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Für die Schönheit – und den Weltfrieden
Eigentlich müsste es doch viel mehr Triathletinnen geben. Denn – darf man Frauenzeitschriften wie „Brigitte“, „Petra“ oder „Für Sie“ Glauben schenken – muss das Betreiben der drei Disziplinen geradezu zwangsläufig mindestens außergewöhnliche Schönheit, wenn nicht sogar ewige Jugend mit sich bringen. Ständig finden sich auf den Titel-Covern große Versprechen wie „Schwimmen Sie sich schön“, „Radeln Sie sich fit“ oder „Laufen Sie sich schlank“.
Aber wo sind die Mädels nur? Meine Wirklichkeit ist eine andere. Denn allein der Versuch, für eine der drei Disziplinen eine Trainingspartnerin zu finden, ist schwierig. Anfang des Jahres hatte ich mich entschlossen, den Jedermann Spint-Triathlon in Hamburg zu versuchen, und sah mich allein auf weiter Flur. So kam das neue Rad auf die Rolle. Um der Einsamkeit zu entrinnen, stellte ich den DVD-Player davor und lieh mir im Freundeskreis alle DVDs aus, die ich bekommen konnte. Heute weiß ich, dass sich „Legenden der Leidenschaft“ mit Brad Pitt dafür nicht gut eignet. Die Story drückt einfach zu sehr auf die Tränendrüse und das ewige Geschniefe ist auf Dauer lästig und zehrt an der Kondition. Mit „Rocky 1“ hingegen macht man nichts falsch.
Vielleicht haben viele Frauen auch aus optischen Gründen keine Lust, diesen Sport zu betreiben? Denn im Neo fühlt man sich nicht nur wie eine Presswurst, sondern man sieht auch noch so aus. Und die Klamotten sind ein Thema für sich. Sonst habe ich Kleidergröße 36, aber in Triathlonbekleidung gern mal eine Größe „L“ – und das liest nun wirklich keine Frau gern in einem Kleidungsstück, das ihr gehört. Von fehlender Unterstützung dieser Funktionskleidung oberhalb der Gürtellinie mal ganz zu schweigen. Deswegen habe ich auch keine gekauft, sondern meine Laufklamotten angezogen und fertig. Oder wie meine Freundin Britta sagt: besser angezogen und auch noch Geld gespart.
Und dann ist da ja noch dieser ganze Tuner-Wahnsinn, mit dem der Großteil der Frauenwelt nichts anfangen kann. Während die meisten Männer sofort nach dem Radkauf mit dem Nach- und Aufrüsten ihres neuen Lieblings beginnen, möchten wir Frauen meist nur eins: Fahrrad fahren. Und das möglichst ohne Panne bis zum nächsten Winter. Wenn´s sein muss, wird zwischendurch mal aufgepumpt, aber ansonsten sollte der Drahtesel wie der ideale Mann sein: genügsam, geduldig und treu. Basta. Wenn wir ehrlich sind, gibt es für uns auch nur einen Weg trotz Panne zu finishen: indem wir unser Rad tapfer in die Wechselzone tragen, denn das Reifenwechseln haben uns unsere Männer zwar gezeigt, aber auch für uns gemacht.
Das mit dem Laufen ist dann schon eher ein Frauending. Aber natürlich nur bei gutem Wetter und nicht im Dunkeln. Es sollte auch nicht zu heiß und nicht zu kalt sein. Möglicherweise geht´s auch nicht, weil der Tag mit den Kollegen, Kindern oder sonst wem so anstrengend war. Was ich ja verstehen kann, denn schließlich bin ich Projektleiterin und das ist ungefähr so etwas wie eine Kindergärtnerin für Erwachsene. Und ich habe einen Sohn, der bald 2 Jahre alt ist und noch nie durchgeschlafen hat. Ich zweifel an meiner Belastbarkeit, denn: Wie schaffen die das alle OHNE Sport???
Und wie sind wir Frauen nun so, die wir Triathlon machen? Ich glaube, die Erklärung ist einfach: Wir bekommen einfach schlechte Laune, wenn wir uns nicht genügend bewegen. Filme gucken, Bücher lesen, Freunde treffen – alles schön und gut, aber Auslauf muss sein. Trotz wenig Aussicht auf Erfolg lernen wir kraulen, irgendwann bringt uns auch ein Platten unseres heißgeliebten Drahtesels nicht mehr aus der Fassung und 10-Kilometer-Läufe finden wir nicht mehr besonders erwähnenswert. Im Klartext: Triathlon ist stimmungsaufhellend. Und insgeheim tun wir´s vielleicht auch ein bisschen für die Schönheit. Und natürlich für den Weltfrieden.
Oder?
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