Da wir hier regelmäßig über Zahlen und Daten sprechen empfehle ich euch ein Interview mit Stefan Mau, einem Makrosoziologen, der sich mittlerweile schwerpunktmäßig mit Selbstvermessung/Quantifizierung beschäftigt (eines seiner Hauptwerke: Das metrische Wir):
Das Problem ist, dass viele der Werte, die aktuell im Umlauf sind, mit Vorsicht zu genießen sind. Auch eine relativ einfache Zahl wie die der Neuinfektionen kommt nicht ohne weitere Erklärung aus. Die Epidemiologen weisen immer wieder darauf hin, dass damit nur die Zahl der registrierten, nicht der tatsächlichen Fälle angegeben wird. Eine aktuelle Studie der LMU besagt etwa, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten in München im Frühjahr viermal höher war als die der offiziell positiv Getesteten. Es wird leider häufig übersehen, dass Zahlen immer auf Kontexte zurückgeführt werden müssen.
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Was ich in der politischen Kommunikation hingegen derzeit schwierig finde, sind diese starken Wenn-Dann-Festschreibungen. Also so Sätze wie: Wenn wir bei X Neuinfektionen sind, dann kippt das System oder dann müssen wir das und das machen. Gerade weil wir Zahlen ja eine magische Realität zuschreiben, weil sie so eine Kraft auf uns ausüben, muss man vorsichtig mit ihnen umgehen und darf sie nicht fetischisieren.
Er beschreibt dabei auch aus einer kritisch-soziologischen Perspektive heraus, welche Probleme mit einer starken Fokussierung auf Daten und Technologie einhergehen. Zum Einstieg in diese Perspektive ein lesenswertes Interview und im Vergleich zu anderen Debattenbeiträgen zu diesen Themengebieten realistisch, statt dystopisch/fatalistisch.