Zitat:
Zitat von Genussläufer
Ich war viel in den Provinzen auf der Suche nach Mitarbeitern unterwegs. Wenn ich schreibe unterwegs, bedeutet es nicht, daß ich auch vor Ort war. Meine Eindrücke sind also eher von außen oder durch Gespräche mit Mitarbeitern aus den Regionen.
Jetzt ist natürlich die Frage, was Du unter Provinz verstehst. Russland hat eine Urbanisierungsrate von ca. 75%. Und die Liste der Großstädte ist schon beachtlich. Ich habe dort diesen von Dir beschriebenen Eindruck nicht gewinnen können. Es ist auch so, daß so etwas von den meisten Russen, die bewusst hier in Deutschland und nicht dort sind, so bestätigt wird. Es gibt natürlich viel Industrie in diesen Städten und sicher sind die in Teilen irgendwo zwischen Manchester Kapitalismus und unserer Entwicklung hängengeblieben.
Wenn man nun dahin schaut, was ich auch als Provinz beschreiben würde, höre ich gar nichts, kenne eigentlich niemanden und kann es auch nicht wirklich einschätzen. Es scheint aber so zu sein, daß hier eher alte zaristische Feudalverhältnisse existieren und noch nicht mal Manchester in Sichtweite ist. Das sind allerdings nur Ableitungen aus Geschäftsberichten russischer Agrarunternehmen. Aus Zahlen kann man aber viel ablesen. In der Ukraine sieht dieser Sektor übrigens nicht signifikant anders aus.
Habe ich hier durch meine persönliche Bubble einen falschen Eindruck? Oder definieren wir Provinz einfach anders? Ich hatte es bei Dir herausgelesen, daß Du damit alles außer Moskau und St. Petersburg inkludierst.
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Als Beispiel
Es gab mal in der SU eine Sperrzone 100km im Umkreis von Moskau im Süden genau an dieser ehemaligen Grenze liegt die Stadt Jegorewsk, dort gibt es einen grossen Holzverarbeiter aus Österreich. Der zahlt gut und offiziell trotzdem findet er niemanden. Fast alle immer voll 24-7, das ist Provinz.
Der Gegensatz dazu ist die Miliionenstadt und davon gibt es 16 und gewaltige Unterschiede zwischen Sibiren und dem europäischem Teil.
Anderes Beispiel Norilsk ca. 200.000 Einwohner dort gibt es nur Norilsk Nickel alles verseucht und 8 Monate dunkel, da werden auch viele zum Trinker, die meisten sind übrigens Nachkommen von GULAG Häftlingen die die Stadt in den 1930ern aus dem Boden gestampft haben und denen wenn die 25 Jahre umwaren, nicht erlaubt wurde heimzukehren. Ich war da mal kannst du nicht beschreiben.
Agrar ist viel noch aus der seinerzeitigen Kolchosestrukture gewachsen.
Ganz am Land ist ja wieder anders, ohne Kanal, Fliesswasser keine ordentlichen Strassen nichts ausser diese endlose Weite, so mal hinfahren und am Lenaufer liegen wo das andere Ufer 30km gegenüber ist ok, aber leben no way.