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Alt 26.04.2017, 09:34   #5628
Jörn
Esst mehr Gemüse
 
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Registriert seit: 22.09.2006
Beiträge: 3.499
Hallo waden, danke für Dein interessantes Posting! Wenn ich Dich richtig verstehe, ist dies die zentrale Frage:

Ist Religion Privatsache?

Ich habe meine Meinung dazu geändert. Früher dachte ich, Religion kann logischerweise nur Privatsache sein. Aber seit man von religiösen Leuten in die Luft gesprengt oder auf dem Weihnachtsmarkt überfahren wird, ist es wohl notwendig, diesen Gedanken erneut auf den Prüfstand zu stellen.

Ein kurzes Beispiel: Nach dem Fußball-Training trifft sich die Mannschaft noch auf das übliche Bier (natürlich alkoholfrei). Einer der Fußballer fällt mit Nazi-Thesen auf. Die anderen Fußballer argumentieren dagegen. Aufgrund der Argumente und des allgemeinen Widerstands kommt der Nazi-Fußballer irgendwann vielleicht ins Grübeln und verlegt sich vielleicht auf etwas moderatere Töne. Die Chance besteht jedenfalls, dass die Gemeinschaft hier einen ausgleichenden Effekt hat.

Aber was ist, wenn der Nazi-Fußballer einfach sagen würde: "Wieso, das ist meine Religion, da könnt Ihr mir überhaupt nichts sagen!" Dann wäre die Debatte an dieser Stelle zu Ende. Religion ist unantastbar -- angeblich wegen des gesellschaftlichen Friedens.

Mittlerweile kann man die absurdesten gesellschaftlichen Thesen für unangreifbar erklären, solange man behauptet, sie wären religiös. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine religiöse Debatte erlebt zu haben, in der es um Engel oder den Heiligen Geist ging. Stattdessen ging es stets um rein weltliche Dinge, nämlich um Adoptionsrecht, Gleichberechtigung (man stelle sich vor!), Arbeitsrecht, Erziehungsrecht, neuerdings sogar Kleidung, und so weiter.
  • Wenn Volker Kauder in die laufenden Kameras diktiert, seine Partei wäre eben der Meinung, Gott habe die Welt für Mann und Frau geschaffen, dann ist die Debatte zu Ende, und seine Anhänger freuen sich, dass niemand etwas dagegen ausrichten kann. Er braucht überhaupt keine Beweise oder Begründungen vorzulegen.

    Die Gesetze, die sich daraus ergeben, gelten kurioserweise für alle; nicht nur für Katholiken.
  • Wenn Papst Franz sagt, die Homo-Ehe sei eine Erfindung des Teufels (so wurde es berichtet in der "heute"-Sendung), dann wird einfach mit dem nächsten Thema weitergemacht. Keine Gegenrede, keine Kritik, kein Faktencheck. Die Schwulen/Lesben dürfen sich nicht verteidigen. Hingegen, wenn ein Minister auch nur einen einzigen Satz über ein Tempo-Limit auf deutschen Autobahnen sagt, dann gibt es zahlreiche Statements von allen Parteien, sowie einen Einspieler mit einem Experten des ADAC.
  • Wenn Papst Benedikt bei seinem Besuch im Deutschen Parlament über das "Naturrecht" faselt, dann wird das einfach unkommentiert gesendet. Der Zuschauer erfährt nicht, warum dieses Wort seit 70 Jahren nicht mehr im Bundestag zu hören war. Wäre dieses Wort bei einer Rede eines einfachen Abgeordneten gefallen, wäre das ein riesiger Skandal gewesen. Warum gibt es keine Gegenrede an einem Ort, der ausschließlich für Rede und Gegenrede gedacht ist? Ist da nicht offensichtlich was faul?

Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass Glaube zwar insofern Privatsache ist, als dass man niemandem vorschreiben kann, welche Überzeugungen er haben soll. Aber es ist nicht so sehr Privatsache, als dass man nicht darüber debattieren dürfte oder Kritik üben dürfte. Es sollte den gleichen Status haben wie jede andere Meinung.

Gerade wenn wir in Deutschland zunehmend mit islamischen Positionen konfrontiert werden, und wenn wir alle gut miteinander auskommen wollen, dann müssen Religionen es sich gefallen lassen, infrage gestellt zu werden.

Es gibt nicht den geringsten Beweis, dass es in einer Gesellschaft jemals ein Zuviel an kritischer Debatte gegeben hätte. Aber es gibt viele scheußliche Beispiele dafür, was passiert, wenn die kritische Debatte ausbleibt.
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