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Zitat von qbz
Meiner Ansicht nach arbeitet Lohfink anhand der AT-Texte ein Menschenbild heraus oder interpretiert es hinein, das den Menschen als ein im Ursprung der Menschheitsgeschichte gewalttätiges, aggressives, triebhaftes, archaisches Wesen ansieht, ...
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Du schreibst, dass Lohfink ein gewalttätiges Menschenbild aus dem AT ableitet oder es hineininterpretiert.
In beiden Fällen stellt sich die Frage, warum er das tut.
Was hältst Du von folgender Hypothese: Lohfink geht gar nicht
vom Menschen aus (dessen Verhalten in der Bibel erklärungsbedürftig ist); sondern er geht
von Gott aus (dessen Verhalten ebenso erklärungsbedürftig ist).
Das angeblich schlechte Verhalten der Menschen wäre dann nur ein Vorwand, um die Übeltaten von Jahwe zu rechtfertigen. Das würde auch zu seinem restlichen Text passen, der ja versucht, Gott reinzuwachsen.
In der Bibel findet man keine allzugroßen Sünden der Menschen in ihrem Alltagsleben; meist sind diese ohnehin von Jahwe angeordnet, vor allem, wenn es bestialisch wird. Der große Übeltäter ist Gott selbst. Menschen werden vor allem als Opfer göttlicher Macht dargestellt.
Nur zum Schein fragt Lohfink danach, warum die Bibel so brutal ist. Tatsächlich sucht er eine Begründung für die Brutalität von Gott. Seine Schlussfolgerung lautet, dass Gott erstens von den Umständen gezwungen wurde; und zweitens, dass die Bibel und die historischen Gegebenheiten so interpretiert werden müssen, dass ein guter Gott dabei herauskommt („es waren halt grausame Zeiten“). Die Menschen und die Bibel sind hierbei nur argumentative „Knetmasse“.