Zitat:
Zitat von Rälph
Nur aus Interesse: Trifft das dann auch auf dich zu? Wendest du das hier gelernte in deiner Heimat an, zum "Wohl deines Volkes"?
Und wenn ja, wie?
|
Nein, auf mich trifft es aus vielfachen Gründen nicht zu. Dei Zeit, worauf ich ansprach, ist die historische Zeit des unabhängigen Siebenbürgen - ein Kleinstaat zwischen Großmächten, deren Einwohner durch viel Zusammenhalt gemeinsam ihr Gemeinwesen aufrechterhielten und pflegten. Jeder Rückkehrer fand zu Hause die Familie, die Gemeinschaft wieder, aus der und für die er loszog.
Ich wuchs in einem Siebenbürgen auf, in dem der rumänische Staat alle Nicht-Rumänen als Feind und Gegner behandelte, und alles dran setzte, diese entweder zum Auswandern zu bringen (Deutsche), oder zur Aufgabe ihrer Identität zu drängen (Ungarn). Außerhalb der engen eigenen engen Community gab es kein "wir" von Siebenbürger Bürgern. Die kommunistische Diktatur und dessen trostlosen Lebensperspektiven haben der früheren Gemeinschaft den Rest gegeben.
Ich wurde auch nicht zum Studium ins Ausland geschickt, sondern als Jugendlicher von meinen Eltern auf der Flucht mitgenommen. Bereits bei meinem ersten Besuch zu Hause vier Jahre später war mehr als die Hälfte der früheren Bekannten ausgewandert. Es gab damals schon praktisch keine Heimat, als dessen Mitglied ich mich hätte fühlen können; Eltern rieten ihren Kindern nur noch, möglichst weit weg abzuhauen. Bis dann in 1989 die Wende kam, hatte ich dort praktisch keine Wurzeln mehr, zu denen ich hätte zurückkehren können - dafür schon tiefe Wurzeln in diesem Land.