Zitat:
Zitat von Adept
Ich muss ihm halt in dem Punkt recht geben, ob wir uns nicht über-therapieren und das ganze Leben über-problematisieren.
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Die Überlegung ist legitim, aber geht an der Versorgungsrealität ( für die Herr Hecken in oberster Funktion mit zuständig ist) vorbei.
Für Psychotherapien auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen müssen Anträge gestellt werden. Vor allem für längere Therapien sind diese sehr umfangreich und aufwändig ( qbz kann da ggf. ein Lied von singen…)auf jeden Fall muss eine genaue Diagnose gestellt werden und dann mit hohen formalen Anforderungen ein genauer Bericht für einen medizinischen Gutachter verfasst werden, der Störungsmodell und Therapieansätze sowie Prognose ect. beeinhaltet. Der Gutachter entscheidet dann, ob und wieviel. Bei Kurzzeittherapien ( bis 12h) ist der Aufwand geringer, aber auch da muss stringend die psychische Erkrankung, die Art der Störung und der Lösungsansatz dargestellt werden.
Hecken hat seine „missverständliche“ Bemerkung folgendermaßen relativiert
Zitat:
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…dass ich als Privatperson nicht jede Befindlichkeitsstörung wie zum Beispiel gelegentliche Einschlafprobleme als krankhaften und sofort behandlungsbedürftigen Zustand ansehe, sondern dann manchmal als altes und überliefertes Hausmittel eine Flasche erwärmten Bieres hilft
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Wenn er in seiner Position sowas in einer Sitzung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen sagt, ist das als „Privatmeinung“ ungefähr genauso private Meinung wie wenn ich als Außenminister im Bundestag sage, dass wir die Nato verlassen sollten.
Niemand bekommt in Deutschland eine Psychotherapie, nur weil er gelegentliche Schlafstörungen hat. Das ist einfach populistischer Bullshit.
Die realen Versorgungsprobleme sind
- zu lange Wartezeiten auf Psychotherapien
- zu wenig Therapieplätze für Schwerstkranke
- immer noch durch zu wenig Wissen und zu viel Stigma keine oder zu späte Behandlung
Heckens Bemerkung lenkt entweder von diesen Problemen ab oder fördert sie dadurch sogar. Aber das tut er seit 2012, seit er im Amt ist und daran werde ich nix ändern.
Insofern gönne ich mir jetzt auch ein ( kühles

) Bier.
