So, werde ich meine Fortschritte mal auf den neuesten Stand bringen. Ja genau, Ihr lest richtig, es hat Fortschritte gegeben

Ist ja nicht selbstverständlich.
Letzten Donnerstag war erst mal Freibad angesagt, das erste Mal an einem kalten Tag. War schön leer, aber auch für mich, als jemand der doch ziemlich kälteunempfindlich ist, für's erste Mal in der Saison doch ein bisschen gewöhnungsbedürftig: 15° Lufttemperatur (gefühlt eher 10° ...), 23° Wasser. Insgesamt etwas über 2000m, zum Schluss noch mal 500 am Stück, nicht berauschend, aber es ging.
Am Samstag ging es dann mal wieder ins Freiwasser! Wieder Tegeler See. Aber: wieder eine neue Stelle. Leichter Wellengang, etwas windig, viele Segler unterwegs. Musste ich mich erst wieder mental drauf einstellen und bin entsprechend wenig geschwommen. Insgesamt 30 Minuten, davon 3x5 Minuten Kraulen am Stück. Meine drei Triathlon-Kollegen sind in der Zeit 2 km geschwommen und hatten alle einen Neo. Bald will ich da mithalten können!
So, dann aber heute. Jetzt wollte ich es endlich wissen. Habe mir also tollkühn eine OD-Trainingseinheit vorgenommen und zwar komplett. Wieder an der Krummen Lanke, ist zwar weiter weg von mir, aber die ist schön ruhig und ich gewöhne mich langsam dran.
Also: ca. 400m Einschwimmen Rücken und Kraul, quer durch den See, also immer nur 100m am Stück, dann zurück. Alles läuft bestens. Und dann peile ich das erste Mal "DIE Boje" an - ein Weg 250m. Nicht irgendeinen Strand oder ein Stück, wo ich stehen kann, nein, DIE Boje. Ok, alles läuft gut, ich schwimme tatsächlich ruhig und vergnügt los und kann es kaum glauben. DIE Boje allerdings ist mir nicht geheuer. Die ist ja irgendwie im See vertäut, da geht so ein ekliges, algen- und was-weiß-ich-was-bewachsenes Seil oder ne Kette oder so in die Tiefen des Sees. Ich schwimme also mal lieber in gehörigem Abstand von ca. 4 Metern drumherum und gucke nicht so genau hin, was unterhalb der Boje im grünen Wasser verschwindet. Will ich gar nicht wissen. Ausgerechnet in dem Moment muss natürlich ein anderer Schwimmer die Boje in genau der anderen Richtung umrunden. Ich muss also nach der Boje schielen UND nach dem Schwimmer. Mannmannmann, das stellt meine koordinatorischen Orientierungsfähigkeiten doch auf eine harte Probe. Ein wenig aus dem Rhythmus und etwas hektischer atmend bin ich aber schließlich auf dem Rückweg. Der Atem ist jetzt leider nicht mehr ganz so ruhig, öfter mal Zweier-Atmung, aber es läuft. Und ich schaffe tatsächlich das erste Mal in meinem nicht mehr ganz jungen Leben die 500m im See durchzukraulen. Bis zum Strand! 11:30 Minuten. Nicht rekordverdächtig, aber persönliche Lebensweltbestzeit! Heißa! Das könnte doch noch was werden, mit mir und dem Triathlon!
ABER: Ich habe mir für heute ja mehr vorgenommen. Olympische Distanz. Mit Unterbrechungen, das gestehe ich mir zu, aber: OD. 1500m. Also, zwei, drei Minuten tief durchatmen und nächste Runde. Und es flutscht wieder. Ruhig und zügig ziehe ich los. Nach ca. 150m ein kleiner Härtetest: Eine ganze Ladung Seegras mitten ins Gesicht. Eine echte Schocksekunde. Ich schnappe nach Luft - und schwimme weiter. Ich fasse es nicht. Es geht. Kurzer Schreck und weiter und kein Pankikgefühl. Mein Gott, ich werde noch erwachsen! Und wieder umrunde ich die Boje, schon etwas gelassener, aber ich komme rum. Die letzten 150m sind wieder etwas hektischer, aber ich komme ganz gut durch. 1000m geschafft.
Und jetzt noch mal 500m? Muss das sein? Naja, ich würde den ganzen Aufwand ja nicht betreiben, wenn ich mich jetzt so einfach davonkommen ließe. Natürlich muss es sein. Etwas längere Pause und rein in die Fluten. Und diese 500m sind die besten! Ruhig und gelassen bis zum Schluss. Ich komme am Strand an mit dem sicheren Gefühl, dass ich noch weiter hätte schwimmen können.
Ich hoffe, das war der Durchbruch heute. Die Nummer werde ich jetzt noch ein paar Mal durchziehen und dann kommt der Härtetest: Einmal die Krumme Lanke durchschwimmen. Dann bin ich irgendwann auch für eine richtige OD fit.
Ok, der Rest war ja eher Pflichtprogramm. Noch zwei Runden im Grunewald radeln (Havelchaussee und Kronprinzessinenweg, für die, die sich da auskennen, ca. 45 Minuten für eine Runde, allerdings mit Gepäck und auf meinem schutzblech- und gepäckträgerbewehrten Fitnessbike) und dann vier Runden um die Krumme Lanke laufen (Schnitt von knapp unter 5 Min./km, kann ich mit leben, da ich gestern erst relativ harte 14 km gelaufen bin). Meine erste OD. Wenn auch mit bisschen längeren Wechselpausen als beim Wettkampf, ich will mir am Sonntag ja keine unnötige Hektik machen.
Jetzt bin ich platt und äußerst zufrieden. Nächste Woche bin ich leider in Brandenburg. Mal sehen, ob ich Zeit habe, mir da einen See zu suchen. Der einzige, den ich bisher kenne, ist ziemlich seegrasverseucht. Aber der Straussee ist auch nicht sooo weit, vielleicht teste ich den mal an.
Erstaunlich, was für Hürden und Hindernisse man mit Geduld und Hartnäckigkeit überwinden kann. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich die ersten 500er im See so schnell packe. Ich hoffe, das macht vielen, die ähnliche Probleme haben, Mut.
Und eins muss ich noch betonen: Im See zu schwimmen, macht Triathlon erst rund. Denn da hat man all das, was einem beim Radfahren und Laufen auch gefällt: viel Natur, Platz, frische Luft und eine sinnliche Erfahrung der "Natur" (soweit man das in unserer Kulturlandschaft so bezeichnen will).
Also: Dranbleiben.
Ravistellus