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Liebe Community,
ich greife die Diskussion um das neue Qualifikationssystem (Performance Index / Age Grading) hier noch einmal auf, da die gestrigen Ergebnisse des Ironman Western Australia die theoretische Schwachstelle des Modells nun praktisch belegen.
Inklusion und die Würdigung der Leistung älterer Athleten sind essenziell für unseren Sport. Wer mit über 60 Jahren noch einen Ironman finisht, verdient höchsten Respekt. Doch wenn wir über eine Weltmeisterschafts-Qualifikation sprechen, müssen wir uns auf belastbare Metriken verlassen. Das aktuelle Koeffizienten-System tut dies nachweislich nicht.
Ein Blick auf die Daten von gestern (Western Australia):
• M60-64 Finish: 10:14:11
• Adjustierte Zeit: 08:27:26
• M65-69 Finish: 11:31:09
• Adjustierte Zeit: 08:41:57
Die Analyse:
Das System versucht, den biologischen Leistungsabfall mathematisch auszugleichen. Der Ansatz ist ehrenwert, die Kalibrierung jedoch fehlerhaft.
Zur Einordnung: Eine rechnerische Zeit von 8:27h ist eine absolute Top-Leistung. Das aktuelle System suggeriert damit, dass die physiologische Leistung dieses Amateurs – bereinigt um das Alter – äquivalent zu einem Top-Profi-Niveau ist.
Das ist faktisch und physiologisch nicht haltbar. Es entwertet die Leistung der jüngeren Altersklassen (z.B. M30-40), die reale Zeiten von unter 9 Stunden abliefern müssen, aber durch die massive mathematische Hebelwirkung der höheren Altersklassen im Ranking nach hinten durchgereicht werden. Hier wird eine künstliche "Papier-Leistung" erzeugt, die dem Realitätscheck auf der Strecke nicht standhält.
Das Argument der "Nivellierung über 5 Jahre":
Es wird oft argumentiert, dass sich diese Standards über einen rollierenden 5-Jahres-Durchschnitt (Top 20% Kona) von selbst korrigieren würden. Dies ist ein Trugschluss.
1. Bad Data In, Bad Data Out: Wenn wir jetzt Slots basierend auf einer überkorrigierten Formel vergeben, zementieren wir diese Verzerrung in den Startfeldern der kommenden Jahre.
2. Verlust der sportlichen Integrität: Ein Qualifikationssystem muss den besten Athleten des Tages belohnen, nicht denjenigen mit dem vorteilhaftesten Multiplikator.
Wir bewegen uns hier weg vom sportlichen Wettkampf (wer ist schneller im Ziel?) hin zu einem Handicap-Rennen basierend auf Tabellenwerten. Als Geschäftsführer würde ich sagen: Wir optimieren hier auf die falsche KPI. Das Ziel sollte sein, die besten Athleten nach Kona zu bringen, nicht diejenigen, die den Algorithmus am effizienten hebeln.
Eine moderate Anpassung für das Alter ist sinnvoll. Eine Anpassung, die solche rechnerischen Fabelzeiten produziert, ist ein Systemfehler.
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