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Klassenzusammenkunft. Erich Kästner
Klassenzusammenkunft.
Sie trafen sich, wie ehemals,
im 1. Stock des Kneiplokals.
Und waren zehn Jahr aelter.
Sie tranken Bier. (Und machten Hupp!)
Und wirkten wie ein Kegelklub.
Und nannten die Gehaelter.
Sie sassen da, die Beine breit,
und sprachen von der Jugendzeit
wie Wilde vom Theater.
Sie hatten, wo man hinsah, Bauch,
und Ehefrau'n hatten sie auch,
und Fuenfe waren Vater.
Sie tranken ruestig Glas auf Glas
und hatten Koepfe bloss aus Spass
und nur zum Huetetragen.
Sie waren laut und waren wohl
aus einem Guss, doch innen hohl,
und hatten nichts zu sagen.
Sie lobten schliesslich, haargenau,
die Koerperformen ihrer Frau,
den Busen und dergleichen ...
Erst dreissig Jahr, und schon zu spaet!
Sie sassen breit und aufgeblaeht
wie nicht ganz tote Leichen.
Da, gegen Schluss, erhob sich wer
und sagte kurzerhand, dass er
genug von ihnen haette.
Er wuensche ihnen sehr viel Bart
und hundert Kinder ihrer Art
und gehe jetzt zu Bette.
Den andern war es nicht ganz klar,
warum der Kerl gegangen war.
Sie strichen seinen Namen.
Und machten einen Ausflug aus.
Fuer Sonntag frueh. Ins Jaegerhaus.
Doch dieses Mal mit Damen.
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Das Leben ist ein Zeichnen ohne die Korrekturmöglichkeiten des Radiergummis.
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