Hi Harald!
Zitat:
Zitat von Hafu
Er steht als Profi-Sportler im Lichte der Öffentlichkeit und hat damit eine Menge Geld verdient, da darf man ihn durchaus auch für sein Fehlverhalten als Sportler kritisieren.
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Das ist zweigfelsfrei richtig. Wobei ich ergänzen möchte, dass z.B. meine Moral auch Fehlverhalten von Sportlern kritisiert, die nicht eine Menge Geld damit verdient haben und nicht im Licht der Öffentlichkeit gestanden haben. Meine Moral schaut nicht auf Geld. Meine Moral ist da recht einfach - aber gut belastbar
Zitat:
Zitat von Hafu
Wie würdest du denn Jacksche oder Sinkewitz beurteilen?
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Tatsächlich anders als Ulle. Ulle ist DDR-sozialisiert. Das dürfen wir nie vergessen. Die Unglaublichkeiten, die einem Kind und jungen Menschen dort eingetrichtert bzw. zuteil wurden, prägen persönliche Wertesysteme, damit Moral und Ethik. Das entschuldigt freilich nicht. Erklärt aber aus meiner Sicht.
Zitat:
Zitat von Hafu
Ein geständiger Sünder hat aus moralischer Sicht eine andere, höhere Qualität als ein hartnäckig leugnender, ständig Nebelkerzen werfender.
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Ein Satz, bei dem ich in tiefes Nachdenken falle und noch lange darüber nachdenken werde. Ich denke im Moment, wir sollten aufhören "uns mit der Moral" zu kommen. Welche Moral denn? Wessen Moral? Wie normativ ist die denn? Sollten wir nicht lieber über "Sollen und Wollen" oder über "Gerechtigkeit" reden?
[quote=Hafu;143488]
Selbst wenn man akzeptiert, dass es im Profi-Radsport sowas wie einen Systemzwang zu Doping gibt, ist doch jeder Mensch in seiner Berufswahl frei. In dem Augenblick, in dem man sich entschließt, diesen "Systemzwang" zu akzeptieren und fortan die Öffentlichkeit zu betrügen übernimmt man automatisch auch die Verantwortung für sein Tun.
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Das ist richtig, gilt aber auch ohne alle diese Prämissen. Kurz: Aus dem freien Willen resultiert Verantwortung für das eigene Tun. Die große Frage ist aber: Wem gegenüber eigentlich? Und in welcher Form? Und: Muss diese Form konform zu irgendeiner Moral sein und wenn ja zu welcher?
Mit welchem (moralischen) Recht erwarten wir von Ullrich, dass er sich hinstellt und seine Verfehlungen (aus unserer Sicht !!) zugibt? Wer sagt denn überhaupt, dass seine Moral auch unsere ist und wer sagt, dass wir überhaupt moralisch handeln müssen?
Also ehrlich: Mir ist das alles zu kompliziert.
Ich plädiere dafür Aufklärungsarbeit bei Kindern und Jugensportlern zu betreiben und bei deren Erziehungsberechtigten, bei Trainern in deren Umfeld und bei Betreuern usw. Undzwar Aufklärungsarbeit über Werte unserer Gesellschaft und über die bedeutung von Sport als kulturellen Aspekt, als soziale Komponente. Das ist konkret. Das können wir vorleben. Ulle und Co. sind so weit weg. Moralische Scheinriesen. Von weitem sehen sie noch aus wie Vorbilder. Je näher man kommt um so kleiner werden sie. Was wir brauchen ist ein Bewußtseinswandel.
Und wenn der Ulle solange wieder fahren will, dann lasst ihn wieder fahren. Unter seines Gleichen. Unerheblich ob er gedopt hat oder nicht oder ob er wieder dopen wird oder nicht.
Wer seines Gleichen sind, soll er selbst entscheiden.
peace Helmut