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Zitat von qbz
Kennen die praktizierenden Ärzte die Entstehungsprozesse von Leitlinien so gut, so dass sie die gerade Aktuellen in der Alltagspraxis kritisch reflektieren, einordnen ? Ich bin schon froh, wenn die Inhalte gut bekannt sind. Nach meinen persönlichen Erfahrungen aus diesem Jahr gibt es einen ganz hohen, extremen Arbeitsdruck überall bei den behandelnden Ärzten, wo ich Einblick bekam, so dass Deine formulierten, hohen Ansprüche nicht so ganz meinen Erfahrungen in der Praxis entsprechen.
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Das mag ja alles sein und macht deine Haltung zu Ärzten vs. KI in diesem Fall nachvollziehbar, bleibt aber ein subjektiver Einzelfalleindruck, der aus meiner Sicht in der Diskussion, ob die KI nun bessere Entscheidunen liefert als eine Ärztin, nicht weiterhilft.
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Die KI verarbeitet neben den deutschen Leitlinien genauso die zugrundeliegenden Studien (Basis der evidenzbasierten Medizin) und referiert sie, bestätigende, korrigierende, widersprechende, aktuelle. (Research Function). Im Ergebnis lieferte sie (mir) mehr an Informationen und weichenstellenden Daten, als ein niedergelassener Arzt in seiner Einzelpraxis verfügt(e).
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Eine gute und erfolgreiche Behandlung basiert aber aus meiner Erfahrung aus mehr als nur aus der Kenntnis von Studien und Leitlinien. Andernfalls hätte jahrelange Erfahrung in einem Fachgebiet kaum einen Mehrwert. Und alleine das Thema „Evidenz“ ist so komplex, dass man da eine KI sehr lange mit beschäftigen kann, zu erörtern, warum diese in vielen Fällen nur eine Pseudoevidenz ist oder schlicht nicht zur Verfügung steht.
Ich bin durchaus KI-Interessiert und glaube auch, dass da enormes Potential besteht, aber ich stelle ( bei testweiser Nutzung) immer wieder fest, dass die großen Probleme dadurch entstehen, dass die KI keine Vorstellung unserer Welt hat und deshalb (bei komplexeren Fragestellungen desöfteren (noch ?) auf den Holzweg gerät. Das ist aus meiner Sicht der Unterschied zu einem Fachmann/Fachfrau mit jahrzehntelanger Erfahrung. Und auch Entscheidungen zu treffen, ist eine Fähigkeit, die diese auszeichnet, das kann bedeutsamer sein, als das Erstellen der Entscheidungsvorlagen.
Ich meine das nicht nur bezogen auf meinen beruflichen Kontext oder diesen hier, finde aber generell zum Thema : Expertinnenmeinung vs. KI: Sich ein paar Stunden oder Tage mit KI über ein fachfremdes Thema zu informieren und dann das Gefühl zu haben, genauso oder besser entscheiden zu können, wie jemand, der sich Jahrzehnte und tagtäglich damit beschäftigt. Das Gefühl kann trügen.