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Ich verstehe keko anders. Seine Gedanke ist, ob es eine Sache gibt, die wir a) nicht durchschauen, von der wir aber b) dennoch rational annehmen würden, dass sie richtige Informationen liefert — selbst dann, wenn uns c) diese Informationen rätselhaft erscheinen.
Daher kommt er auf eine Maschine, deren Algorithmen wir nicht mehr durchschauen können, die aber aber dennoch korrekte Antworten liefert — auch wenn diese Antworten womöglich obskur erscheinen und wir sie nicht prüfen können.
Dieser Vergleich enthält ein suggestives Element, nämlich die Behauptung, die Maschine läge immer richtig (oder wäre zumindest intelligenter als wir). Man kommt dadurch nicht umhin (so die Hoffnung), sich der höheren Intelligenz anzuschließen, und zwar als Ergebnis einer rationalen Überlegung. Man kommt also durch rationales Nachdenken zu dem Schluss, sich einer nebulösen Intelligenz anzuschließen und auf die Notwendigkeit einer Nachprüfung zu verzichten. Der Verzicht auf Rationalität wird rational.
Eben dies beansprucht keko für sich: Dass es irgendwo eine höhere Intelligenz gibt, der man sich sinnvollerweise (als rationale Handlung) anschließt, obwohl man nichts rational nachprüfen kann. Eine irrationale Handlung wird auf diese Weise rational begründet, und genau das ist das Ziel von kekos Vergleich.
Wie fast alle religiösen Argumente ist es aber ein Zirkelschluss. Es kommt genau das heraus, was zuvor als Voraussetzung postuliert wurde. Postuliert wurde als Voraussetzung eine nebulöse, höhere Intelligenz, ohne diese Voraussetzung zu rechtfertigen; und am Ende kam heraus, dass eine solche höhere Intelligenz alles rechtfertigt (vor allem den Glauben daran). Warum ist es gerechtfertigt? Weil es eine höhere Intelligenz ist.
Ein Bestandteil des Zirkelschlusses liegt darin, den zu prüfenden Gegenstand einfach in die Voraussetzungen zu verschieben, um dadurch eine Prüfung zu vermeiden. Denn was steht hier eigentlich auf dem Prüfstand? Auf dem Prüfstand steht, ob sich der Glaube rechtfertigen lässt, und in kekos Beispiel ist dafür das Vorhandensein einer höheren Intelligenz erforderlich. Wird aber das Vorhandensein geprüft? Nein. Es wird vorausgesetzt. Die Prüfung unterbleibt. kekos Beispiel ergibt am Ende also das, was zuvor hineingesteckt wurde.
Einer höheren Intelligenz zu vertrauen ist nur dann rational, wenn die höhere Intelligenz und ihre Vertrauenswürdigkeit zuvor bewiesen wurden. Das ist das entscheidende Element. Anders gesagt: Das entscheidende Element ist gar nicht das Vertrauen, sondern die Skepsis. Und das ist genau das Gegenteil von dem, was kekos Beispiel zuerst suggeriert.
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