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Zitat von niksfiadi
Die Hauptentwicklungsphase des Gewissens und der Moral, also von dem, was mich davon abhält etwas im gesellschaftlichen Wertekodex "unrechtes, verwerfliches oder unmoralisches" zu tun, ist nach Psychosozialem Entwicklungsmodell zwischen 4 und 6 Jahren.
Die Entwicklung der Werte funktioniert ausschließlich über Beziehungen, innerhalb derer ein Kind aufwächst. Medien beeinflussen die Kids erst nach dieser Phase (ich behaupte mal ab 10, nach der Latenzzeit in der Adoleszenz - Identitätsfindung), weswegen ich der Meinung bin, dass die Rolle des sauberen Spitzensportlers überschätzt und die Rolle der Sozialisierung im Elternhaus/Kita/Kiga und auch im Sportverein! unterschätzt wird.
Ein Kind, dessen Werte in dieser Phase falsch gepolt werden, wird später immer zu bescheißen versuchen, egal ob im Sport, im Beruf oder in der Ehe
Nik
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Sicher hast du zum Teil recht und es ist kein Zufall, dass bei den Großen (Ullrich, Armstrong, Landis) fast die gleiche Sozialisation stattgefunden hat. Zumindest soweit man es aus der Ferne beurteilen kann.
Auf der anderen Seite würde ich deine Schilderungen als bloße Theorie einschätzen. In der Praxis erlebe ich häufig paradoxe Verhaltensweisen und die Macht der Peergroup würde ich ebenfalls nicht unterschätzen.
Ich vermute, dass z.B. Jaksche in seiner Familie einen "gesunden Wertekodex" kennenlernen durfte. Auch bei einer großen Anzahl von "Überführten" sind ausgeprägte Schamgefühle festzustellen. Häufig sind es ja gerade die überzogenen Moralvorstellungen vor der eigenen Familie, die eine umfängliche Aufarbeitung nach einem gemachten "Fehler" so erschweren.
Dazu würde passen, dass gerade im Radsport immer wieder religiöse Andeutungen bei den Zieleinfahrten zu beobachten sind.
Um es kurz zu machen. Die Probleme des Radsports liegen nach meiner Ansicht in deren Geschichte. Man könnte auch deine These übertragen und sagen "Die Hauptentwicklungsphase des Gewissens und der Moral innerhalb der Radsportfamilie verlief nicht gerade optimal. (waren es die 40er;50er Jahre?) Hier ging es um blanke Existenz und koste es was es wolle die Armut zu überwinden. Der Zugang war nicht offen, die Strukturen haben und hatten inzestuöse Tendenzen. (Es wird eingeladen, nicht qualifiziert)
Bis heute ist die Akademiker Rate unter den Radprofis zu vernachlässigen.
Diese Strukturen sind mit der des Triathlons nicht zu vergleichen. Meist handelt es sich ja um gut ausgebildete, unabhängige Personen. Die Strukturen sind Transparent, der Mut Versäumnisse, Verfehlungen offen und kritisch anzusprechen vorbildhaft.
Das Problem des Triathlons ist eher die Tendenz zum Narzissmus und sicherlich kann das auch eine Triebfeder für Doping sein. Die Selbstverliebtheit hält sich nach meiner Erfahrung aber gerade bei den Spitzenleuten sehr in Grenzen. So führt die „Kränkung“ nicht der Beste zu sein (oder sich nicht für Hawaii qualifizieren zu können) auch nur bei den ausgeprägt Persönlichkeitsgestörten zum Griff in die Dopingkiste.
Und da wären wir wieder bei Mister 25 .
Alle Anderen sind zwar hoch motiviert, können aber Niederlagen mit einem Augenzwinkern verkraften und gehen am nächsten Tag mehr oder weniger frohgelaunt ihrer Arbeit oder ihrem heißgeliebten Hobby nach.