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Hallo Trimichi, mir ist nach einigem Nachdenken über Dein Posting noch etwas eingefallen, wozu mich Deine Meinung (und die der anderen Gläubigen) interessieren würde. Du schreibst, dass die "Majorität" der Gläubigen eben "kein Interesse verspüren" würde, mit der Minderheit zu diskutieren.
Aber hat die "Majorität" wenigstens ein Interesse daran, untereinander zu diskutieren? Offenbar ist das der Fall, denn Millionen von religiösen Büchern und ungezählte Symposien, Kongresse und Foren belegen eine äußerst rege Debatte, und dies seit zweitausend Jahren.
In diesen Büchern und Debatten findet man nichts als Konfusion und Chaos. Zwar versucht der Einzelne, halbwegs stimmige Antworten zu basteln, jedoch zerbersten diese sofort an den Schriften der anderen Autoren. Niemand hat eindeutig richtige Antworten gefunden, und es gibt nach zweitausend Jahren nichtmal ein Kriterium dafür, was überhaupt richtig sein könnte und wie man es erkennt. Es ähnelt einer Debatte über die Lieblingsspeise von Feen oder über den Musikgeschmack von Spiderman. Was wollte Jesus? Was wollte Mohammed?
Dieses ergebnislose Chaos ist nicht die Schuld der Atheisten, sondern dieses Chaos wurde von den Gläubigen selbst geschaffen. Es gibt kein Ergebnis, sondern einen Scherbenhaufen. Wenn man fragen würde: "Und? Was ist nun nach zweitausend Jahren herausgekommen?", dann müssten sich die Gläubigen als Gemeinschaft eingestehen, dass überhaupt nichts dabei herausgekommen ist -- auch wenn der Einzelne der Illusion unterliegt, er hätte zumindest die wesentlichen Antworten gefunden.
Aus irgendeinem Grund sind Gläubige nicht zu dieser Gesamtschau imstande, sondern jeder blickt auf seine privat gebastelte Idee, die alles erklärt. Auch hier im Forum verweisen die Christen regelmäßig auf ihre privat gebastelten Ideen. Das finde ich auch statthaft, aber in der Gesamtschau beweist die Unterschiedlichkeit dieser Ideen, dass sie nicht stimmen können.
Ich persönlich blicke auf die nach Osten gebeugten Moslems in Mekka, auf die mit dem Oberkörper wippenden Juden an der Tempelmauer, sowie auf die entrückt singenden Christen in Lourdes; und allein dieser Anblick beweist für mich, dass da was nicht stimmen kann. Die Gesamtschau, zu der wir heute technisch imstande sind, entlarvt den individuell plausibel erscheinenden Glauben.
Trimichi, Deine Kritik müsste doch weniger der fiesen Minderheit der Atheisten gelten, als vielmehr allen anderen Gläubigen. Deine Kritik müsste der Gemeinschaft der Gläubigen gelten, die nicht imstande war, übereinstimmende Erkenntnisse zu gewinnen.
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