gemeinsam zwiften | youtube | forum heute
Triathlon Coaching
Triathlon Coaching
Individueller Trainingsplan vom persönlichen Coach
Wissenschaftliches Training
Doppeltes Radtraining: Straße und Rolle mit separaten Programmen
Persönlich: Regelmäßige Video-Termine
Mehr erfahren: Jetzt unverbindlichen Video-Talk buchen!
triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Nach 50m erheblich langsamer
Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 14.08.2020, 12:42   #136
gaehnforscher
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Kasrwatzmuff Beitrag anzeigen
Jetzt mal wieder etwas Richtung Thema.

Ich hatte gestern entschieden, dass ich heute mal einen 100er-Test im Becken auf der 50m-Bahn machen wollte. Ich habe dabei als Prognose eine 1:45 engepeilt.

Was heute rauskam, war allerdings sehr ernüchternd, aber vielleicht auch irgendwie hilfreich.

Vorab muss ich sagen, dass ich heute Morgen schwer angeschlagen war. Die letzten beiden Nächte gab es sehr wenig Schlaf und das Fußballtraining in der Saisonvorbereitung fordert auch seinen Tribut. Lange Rede, kurzer Sinn: Körper und Geist ausgelaugt.

Zu Beginn hab ich 2x50m "schnell" gschwommen. Dabei war die erste Bahn eine 0:56 und die zweite schon eine 1:00. Angefühlt hat es sich einfach blöd: kein gutes Gefühl, keine Kraft, keine Einstellung und ein Motivationstief. Und vor allem hatte ich am Ende der Bahn total schwere Arme.

Trotzdem habe ich mir gedacht, dass ich es mal versuche. Insgesamt habe ich drei Versuche unternommen. Wobei ich zwischen den Tests klägliche Versuche der Technikverfeinerung für Delphin und Kraulbeine gemacht habe. Die sind aber auch alle mehr oder weniger in den Annalen verschwunden.

Hier jetzt die Erkenntnisse meiner drei Tests:

Test 1: hier habe ich versucht, Tempo durch eine hohe Frequenz zu erzeugen. Dabei waren nach 70 Meter die Arme so schwer, dass sich die letzten 30 Meter wie 300 angefühlt haben. Zeit: platte 2:00. Gefühl: zwar schnell, aber nur durch das Wasser geprügelt und am Ende Atemnot und Dauerjapsen. Technik: miserabel, keine Streckung, kein hoher Ellenbogen, keine Druckphase. Alles in allem: Kacke!

Test 2: vor diesem Test hatte ich mir überlegt, einfach langsam zu schwimmen. Ich wollte sehen, was ich dann für eine Grottenzeit ins Becken bringe. Ich hätte so mit einer 2:25 gerechnet. Ich habe also versucht entspannt zu schwimmen, also wenig Kraft zu verbrauchen, quasi Joggingtempo im Becken. Es hat sich auch lockerer angefühlt, ich hatte am Ende weniger Atemnot, die letzten 25 Meter waren aber wieder hart. Und siehe da: 2:02. Das hätte ich nie gedacht.

Test 3: Eigentlich wollte ich das Becken schon verlassen und habe eine Weile auf dem Beckenrand den Wellen zugesehen. Dann habe ich aber doch entschieden, nochmal einen Test zu machen. Dabei habe ich dann versucht auf einen "guten" Armzug zu achten. Das ging die ersten 25m echt gut. Gefühlt war es weniger anstrengend als bei Test 2 und viel schneller als bei Test 1. Leider war ich aber nach der Wende völlig platt. Der Kopf hatte keinen Bock mehr den Armen eine "schöne" Technik zu befehlen und ich bin wieder in den Modus Wasser verpfügeln verfallen. Der Blick auf die Uhr war dann trotzdem interessant: wieder 2:02.

Aber was ist nun das Fazit dieser Worte?

Ich würde es mal so deuten: gute Technik ist schneller als miese Technik und Wasser verprügeln, gute Technik ist viel kraftsparender als miese Technik und ein platter Kopf und ein ausgelaugter Körper taugen nur sehr begrenzt zu Techniktraining und Leistungstests.

Nach dem heutigen Training würde ich auf jeden Fall jedem empfehlen, zuerst die Technik, dann die Geschwindigkeit. Und je schneller die Bewegung, desto schwerere Fehler schleichen sich bei Anfängern ein. Außerdem ist es gut, wenn man bei dem Fokus auf einen bestimmten Bereich der Technik andere Störfaktoren ausschließen kann. Dies wäre z. B. Auschließen der Atmung mit Hilfe eines Schnorchels oder den Beinschlag mittels Neoprenhose und/oder Pullbuoy auszuschalten. Gut ist auch, wenn man sich Baustein für Baustein vornimmt und dann irgendwann immer ein paar passende Bausteine mehr zusammenbaut. Perfekt ist es dann, wenn man am Ende dann das Gesamtkunstwerk erfolgreich zusammengebaut hat. Gut ist auch die Nutzung moderner Hilfsmittel wie Videos usw. Wenn man sich selbst schwimmen sieht, fallen einem gleich die Mängel auf. Ich finde das sogar besser, als einen "erfahrenen" Schwimmer über die eigene Technik im Becken schauen zu lassen. Wobei die Meinung und die Tipps von "guten" erfahrenen Schwimmern natürlich auch immens wichtig sind.

Ich finde es auch wenig zielführend, uns schlechten Schwimmern und ambitionierten Anfängern große mathematische Formeln über den Wasserwiderstand vorzurechnen. Bei unserer Technik und unseren Problemen müsste rein rechnerisch der Wasserwider stand negativ sein, aber das geht ja nicht, weil in der Berechnung ja v quadriert wird...
Sry, dass mit den Formel war für Schnodo

Zu deinen Test:
vllt bist du beim ersten Test auch einfach ein wenig zu schnell angegangen?

Einfach so versuchen auf längere Strecke mit "einfach" höherer Frequenz zu schwimmen ist sicherlich schwierig, wenn die Vorraussetzungen fehlen. Wie schon geschrieben werden selbst bei den Schwimmern hier die Sprints meist im Bereich 15-25m geschwommen, wenns denn wirklich um Schnelligkeit gehen soll. Abstoßen ect rausgerechnet also Belastungszeiten von um 10s.

Versuch doch vllt mal nach einschwimmen, Technik ect. eine Serie mit 8x50m oder auch 8x100m zu schwimmen. Davon 25m (gg. auch "nur" 15m) schon ordentlich zügig/schnell, aber auch so, dass du dich ausreichend konzentrieren kannst. Den Rest als aktive Erholung aufschwimmen (im Idealfall kein Kraul ). Am Beckenrand ruhig nochmal 20s Pause vor dem nächsten Durchgang.

Ist jetzt kein Schnelligkeits-/Sprinttraining im eigentlich Sinne mehr, aber darum gehts ja auch erst mal nur bedingt. Das Schwimmen wird sich dabei aber schon mal ganz anders anfühlen. Wenn du nach dem 5. Durchgang schon breit bist, dort einfach abbrechen bevor unkonzentriert irgendwas durchgewürgt wird.

Manche Fehler merkt man auch erst beim schneller schwimmen. Die Rumpfspannung wird bei den kurzen schnellen Abschnitten sicherlich automatisch etwas höher sein, während man bei langsameren schwimmen vllt gar nicht unbedingt merkt, wie man sich durchs Wasser schlängelt.
  Mit Zitat antworten