerkt, dass mir ein eiskalter Wind in den Rücken pfiff.
Dadurch wachgerüttelt schaute ich auf die Uhr: 5 vor 4. Oh!
Nichtmal halfway, Rückenwind bis dahin und trotzdem langsam aber stetig ziemlich frisch.
Also Karte raus, Plan übern Haufen werfen, Abkürzung zwecks Selbstrettung!
Ne Viertelstunde später sah ich dann das ersehnte (Teil-) Ziel:
Die Abfahrt da runter wurde mir von nem Senior im Lauftrimm versüsst, der mir n paar gute Ratschläge für die Routenwahl mit auf den Rückweg gab.
Irgendwas muss ich aber falsch verstanden oder verwechselt haben, dann nochmal ne gute Viertelstunde später landete ich hier
, beiläufig bemerkt ne ziemlich geile Piste, aber leider auch der Auftakt eines längeren Fussmarschs, den die Neoprenüberzieher nedd sehr gut überstanden.
Dies war der Zeitpunkt, als die Dinge ausser Kontrolle gerieten...