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Szenekenner
Registriert seit: 24.03.2008
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In SPON berichtet heute eine deutsche Psychologin, 38 Jahre, die vor und nach dem 7.10. bis zum 2.11. in Gaza für Ärzte ohne Grenzen gearbeitet hat. Sie hat schon in Syrien, im Irak, Kongo für Ärzte ohne Grenzen gearbeitet. Ich drucke mal auszugsweise einen Teil ihrer Schilderungen ohne die Fragen ab.
Zitat:
"........Ein anderer Kollege ist im Al-Awda-Krankenhaus, und er sagt, dass es nicht mehr in Betrieb sei, trotzdem würden immer noch Patienten eingeliefert. Sie arbeiten also weiter, auch wenn es eigentlich nichts mehr gibt, keinen Treibstoff, keinen Strom, keine Betäubungsmittel, keine Medikamente. Das hat er uns am Samstag erzählt. Ich weiß nicht, wie es ihm jetzt geht.
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Weil es dort (in Schutzräumen von Ärzte ohne Grenzen) nicht sicher war, sind wir dann in ein Uno-Gebäude umgezogen. Dort blieben wir bis zum 13. Oktober, bis wir in den Süden des Gazastreifens evakuiert wurden. Es hieß, dass es dort sicher sein sollte. Aber das war es nicht. Es wurde ständig bombardiert. Wir waren zunächst für zwei Tage in einem Camp der UNRWA (das Uno-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten), zusammen mit schätzungsweise 25000 anderen Menschen, haben draußen auf dem Boden geschlafen, ohne Matratzen. Das war in der ersten Kriegswoche, und schon da war die Lage katastrophal.
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Es gab nur vier Toiletten. Ich habe stundenlang gebraucht, um etwas Trinkwasser zu finden. In den Nächten hat keiner geschlafen, es wurde die ganze Zeit bombardiert. Nach zwei Nächten sind wir dann nach Rafah umgezogen, da verbrachten wir zwei Wochen auf dem Parkplatz einer Uno-Einrichtung. Wir waren dort rund 50 Ausländer, haben uns eine Toilette geteilt, wir hatten einen Liter Trinkwasser am Tag, Wasser zum Waschen gab es oft nicht, kein Dach, keinen Schutz vor Sonne, nachts hat uns der Regen durchnässt. Uns ging es wirklich sehr schlecht. Aber den Palästinensern ging es immer noch sehr viel schlechter als uns.
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Wir haben dank unserer einheimischen Mitarbeiter überlebt, die sich Tag und Nacht um uns gekümmert haben. Wenn Sie nicht gewesen wären, wären wir nach einer Woche verdurstet. Wir durften aus Sicherheitsgründen das Gelände nicht verlassen. Sie haben deshalb das Essen besorgt, waren jeden Tag in über 20 Supermärkten. Das Essen war trotzdem extrem knapp. Fünf Bohnen, ein bisschen Käse und eine Tomate, das war teilweise die einzige Mahlzeit am Tag.
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War ich vorbereitet, mit Tausenden auf der Straße zu schlafen, ohne Matratze, stundenlang nach Trinkwasser zu suchen? Nein, garantiert nicht. So etwas habe ich noch nie erlebt."......
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"Fünf Bohnen, ein bisschen Käse und eine Tomate, das war teilweise die einzige Mahlzeit am Tag" (Paywall)
Wie man nach solchen Berichten immer noch die Blockade von Gaza befürwortet, ist mir komplett unverständlich und finde ich inhuman. Alle zuständigen Politiker kennen die Situation seit Beginn des Krieges und wissen, was eine Blockade und das Fehlen von Unterkünften, Hygiene, Entsorgung, Krankenhäuser usf. für Folgen hat.
Geändert von qbz (13.11.2023 um 23:22 Uhr).
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