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Ich möchte noch einen Gedanken zum Begriff "Beleidigung" beisteuern. Vorab möchte ich klar stellen, dass von mir aus jeder so dick oder dünn sein kann, wie er will. Sofern Übergewicht als gesundheitsschädlich eingestuft werden kann, wie zum Beispiel übermäßiges Rauchen oder Trinken, dürfen wir das Thema auch unter dem Aspekt diskutieren, dass wir allgemein die Gesundheit in unserer Gesellschaft fördern wollen. So begrüße ich das Rauchverbot, das Jugendschutzgesetz bezüglich Tabak und Alkohol – und von mir aus könnte man die uns anvertraute Jugend auch vor so mancher Scheiße bewahren, die ihnen auf dem Schulhof als Lebensmittel angedreht wird.
Aber jetzt zur Beleidigung. Eine ähnliche Debatte hatten wir bereits bei religiösen Themen. Wenn A an Gott glaubt, B jedoch Gott als Märchen für schlecht von Mama abgenabelte Menschen hält, dann setzt sich B dem Vorwurf aus, er würde die religiösen Gefühle von A verletzen. Es gibt hier scheinbar einen Konflikt zwischen der Verletzung von Gefühlen einerseits und der Meinungsfreiheit andererseits. Diesen Konflikt haben wir auch in der aktuellen Debatte.
Die Meinungsfreiheit ist immer ein Konflikt mit den Meinungen und Überzeugungen anderer. Ansonsten bräuchten wir keine Meinungsfreiheit als ein zu schützendes Gut (denn niemand würde es angreifen). Die Meinungsfreiheit reicht auch in emotionsbeladene und persönliche Themen hinein. Wenn ich für die Meinungsfreiheit bin, muss ich grundsätzlich damit rechnen, dass mir jemand die Meinung geigt, in einer Art, die mich verletzt. Denn die Meinungsfreiheit lässt sich nicht nicht dort aufkündigen, wo persönliche Gefühle verletzt werden.
Das Öl im Getriebe ist die Höflichkeit und das Taktgefühl, ein mitunter sehr kniffliges Ding, denn man kann nicht immer wissen, wie das Gesagte beim anderen ankommt. Man kann aber von jedem erwarten, dass er sich um Höflichkeit bemüht. Im Gegenzug muss ein Teilnehmer einer Debatte aber auch Meinungen akzeptieren, die ihm persönlich weh tun.
Das ist der Kern der Sache: Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen einer frei geäußerten Meinung, die eventuell die Gefühle bestimmter Zuhörer verletzt (das müssen sie akzeptieren) und einer Beleidigung (das müssen sie nicht akzeptieren).
In der Debatte dieses Threads gibt es Meinungen, die dem Übergewicht der Menschen in ihrer ständig steigenden Zahl kritisch gegenüber stehen, und zwar durchaus wohlmeinend im Sinne der Gesundheit möglichst vieler Menschen. Es sind keine Beleidigungen oder Diskriminierungen, auch wenn sie zum Teil mit einem Appell an die Übergewichtigen verbunden sind. Hier und da gibt es auch vereinzelten Unflat, der zurückzuweisen ist – übrigens auf beiden Seiten.
Fazit: Nicht alles, was mir gegen den Strich bürstet ist eine Beleidigung. Die Meinungsfreiheit erfordert es, dass wir auch Meinungen zulassen, die uns persönlich schmerzen.
Grüße,
Arne
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