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Zitat von ziel
Das stimmt natürlich.
Aber ich habe nur zwei kugeln im Leben.
Es gibt nur Wwahrheit oder Lüge.
Richtig oder falsch.
Tod oder Leben.
Gott bzw. Jesus. Oder Satan.
Ist natürlich nur meine bescheidene aber dennoch Lebensnotwendige meinung 
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Du beschreibst ein einfaches System aus "Richtig oder falsch, Tod oder Leben, Gott oder Satan".
Ich verstehe sehr gut, was Du meinst: Egal wie die Chancen stehen, Du musst Dich letztlich dafür oder dagegen entscheiden (daher 50:50). Und als Konsequenz dieser Entscheidung landest Du entweder im Himmel oder in der Hölle.
Diese Reduzierung auf zwei Möglichkeiten (richtig oder falsch) ist aber ein Trugschluss. Du betrachtest nämlich die Angelegenheit aus der Perspektive des Richters, der die Antwort bereits kennt. Der Richter kann entscheiden, ob eine Sache richtig oder falsch war.
Du bist jedoch nicht in der Position des Richters, der die Antwort bereits kennt. Denn weder bist Du der Richter, noch kennst Du die Antwort. Deine Rolle besteht darin, eine Entscheidung zu treffen,
ohne die geheime Antwort zu kennen.
Nun könntest Du einwenden, dass der Richter sein Geheimnis keineswegs geheim hält. Du könntest sagen, dass die Bibel schon vorab verrät, was richtig ist, und wie das spätere Urteil ausfallen wird.
Aber das trifft nicht zu. Nimm das Gebot der Nächstenliebe. Ein einfaches Gebot, sodass es einfach sein müsste, das Richtige zu tun. Aber die Möglichkeiten, sich hier zu entscheiden (oder zu irren), sind endlos:
- Auf wen bezieht sich das Gebot? Bezieht es sich auch auf die Kinder in Afrika, denen Du heute nichts gespendet hast?
- Vielleicht hast Du etwas gespendet -- aber woher willst Du wissen, ob es genug war?
- Vielleicht hast Du Dein gesamtes Vermögen nach Afrika überwiesen -- aber was ist mit der armen Familie in Deiner Straße? Sind sie nicht auch "Nächste"? Hättest Du dieser Familie nicht auch einen Teil geben sollen?
- Welchen finanziellen Gegenwert hat "Nächstenliebe"?
- Fordert das Gebot überhaupt zu einer konkreten Handlung auf?
Falls es hier eine exakt richtige Antwort geben sollte, sind dennoch die Möglichkeiten, diese Antwort
nicht zu finden, endlos. Selbst bei bestem Willen.
Was folgt daraus? Das einfache Koordinatensystem aus "richtig" und "falsch" ist ein Trugschluss, der auf einer falschen Perspektive beruht, nämlich der Perspektive des Richters, der über ein geheimes Wissen verfügt. Aber das ist eine Perspektive, die uns nicht zur Verfügung steht.
Man kommt also auch als Gläubiger nicht umhin, die Wahrscheinlichkeit abzuwägen, ob eine Sache "eher richtig" oder "eher falsch" ist. Und dabei kann man sich irren, mit der Bibel in der Hand.