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Alt 28.06.2023, 21:53   #463
markus_erl
Szenekenner
 
Benutzerbild von markus_erl
 
Registriert seit: 22.05.2018
Beiträge: 144
Fortsetzung:

Laufen - Rechnen - Kämpfen:
Gewappnet mit einer leeren kleinen Radflasche (Danke Arne für den Tipp, selbes Video) bin ich dann losgelaufen in meinen Alphaflys. Die hatte ich in St. Pölten schon an und hatte da starke Probleme bekommen. Zum einen im Mittelfusbereich wegen Einlagen eines bestimmten Herstellers, die evtl ein Ticken zu klein waren für den Schuh, aber für mein Fuss passend, und dann evtl bischen verrutscht waren und mein linker kleiner Zeh der am Ende dann blau war. 4 Tage vor Roth hab ich Orthopädische Einlagen für die Schuhe bekommen, bin aber nur 2x (4 und 3km ) damit gelaufen. Ob das klappen wird?
Es ging auf jedenfall ziemlich gut los, klar nicht überpacen. Strategie war 5:30. Ich hab mich bei 5:20 eingependelt. Das mit der Trinkflasche hat sich als perfekt erwiesen. Ich konnte durch jede Versorgung durchlaufen und hatte genug Wasser/Iso und das auch später noch. Konnte mir auch zwischendurch was über den Kopf kippen zB. Um es etwas abzukürzen: Die ganze Strecke am Kanal war rel unspektakulär. Ich konnte mehr oder weniger das Tempo durchlaufen. Vielleicht etwas langsamer geworden klar. Aber der Schnitt war sicher noch so 5:23 als ich den Kanal verlassen hab bei km 25/26 oder wann es da weg geht. Bis dahin hab ich reihenweise die Leute überholt. Ich selbst wurde hauptsächlich nur von Staffelläufern überholt, und ganz selten auch mal von anderen. Ich hab mich gefühlt wie ein junger Gott, wie man so schön sagt. Ich war mir sicher ich mach das heute. Da gibts kein Zweifel, ich lauf das durch, und es wird vielleicht sogar auch noch Sub11. Ich war vollgepumpt mit Endorphinen. Sogar ein Läufer, den ich überholt hab, hat gesagt "stark". Diese ersten 25km waren sicher mit das beste am ganzen Tag, neben Solarer Berg und paar anderen Highlights.
Aber als es vom Kanal weg ging, wurde es schwer. Mit jedem Km immer schwerer. Vielleicht hätte ich doch mehr gels nehmen sollen? Hatte bis dahin nur 4-5 genommen. Ansonsten viel Iso getrunken. Immer im Gedanken, dass es ja gleich vorbei ist, habe ich mich vorran gekämpft. Die KM-Zeiten gingen langsam aber stetig nach unten. Ich war mittlerweile in Roth angekommen und die km Zeiten zwischen 5:30 und 6 irgendwo. Die km wurden weniger, aber es waren dann doch noch 11, 10, 9, endlich wieder eine Versorgungstation. Habe dann auch mit Cola angefangen und dann war ich in dem Wald nach Büchenbach und konnte es kaum glauben. Der Anstieg war ja doppelt so steil wie ich in den Videos gesehen hab. Omg. Ich musste dann hochgehen. Es ging nichts mehr mit laufen. Selbst zum gehen musste ich mich zwingen und mir wurde auch leicht schwindelig. Ich musste an Sarah True in Frankfurt denken und dachte "reiss dich zusammen, du machst das". Irgendwann war ich endlich oben und ich konnte wieder langsam traben anfangen und hab mich wieder nach und nach besser gefühlt. In Büchenbach wieder getrunken, ISO Cola, Wasser über den Kopf etc. Dann der Rückweg bergab, es lief wie von alleine und da waren noch andere bei denen es lief, wir haben uns gegenseitig gepushed. "nicht mehr weit" "jetzt haben wir es gleich". Irgendwer meinte, "wow ihr lauft gut" ich hab zurück gerufen "das ist kein Laufen, das nennt man Hangabtriebskraft". Das Bergabstück war irgendwann vorbei, aber es lief auch in der Ebenen weiter. Ein Läufer mit langem grauem Bart und ich sind zusammen ungefähr das selbe Tempo gelaufen. Ich war wieder bei 5:30 und leicht schneller. Dann kam Roth das Kopfsteinpflaster. Gefühlt bin ich nur noch gelaufen wie ein Roboter, konnte nicht mehr rechts und links schauen. Dann hab ich in Roth eine große Uhr gesehen, die hat 18:37 angezeigt. Was? wie? Noch 13 min bis zur 11 Stunden Marke? Wie weit ist es noch? 39km Schild ist doch schon so lange her. Das ist doch dann schaffbar? Ja, ja klar! Ich hab das letzte aus mir herausgeholt. Hatte in dem bärtigen Läufer vom Bergabstück einen Pacemaker gefunden und hab angefangen zu kämpfen. km Zeiten waren dann so bei 5:15. Aber 2km können sich wirklich ziehen. Unglaublich. Aber jeder Zuschauer der gesagt hat, Gut Markus, Auf gehts, etc, hat mich enorm gepushed. Dann endlich im Stadion, noch schnell den Anzug zumachen, Bein bleibt hängen. Was ist das? Kann ich es noch abfangen? Nein, ich lasse mich fallen und rolle mich ab. Versuche hochzukommen, taumle etwas, versuche die Flasche zu greifen und renne wieder los. Rein ins Ziel mit einem Luftsprung. Wie oft hab ich mir diesen Moment vorgestellt? Ich kann es nicht zählen. Der Blick zur Uhr. Die Gesamtzeit kann ich nicht erkennen, sehe nur die Marathonzeit von 3:52,55 und bin mir sicher das muss gereicht haben für Sub 11. Bedanke mich bei meinem Pacemaker, bin etwas wackelig auf den Beinen und lege mich erstmal hin. Werde wieder hochgezogen und bekomme die Medaille.

Später hab ich ein paar Computer im Zelt gesehen und hab meine Zeit angeschaut. 16 Sekunden ?! dass es so knapp unter 11 sein wird, hat mich dann doch überrascht, aber trotzdem gleichzeitig war ich sehr sehr happy.
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