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Tag 8:
Sonntag, der Tag der großen Abreise.
Warum vergehen die guten Zeiten eigentlich immer so schnell? Zwar betraf es mich heute noch nicht persönlich da ich ja erst am Dienstag Vormittag zurück nach Deutschland fliege, aber für die meisten anderen Teilnehmer hieß es heute Abschied nehmen da das Triathlon-Szene Trainingslager offiziell endete.
Dieser Umbruch betraf mich dann natürlich auch wieder da mich solche Änderungen in meiner Umgebung ja regelmäßig aus der Bahn werfen.
Deshalb fühlte ich mich nach dem Aufwachen um 7 Uhr heute morgen auch sehr unwohl und mein Magen krampfte sich schon vor dem Frühstück zusammen.
Daran konnten auch die obligatorischen Tassen Kaffee nebst Nikotin nichts ändern, ich war innerlich sehr aufgewühlt und angeschlagen.
Als ich zum Speisesaal ging waren die meisten Mitstreiter entweder beim abschließenden Schwimmtraining oder waren schon auf dem Weg zum Flughafen.
Deshalb konnte ich dann ungestört und relativ ruhig mein Frühstück einnehmen da die Wahrscheinlichkeit auf die Abreisenden zu treffen ziemlich gering war.
Doch um 10 Uhr stand ja dann die letzte Radausfahrt auf dem Programm und nachdem ich mich wieder in meinem Zimmer vergraben hatte überlegte ich ernsthaft ob ich nicht darauf verzichten und mich für die Zeit auf zum Strand machen sollte.
Doch dann kam ich zu dem Schluss das es Blödsinn wäre diese Trainingseinheit jetzt weg zu werfen denn so viele Möglichkeiten zum Radfahren hier auf Malle würde es für mich auch nicht mehr geben.
Besser gesagt war es auch meine letzte Tour den das Wetter sollte sich ab Nachmittags verschlechtern.
Außerdem endete der Vertrag meines Mietrades auch heute und Ute meinte das es Unsinn wäre ihn für einen Regentag zu verlängern.
Also beschloß ich nicht zu flüchten sondern mich meinen Ängsten und Nöten zu stellen.
Doch bevor es auf Rad ging verabschiedeten sich meine Nachbarn Enrico und mein Namensvetter Lutz noch von mir.
Das geschah sehr entspannt und so zog ich mich anschließend gemütlich um und fuhr zum Radtreff.
Bei der langsamen Radgruppe die circa 2 Stunden fahren wollte war ich heute Hahn im Korb denn außer mir standen nur noch 7 Mädels bereit.
Also ging es dann raus auf die Piste um den letzten gemeinen Anstieg zu meistern, den sogenannten „Schweineberg“.
Der verdankt seinen Namen wohl dem Umstand das er sich nach moderater Anfahrt im letzten Stück noch in eine fiese Steigung verwandelt.
Na ja dachte ich bei mir, was sollte am letzten Tag noch schiefgehen?
Als wir den Hügel erreichten blieb Ute bei mir während die anderen Mädels davon zogen.
Aber das war vorher auch so abgesprochen und so versuchte ich meinen Tritt zu finden und fuhr langsam aber stetig den Hügel hinauf.
Ute sprach mir die ganze Zeit Mut zu und so klappte es für meine Verhältnisse auch wunderbar.
So ein Erfolgserlebnis kann schon ganz schön beflügeln, mein lieber Mann.
Danach ging es die Strecke wieder zurück und nach 45 km waren wir wieder am Hotel.
Groß Zeit zum Verabschieden gab es Gott sei Dank nicht da Ute mich direkt zum Laufen schickte.
So ging es ab aufs Zimmer die Schuhe wechseln und anschließend lief ich noch 20m relativ locker.
Danach trank ich erst mal wieder meinen Kaffee und verquatschte die Zeit mit dem ein oder anderen Heimfahrer der mit seinem Koffer bei mir vorbei kam.
Gegen 16 Uhr kehrte dann merklich Ruhe hier im Blue Bay Resort ein und ich machte mich auf zum Bike Shop um mein Mietrad abzugeben bevor der nächste Schwung frische ausgeruhte Gäste eintrafen.
Das klappte dann auch völlig problemlos da einer der Radguides die ich in der Woche kennengelernt hatte die Abnahme machte. Zum Putzen hatte ich keinen Nerv da es inzwischen regnete und so gab ich die geforderten 10 Euro in die Kaffeekasse um mir diese Prozedur zu ersparen.
Also ging es danach ohne das befürchtete mulmige Gefühl und mit meinen Pedalen bewaffnet wieder zurück zum Bungalow.
Nach dem Duschen verbrachte ich dann den Rest des Nachmittags mit Schreiben und Sport im TV schauen.
Die ein oder andere Tasse Kaffee durfte natürlich dabei auch nicht fehlen.
Ich fühlte mich richtig gut, mein Kopf war frei und klar.
Das war wirklich ein tolles Gefühl!
Beim Abendessen war es dann angenehm leer im Speisesaal.
Es sind wohl bisher lange noch nicht so viele Urlauber angereist wie heute im Laufe des Tages das Hotel verlassen haben.
Vielleicht liegt es ja daran das die Radsaison hier wohl langsam zu Ende geht, denn im Mai stehen ja die ersten Wettkämpfe an und das Wetter wird normalerweise auch bei uns immer besser so das man nicht mehr unbedingt in den Süden zum trainieren flüchten muss.
Für mich war die Ruhe und das wenig hektischere Treiben natürlich sehr schön, auch wenn ich das Buffet langsam nicht mehr sehen kann.
Für Dienstag Abend hab ich bei Claudia dann schon mal Pommes mit Jägerschnitzel auf den Wunschzettel schreiben lassen.
Abends hab ich dann noch etwas geschrieben und mich mit Mr. Bean im Fernsehen vergnügt.
Ich fühle mich aber müde und körperlich erschlagen, deshalb werde ich wohl auch nicht mehr alt heute.
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