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triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Terroranschlag in Paris
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Alt 20.11.2015, 16:54   #742
trithos
Szenekenner
 
Registriert seit: 13.07.2014
Ort: neue Kloster- und Burgstadt bei Wien
Beiträge: 1.459
Seid mir nicht böse, aber mir sind manche Diskussionsbeiträge hier zu oberflächlich und undifferenziert, um ein komplexes Thema ernsthaft zu diskutieren. Und damit meine ich nicht die Satirebeiträge - Galgenhumor ist vielleicht wirklich eine sinnvolle Zugangsweise, um mit unaussprechlichem Grauen umzugehen. Aber ich finde, wir sollten schon ein bisschen selber darüber nachdenken, ob wir die simplen Erklärungen, die uns Politiker und auch Verschwörungstheoretiker gerne vorsetzen, kritiklos übernehmen sollen.

Die USA sind also an allem Übel schuld. Und ihre Verbündeten. Da ist es doch klar, dass Terroristen Menschen killen - können ja nicht anders Geht´s noch?

Wenn ihr das glaubt, dann versteht ihr sicher auch die folgende Situation: Mein Chef war böse zu mir. Ihn selber erwische ich aber nicht, außerdem bin ich zu feig, mich mit ihm anzulegen. Also lauere ich seiner Frau auf und schlage ihr den Schädel ein. Selbst schuld, mein Chef - wäre er halt nicht gemein zu mir gewesen! Die Frau ist tot. Ja, aber mein Chef hat mich ja förmlich dazu gezwungen, sie umzubringen! Ah ja - Asymetrische Kriegsführung heißt das dann. Und weil wir ein so schönes Wort dafür haben, finden wir das auf einmal fast logisch und gar nicht mehr so schlimm?

So, und jetzt rufe ich mich selbst zur Ordnung! Eine solche undifferenzierte Polemik bringt uns sicher nicht weiter. Das weiß ich selbst am besten und versuche, meine Meinung ein bisschen sachlicher zu formulieren:

Selbst wenn man anerkennt, dass der Terrorismus nicht nur aus religiösem Wahn erwächst, sondern auch reale Hintergründe (Imperialismus, Ausbeutung, Armut, ...) hat, bedeutet das doch keinen Freibrief für die Terroristen, die ja noch dazu ohnehin nicht die Ausbeuter treffen, sondern andere. Und mit Verlaub: das Argument (hab ich hier gelesen), dass jedes Volk verantwortlich ist für die Taten "seines" Militärs sei, ist hahnebüchen. Seit wann gibt´s denn Sippenhaftung oder Volkshaftung??? Wir haben schließlich eine repräsentative Demokratie, in der die Politik mit einem allgemeinen Mandat ausgestattet wird. Und selbst wenn in Frankreich eine Volksabstimmung zu Luftangriffen in Syrien stattgefunden hätte, könnte sich zumindest jeder der mit Nein gestimmt hat, darüber beschweren, von Terroristen gekillt zu werden. Menschen umzubringen, weil deren Regierungen was Falsches machen - was soll denn das? Da hört mein Verständnis sehr schnell auf!

Und zum Abschluss vielleicht noch ein kleiner Ausflug in die Kriegsmathematik: es hilft wenig, Opferzahlen gegeneinander aufzurechnen. Oder wird meine Familie wieder lebendig, wenn eine andere getötet wird? Schlecht und schlecht ergibt eben nicht gut. Und genauso wenig sind automatisch die gut, die gegen die Bösen kämpfen. Die USA sind also böse? Okay, die Meinung vertreten mache. Sei ihnen ungenommen. Aber ist dann der IS automatisch gut, weil er gegen die USA kämpft?

Leider ist die Welt ein bisschen komplizierter, und damit bin ich wieder am Anfang. Komplizierte Fragen lassen sich selten mit einfachen Antworten lösen. In diesem Sinne plädiere ich dafür, über verschiedene Graustufen nachzudenken und nicht alles nur in Kategorien wie schwarz/weiß oder gut/böse abzuhandeln.

Danke für die Aufmerksamkeit!
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