So Herrschaften, heut hab ich mirs dann vollends besorgt.
Morgens war noch recht locker, aber was heisst morgens.
Kann ich so an sich nicht stehenlassen. Nachdem ich den letzten zwo Tagen ein deftiges Defizit eingefahren hatte, was Entfernung und Höhenmeter anbelangt, bin ich heute recht früh auf die Piste.
Was mich hier wundert, sind die OrtschaftenStädte, die scheinbar aufgrund ihrer Bergbauvergangenheit wie am Reissbrett entstanden zu sein scheinen.
Da durft ich mich dann heute morgen, weil ne Landkarte ja auch nix anderes ist, dann erstmal aus dem Kaff raushangeln.
Mit ihrer Heimatkunst habenses ja hier.
Wo es im Bayerwald Stocknägel und Schnapsstamperln gibt, vercheckense hier geklöppelte Deckchen und ihre Schnitzereien.
Überlebensgross steht das danna uch an jeder Ecke und vor jedem Hotel und jeder Pension muss wohl auch so n nachgemachter Kandelaber stehn.
So gings dann auf mehr oder weniger direktem Wege in die Tschechei (oder heissts 'Tschechien'?)(Gab ja vorgestern schon diesen Faux Pas, weils nicht der Fichtelberg war, der abgelichtet ist, sondern der Keilberg, wenngleich ich auf beide heute raufstrampeln musste und mir am Keilberg gehörig die Hörner abgestossen hab, aber dazu später mehr).
Echt lustig hier direkt an der Grenze;- wie n grosser Flohmarkt.
Obwohl ich da nah dran wohne und viele kenne, die da zum Fluppen- und Kaffekaufen hinfahren, blieb mir das bisher irgendwie aussen vor...
Aber gut, dann gabs etwas harmloses Zwischengeplänkel und zwo kurz und schmerzlos einkassierte Kontrollpunkte und geschmeidige Naturpfade.
Als ich am ersten Checkpoint ankam, fuhren grad zwo Knaben weiter, die, als ich am Morgen startete, noch gemütlich mit dicken Backen und ohne Radklamotten am Frühstückstisch sassen.
Natürlich erinnerte ich mich an meine Erkenntnisse von gestern, versuchte mich nicht zu ärgern und da die Route heute n bissl fad war mit ihrem ganzen Asphaltanteil (wenngleich an geilen Flusstälern entlang) entschied ich mich, der aufkommenden Langeweile wegen n paar nicht vom Schöpfer der Aktion vorgesehene Streckenteile einzubauen.
Ein paar Mal ging das auch ganz gut und ich bin auf ein paar traumhafte Singletrails gestossen, die so nerGeschichte wirkich gut zu Gesicht gestanden hätten, aber aufm Weg zum Keilberg gabs dann nen gründlichen Griff ins Klo...
An sich begann das Unheil ganz relaxt, indem ich ein paar Tschech/in/nen hintergefahren, aber irgendwann merkte ich, dass die in ne ganz andere Richtung unterwegs waren, und es von da, wo die Wege hinführten, keinen Shortcut auf die Strecke aufn Berg gab.
Kurzentschlossen drehte ich um, nachdem ich nach flüchigem auf-die-Karte-schauen nen Track fand, der direkt zur eigentlichen Route führen sollte.
Na gut, tat er dann auch, aber auf ebensovielen Höhen- wie Längenkilometern. Und nicht nur das, es war, was ich natrlich geflissentlich übersehen hatte, nur ein Trampelfad, stellenweise gar nicht erkennbar, quer durch mannshohes Gras und hüfthoch wild wuchernde Tannensprösslinge. Dazwischen Felsbrocken, Knüppelholz und Dornenranken. Na Prost Mahlzeit! Nachdem ich mittendrin steckte, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes 'steckte', gabs mir halbwegs Hoffnung, dass auf halbem Wege die Pfad besser werden sollte, jedenfalls sah es auf der Karte so aus.
Der komplette Stich machte zwar nur ca. anderthalb Kilometer aus, aber die eben am verwucherten Steilhang und in der Direttissima.
Meine Beine sahen innerhalb kürzester Zeit aus wie Streuselkuchen, aber was heisst 'sahen'? Sie tuns immer noh und ich glaub, das wird auch noch ne zeitlang so bleiben...
Stunden vorher hatte ich irgendne dicke Mutti überholt, die mitm Crossrad unterwegs war, die traf ich dann, als sie grad auf der Abfahrt war. Also, ne Abkürzung war das nicht grad...
man sollte sich halt angucken, wenn die Höhenlinien auf der Karte quer zur Marschrichtung verlaufen und berücksichtigen, wieviel Höhenmeter zwischen zweien davon liegen...
Immerhin gabs stellenweise ne fantastische Aussicht, wo man mal durch das ganze, wuchernde Grünzeug schauen konnte.
Und stellenweise auf die tollen, neuen Skigebiete, die sie hier in die Hänge pflanzen.
Als ich da nach Stunden Rad schieben, ziehen, tragen, keuchen und kurz vorm Verglühen endlich oben stand, riss ich erstmal den Rucksack auseinander und tat, was ich sonst nie tue: ein Gel einpfeifen, das sich da für Notfälle stets bereithält.
Und das war ein Notfall, ein echter. Ich war dermassen fritte, dass ich beim Stempeln kurz später am liebsten das Schild umarmt hätte, das angab, dasses zum nächsten und letzten Gipfel nur 8km und 290hm seien. A Wahnsinn, aber nachdem ichs ohne bleibende Blessuren überlebt hab, denke ich, dass ich doch nicht gerne gegen endlose Strassen- und Schotterpistenkurbelei da rauf getauscht hätte.
Nu gut, jetzt ist es also gepackt. 160km, 5000hm, n paar hundert Öre und alles für nen depperten, angemalten Stein...