Ralph Stegner hat gestern bei Lanz auch wieder die (vor dem Angriff Russlands durchaus vorherrschende) Ansicht verbreitet, dass die Ukraine gegen das russische Militär auf lange Sicht keine Chance habe sich zu behaupten.
Er wird dafür auf Twitter nahezu gegrillt, da es mittlerweile keine seriösen westlichen Militärexperten mehr gibt, die diese Ansicht teilen. Falls ich falsch liegen sollte, bitte Gegenpositionen verlinken.
Von der Grundannahme, ob ein militärischer Sieg der Ukraine überhaupt möglich ist, hängt es ganz stark ab, ob eine militärische Unterstützung der Ukraine auf lange Sicht überhaupt sinnvoll ist, d.h. oder ob sie nur den Krieg verlängert und das Leiden der Zivilbevölkerung vergrößert, oder ob sie vielmehr (ausnahmsweise) helfen kann, den Krieg zu verkürzen und das Leiden der Zivilbevölkerung letztlich zu verringern.
Mir scheint, dass selbst auf russischer Seite mittlerweile die Einsicht reift, dass der Krieg in der Ukraine nicht zu gewinnen ist. Putin wird diese Erkenntnis sicherlich als letzten erreichen.
Igor Girkin, ein russischer Nationalist, langjähriger Separatistenführer und der militärische Kommandant bei der Krim-Anexion 2014 äußert sich aktuell auf Telegram überaus pessimistische hinsichtlich der russischen Erfolgsaussichten und begründet dies auch sehr detailliert.
Die Kurzfassung seiner langatmigen Ausführungen: Russlands Streitmacht ist (ohne Generalmobilmachung) einfach zahlenmäßig nicht stark genug, um die Operation zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.
Die ukrainische Luftabwehr ist für die bei einer großen Offensivaktion notwendigen Luftunterstützung zu gefährlich, so dass russische Kampfflugzeuge gegen ukrainische Stellungen nur eingeschränkt zum Einsatz gebracht werden können.
Die möglichen Zangenbewegungen zur potenziellen Einkesselung der ukrainischen Truppen im Donetsk sind seit Beginn des Krieges absehbar, so dass sich die ukrainischen Verteidiger dafür ausgiebig vorbereiten konnten, ihre Stellungen dort maximal befestigen konnten und Konterattacken, insbesondere wenn russische Durchbrüche an den Frontlinien gelingen sollten, wurden höchstwahrscheinlich ebenfalls bereits vorbereitet, zumal die russischen Kräfte nach einem Frontdurchbruch unmittelbar das Problem haben, dass bei schnellem Vorrücken unmittelbar die Nachschubwege massiv gefährdet sind (wie bei der ersten Angriffswelle auf Kiew) und dass bei einem sehr langsamen Vorrücken die Ukrainer andererseits Zeit gewinnen, Truppen nachzuführen und die neuen aus dem Westen gelieferten Waffensysteme zum Einsatz zu bringen.