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Zitat von qbz
Wie würden Sie und andere Naziververfolgte von damals Dir antworten, wenn Sie könnten?
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Eventuell so?
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Zitat von El Stupido
Erich Kästner:
Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf ...„.
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Hängt euch jetzt nicht am "Freiheitskampf" auf, das ist aktuell sicher nicht passend. Es geht um die Kernaussage mit der Lawine. Es tut mir Lied, wenn meine Sicht als Relativierung angesehen wird. Mein Punkt ist, daß wir eine Zeit von zunehmender Polarisierung erleben, in der gerne für die vermeintlich gute Sache jede Seite bereit ist, Grenzen zu überschreiten und zu Mitteln zu greifen, die totalitäre, menschenrechtswidrige Tendenzen zeigen. Ich sehe das, was Kästner im nachhinein gemeint hat. So eine Atmosphäre birgt die große Gefahr, daß die gegenseitige Eskalation zu einem neuen totalitären System führt, weil ja das extrem Böse in die Schranken gewiesen gehört. Ob am Ende eine rechte oder linke Diktatur daraus entsteht, kann keiner vorhersehen, beides könnte passieren, keines ist erstrebenswert, und kein Zweck heiligt die Mittel. Darum sollten m.M.n. solche Ereignisse analog zum damaligen "antifaschistisches Bewusstsein und ihre antifaschistische Einstellung" ein antitotalitäres, demokratiefreundliches Bewußtsein fördern. Eine ständige Zuspitzung des Kampfes gegen Rechts und/oder Links wird keine Besserung, sondern eher eine Verschlechterung der Aussichten bringen. Dabei wird sich die Geschichte sicher nicht einfach wiederholen, was mich aber nicht wirklich beruhigt; kekos Zukunftsvisionen finde ich als Teil einer zukünftig Richtung totalitär sich verschiebenden Ordnung höchst beunruhigend.
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Zitat von qbz
Sarrazin´s Buch war ein Bestseller, wurde von Bild schon im Vorfeld promotet und wenn seine eigene Buchpromotion an manchen Orten auf Proteste stiess, bewies genau das eine lebendige, funktionierende Demokratie.
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So mancher in den 30-ern verbotener Schriftsteller war zuvor ein Bestseller. Protetste sind eine Sache, auch unqualifizierte "ist nicht hilfreich" Bemerkungen von Leuten, die es gar nicht gelesen haben, sind in Ordnung, aber Lesung mit Gewalt oder Gewaltandrohung verhindern ist nie ein legitimer demokratischer Vorgang.
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Zitat von qbz
Drittens relativiert man auf diese Weise das damalige Unrecht, indem man heutige Publizisten rassistischer Meinungen, sogar Bestseller, mit der damaligen Verfolgung, Vertreibung, Ermordung humanistischer, bürgerlicher und sozialistischer, jüdischer Schriftsteller und Künstler durch die Nazis gleichstellt und sie als Opfer statt als Schreibtischtäter sowie die Kritiker als Meinungsunterdrücker darstellt.
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Nochmal: es geht mir nicht um die Gleichstellung der Opfer. Es geht mir um die inakzeptablen Methoden, Andersgesinnte zu bekämpfen. Völlig unabhängig von der moralischen Bewertung der damals und heute verfolgten: es gibt Mittel, die sind immer und gegen jeden falsch und unrecht. Der Einsatz solcher Mittel ist m.M.n. immer zu bekämpfen, wenn wir ein freies, demokratisches System erhalten wollen.