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Alt 18.08.2012, 10:11   #805
bellamartha
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Registriert seit: 30.05.2010
Beiträge: 6.166
Ins Rißtal...

Tag 4
19. Juli 2012
Tutzinger Hütte – Jachenau – Risssattel - Vorderriß

Ich staune. Wie viele, wie unzählig viele Ameisen überall in den Bergen herum krabbeln. Es scheint mir, als hätte ich alleine heute Millionen von ihnen gesehen. Wo man geht und steht, laufen sie emsig beschäftigt umher. Ich versuche, nicht auf sie zu treten, aber das ist natürlich unmöglich. Ich müsste schweben können, um keine zu zertreten. Ein komisches Gefühl, dass viele kleine Leben enden, weil ich - ganz zufällig – des Weges komme.

Der Tag begann schön und sonnig. Erst muss ich ein Stück den Berg hinauf, den ich tags zuvor hinunter gelaufen war. Dann aber rechts hinunter Richtung Jachenau, statt zum Westaufstieg der Benediktenwand. Scheinbar endlos zieht sich der steile Steig hinunter in den Wald. Dann geht es lichter bewachsen am Bach entlang. Den nenne ich die „Jachen“ in Ermangelung der Kenntnis seines richtigen Namens und weil ich gerade wieder einmal Schloss Gripsholm von Tucholsky lese, in dem der (autobiographische) Protagonist und seine „Prinzessin“ Lydia einfach alle Flüsse nach den Städten benennen, an denen sie liegen. Später lese ich dann, dass es tatsächlich eine Jachen gibt, ich glaube aber nicht, dass das der Bach ist, der sich in der Schlucht zu Tal wirft, durch die ich nach Jachenau gehe.

Die letzten Kilometer dorthin ziehen sich, es geht über eine wenig reizvolle Wanderautobahn und wie immer, wenn ich das Wandern nicht genieße, schmerzen meine Füße höllisch. So herum ist es nämlich: Sie schmerzen, wenn ich keine Freude beim Wandern habe, nicht anders herum, dass ich keine Freude habe, weil sie schmerzen. Wobei das dann noch dazu kommt, wenn die Schmerzen sich in mein Bewusstsein gedrängt haben.

In Jachenau komme ich gerade noch rechtzeitig an, bevor der Dorfladen für zweieinhalb Stunden schließt, was wichtig ist, weil ich dort das Abendessen für heute Abend einkaufen muss. Der Gasthof, in dem ich heute im Matratzenlager schlafe, hat heute Ruhetag. So schleppe ich den Rest des Weges einiges an Futter und habe später am Abend gar keinen Hunger. Macht ja nix, schleppe ich es halt am nächsten Tag den Berg hoch zum Karwendelkhaus...

Nach Vorderriss führt ein sehr langer und extrem steiler Berg vom Rißsattel hinunter. Ich bin erstmalig so richtig froh über die Stöcke, die ich in diesem Wanderurlaub zum ersten Mal benutze. Serpentine um Serpentine geht es hinunter, es scheint kein Ende zu nehmen. Als ich unten ankomme, bin ich froh, dass die durchaus anstrengende Etappe nun zu Ende ist, denn ich muss nur noch über eine Isarbrücke und schon bin ich im Gasthof „Zur Post“. (So heißen hier übrigens die Gasthöfe in jedem Ort.)

Die anderen München-Venedig-Geher von gestern sind auch in dem Gasthof in Vorderriß. Einige, von denen ich dachte, dass sie nach Venedig gehen, gehen aber nur einen Teil der Strecke.
Heute habe ich Lust, sie kennen zu lerne. Heute bin ich gesellig.
Das letzte Wegstück war ich mit Bernhard gegangen. Er ist schon 74 Jahre alt und ich staune, wie fit er ist! Überhaupt sind viele ältere Menschen unterwegs, die die Berge hinauf laufen, als wäre es nix.

Dann sind da noch:
Frank ursprünglich aus Thüringen, jetzt aus Coburg. Wenn er spricht, verstehe ich ihn nur schwer. Er wird auch nach Venedig gehen.
Vroni aus Bayern, die ich besser verstehe. Sie weiß noch nicht, wie weit sie geht.
Roland und seine Freundin, deren Namen ich vergessen habe. Beide sind auch aus Bayern und sehr nett und gehen bis ins Inntal
Michael und sein 18 jähriger Sohn Simon, die bis nach Pfunders gehen werden. Michael ist extrem nett und extrem attraktiv. Sein Söhnchen hat gerade Abi gemacht und ist ein netter junger Bengel.
Börk kommt aus Leipzig, lebt in Dresden, sieht schräg aus und ist auch schräg. Er will nach Venedig und schleppt einen unfassbar schweren Rucksack mit sich herum, weil er aus Kostengründen zwar in Hütten übernachten, aber sich sein Essen selbst zubereiten will. Er trägt weit über 20 Kilo!
André kommt aus dem Kölner Raum, lebt aber aktuell in Mainz. Er ist Schauspieler und schlägt bei mir ein wie eine Granate, so nett und fröhlich und interessant ist er. Ich werde später aber noch andere Seiten von ihm kennen lernen...

Ab morgen soll das Wetter schlecht werden, eben hat’s schon mal kurz gewittert. Das ist Scheiße, zum einen, weil ich keine Lust auf Regen habe, zum anderen, weil zwei heftige Etappen anstehen und von der übermorgen bei schlechtem Wetter abgeraten wird.

22 km waren es heute.
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