Gut, half alles nix, war so wie es war, gut zwo Stunden später hatten wir die kompletten Aufstiegsmeter und weitere 200 Abstiegsmeter erledigt, ich war der Truppe vorausgeeilt, obwohl sichs nicht wie eilen anfühlte, iss halt toffte, wenn der Diesel einfach so vor sich hinstampft, hin und wieder Energiezufuhr kriegt und ansonsten halt auf Touren bleibt.
Bergauf war erwartungsgemäss nicht so mein Problem.
An dem Punkt, wo es ne 'Abkürzung' (Katastrophen in den Bergen beginnen häufig mit dem Spruch "Ich glaub, ich kenne da ne Abkürzung" oder so...) ins Tal gab, die rund nen guten Kilometer Weg gespart hätte, stand wiedermal ne Biwakschachtel und ich wartete und döste etwas vor mich hin.
Eeewig später tauchten die ersten Gestalten am Berg droben auf, aber zwo fehlten.
Als der Grossteil der Truppe da war, gingen noch zwo Damen ab, die wiederum irgendwo weeeiit droben dann auftauchten. Bis die letzte von ihnen dann ne gute halbe Stunde später auch bei uns war, gingen die vier Herrschaften der Patensektion einstweilen schonmal an den Abstieg, nachdem ihnen klar wurde, was da noch auf sie wartete.
Ohne Abkürzung.
Das waren so gut 3,5km und 900 Meter abwärts.
Mir war nicht so ganz klar, wie ich das meinen Knien noch so zumuten sollte, nur, dass ich nicht da oben hocken bleiben konnte.
Die letzte Lady kriegte noch ne halbe Stunde Pause, ne Ibu gegen ihre Schmerzen angedient und dann gings los, auf die letzten 2,5Stunden Abstieg.
Das brauch ich hier sicherlich nicht gross breittreten;- kennt ja jede/r, wenns beim Triathlon oder Marathon (kommt mehr oder weniger aufs selbe raus...) hintenraus schice zäh wird.
Ich hatte nu ungefähr ne Stunde geruht und fühlte mich zwar nicht supertoll oder fit, aber was solls.
Ich hoffte einfach nur, es würde bald vorbeigehn und dass sich von den vorausgegangenen wie auch aus unsrer Nachzüglertruppe keiner nen Fuss verknackst oder sonstwie der Hilfe bedürfte bzw. er/sie immobil würde.
Ging dann auch alles gut, irgendwo kam uns jemand mit nem fetten Holzstock, der sich als Besenstil und die Person als Bekannter von unserm Anführer entpuppte, der nen Flachmann im Säckel hatte und den reihum gehn liess, quasi als Wegzehrung für die letzten paar hundert Meter.
Tja, und dann wars tatsächlich irgendwann auch geschafft und unser Domizil erreicht:
Bereitschaftshütte der rumänischen Bergwachtskameraden oder -kollegen, wie man will.
Deren Leiter entpuppte sich als gleichzeitiger Vorstand des Siebenbürgischen Karpatenvereins, also so mehr oder weniger ein Äquivalent zum Ö- bzw. DAV, aus dem, grob gesagt, über Auswanderer nach Dtld. zunächst der Siebenbürgische Alpenverein entstand, der dann 1988 als eigene Sektion in den DAV eintrat.
Über diese Conncetion jedenfalls kriegten wir in dieser topmodernen Hütte ein rustikales Nachtlager anstatt in der 200m weiter entfernten und auch noch sehr ursprünglichen (analog zur Podragu-Hütte die Nacht davor) Sabata-Hütte zu übernachten.
Nach Willkommensbier und -schnaps gings da aber dann zum Abendessen hin und um zu prüfen, obs dort Brot gab, hahaha...
Also, so angestaubt und heruntergekommen wie die Podraguhütte das Etablissement gewesen sein oder auch nur ausgesehen haben mochte (das Klo war aber auber;- ein Plumpsklo 50m vom Haus entfernt);- Essen gabs reichhaltig und super gut.
Weil, um darauf mal einzugehn: natürlich hat die Zivilisation auch RO eingeholt und es gibt so gut wie keine 'Magasin Mixt' mehr wie ich sie von früher kenne.
Riesige Supermarktketten wie der französische Carrefour, Lidl oder Aldi haben auch hier Fuss gefasst und die Gastronomen kaufen im Grossmarkt ein.
Aber ich kannte natürlich noch die 'Hausmannskost', die komplett in Eigenregie gewonnen wird, also Schweine hinterm Haus und üppige Gärten, in denen eigenes Obst und Gemüse gezogen wird (natürlich gedüngt auch mit eigenem 'Dreck').
Das sind geschmacklich natürlich ganz andre Welten als Grünzeug ausm Treib- und Tierisches ausm Schlachthaus.
Und hier fand ichs wieder;- das einzige Mal bei diesem Aufenthalt und ich denke, über kurz oder lang dürfts das generell gewesen sein.
Schade.
Bei meinem ersten Besuch haben wir natürlich viele Leute kennengelernt (später natürlich auch), die uns um unseren deutschen Lebensstil beneidet haben, aber das bezog sich mehr auf Autos, Motorräder und Fernseher usw., die üblichen Luxusgüter halt, während ich die Rumänen mehr so um ihr Leben als quasi Selbstversorger und ohne unseren aufgeblasenen Komfortballon beneidete.
Kannste denen halt schwerlich vermitteln und das ist irgendwie ja auch nachvollziehbar, wennst noch kein fliessend Wasser im Haus hast und das im Hof (im Idealfall, im weniger günstigen Ambiente irgendwo die Strasse runter im Dorf) mitm Eimer oder Krug ausm Brunnen holen musst...