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Zitat von merz
Sehe ich das jetzt richtig: der AstraZeneca Stoff, der heute für die EU zugelassen wurde hat eine berichtete Effektivität von 66%? Und Biontech und Modena sind um die 95%?
Also Pardon, dann ist der wirklich relativ gesehen zweite Wahl - das gibt trouble....
Wird er jetzt eigentlich mit der halben ersten Dose eingesetzt oder nicht?
m.
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Er ist zugelassen mit der Standard-Dosis aus dem Studiendesign (zweimal volle Dosis).
Insgesamt haben an der Zulassungs-Studie 24 000 Probanden teilgenommen, von denen die Hälfte Placebo und die andere Hälfte den Impfstoff bekommen haben, aufgeteilt auf 4 Studien-Schenkel.
In zwei der Studienschenkel wurden die Studienendpunkte nicht erreicht, da zu wenig positive Covid-19-Fälle im Beobachtungszeitraum aufgetreten sind, so dass die Zulassung letztlich nur auf der Hälfte der Teilnehmer also 12 000 Probanden mit 6000 Teilnehmern, die den impfstoff erhalten haben, beruhen.
Im Vergleich zu den Studien von Biontech und Moderna schränkt dieser vergleichsweise geringe Datenumfang die Beurteilung der Effektivität massiv ein und man kann auch nachvollziehen, dass es noch schwieriger ist, die Effektivität des Astra-Zeneca-Impfstoffs auf einzelne Altersgruppen runterzurechnen.
Die tatsächliche Effektivität des Astra-Zeneca-Impfstoffes kann durchaus deutlich höher liegen. Oder auch niedriger. Der Unterschied zwischen Verum und Placebo war statistisch signifikant, d.h. der impfstoff wirkt auf jeden Fall. Für eine zuverlässige Prozentangabe der Wirksamkeit war die Probandenanzahl der nur zwei Studienschenkel letztlich aber zu gering.
Interessant an dem Prozess ist auch, dass
Deutschland das einzige Land weltweit ist, in dem der Impfstoff nicht an die Hauptrisikogruppe der über 65-jährigen verimpft werden soll. In diesem Video wundert sich zum Beispiel ein Experte aus Australien über die Entscheidung in Deutschland, die im Gegensatz zum weltweiten Vorgehen steht
Ich kann zwar die Argumente der deutschen StiKo in gewisser Weise nachvollziehen, dass das Datenmaterial gerade für die Gruppe der älteren Patienten wegen der reduzierten Probandenanzahl nicht so hoch ist, wie man es sich wünschen würde, andererseits konnte man für die Sicherheit des Impfstoffes durchaus alle 4 Studienschenkel auswerten, so dass man hier eine gute Datenlage hat.
Man kann also mit hoher Sicherheit annehmen, dass der impfstoff sicher ist (also selten Nebenwirkungen auftreten), aber die Datenlage für die Wirkwsamkeit ist (insbesondere bei älteren Patienten) nicht besonders gut.
Da das immunsystem bei älteren Menschen aber nicht komplett anders funktioniert als bei jüngeren Menschen und weil man jahrzentelange Erfahrungen mit vergleichbaren Lebendimpfstoffen und der daraus resultierenden Immunantwort auch bei älteren Patienten hat, entschloss sich die europäische Arzneimittelbehörde im Gegensatz zu deutschen StiKo den Impfstoff auch für diese vulnerable Patientengruppe freizugeben. Schließlich hat man ja nichts besseres aktuell zur Verfügung angesichts des weltweiten Mangels an Impfstoffen und es ist immer noch besser einen Impfstoff zu verimpfen, von dem man sicher weiß, dass er selten Nebenwirkungen hat und von dem man mit hoher Wahrscheinlichkeit vermuten kann, dass er wirkt. Besser als an Covid-19 zu versterben, weil man monatelang auf einen Impftermin warten, wie es aktuell in Deutschland passieren kann, ist diese Option allemal.