Zitat:
Zitat von Schwarzfahrer
Ja, und genau das ist es, warum die AfD so viel Erfolg hat. Wer CDU wählt, hat sich viele Jahrzehnte darauf verlassen können, daß auch CDU drin ist, also konservative Politik gemacht wird. Frau Merkel hat über die letzten 10 Jahre vieles von diesem konservativem Kern entfernt, und CDU-Mitglieder, die an alten konservativen Werten festhielten, erfolgreich ins Abseits gestellt. So manchen Schritt zu weniger Konservativ hielt ich auch für gut - aber andererseits muß man nun mal anerkennen, daß es Menschen gibt, die eine politische Vertretung für diese Ansichten brauchen, und das steht ihnen in einer Demokratie auch zu.
Die AfD hat im Programm weitgehend die gleichen konservativen Positionen, wie sie die CDU eigentlich hat(te). Nur im Personal (besonders in der Führung) unterscheiden sich die Parteien wesentlich: die einen haben zu viele Rechtsextreme, die anderen zu viele verkappte Grüne. Was wählt dann der, der konservative Politik erwartet, und auf keinen Fall die eher links-grünen progressiven Positionen haben möchte (also z.B. weiter Atomkraft, bessere Einwanderungskontrolle, mehr staatliche Souveränität gegenüber der EU, …).
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Das finde ich eine zu verkürzte Darstellung der Entwicklung der CDU und vor allem eine falsche Bewertung der AFD-Wahlprogramme.
Es ist sicher richtig, dass sich in der CDU/CSU nach dem 2. Weltkrieg mehr ehemalige Alt-Nazis bzw. NSDAP Mitglieder politisch betätigten und sogar in hohe Spitzenämter gewählt wurden als in der SPD oder der FDP.
Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_tätig_ware n. Dieses Gedankengut (Geschichtsrevisionismus inbezug auf den 2. Weltkrieg und den Nationalsozalismus) findet man heute leider wieder in der AFD und der NPD, weil in der CDU/CSU diese Protagonisten verstorben sind. Als ein bekanntes Beispiel eines ehemaligen NSDAP-Mitgliedes in der CDU mag der Lebenslauf von Alfred Dregger
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred...ten_Weltkriegs gelten. Nationalisten verloren mit dem Ableben der CDU-Alt-Nazis ihre Bindung an die CDU und wandten sich anderen Parteien zu wie der AFD oder NPD. Ebenso verloren die Verbände der Vertriebenen durch die Anerkennung der Oder-Neisse Grenze und der Verträge nach der Wiedervereinigung ihren Einfluss in der CDU.
Auf der anderen Seite unterschrieben die CDU/CSU unter Erhard als erste Partei die Zuwanderungsabkommen mit der Türkei, um die türkischen Migranten als billige Arbeitskräfte nach DE zu holen (Lohndruck), weil die Unternehmer das wünschten. Die CDU richtete sich bei der Arbeitsmarktpolitik immer nach den Unternehmen. "Billiger" waren für die Unternehmer nur noch Zwangsarbeiter zu haben und KZ-Häftlinge wie im 2. Weltkrieg. (welche Lübke, der CDU-Bundespräsident (1959-69) der BRD 15 Jahre vorher noch von 1943-45 im KZ-Aussenlager Peenemünde zur Zwangsarbeit befahl.).
Auch die EU-Gründung, der EUweite-Arbeitsmarkt, der Euro sind in erster Linie ein neuer Wirtschaftsraum für die deutschen Unternehmen und entstanden durch die praktische Politik der CDU unter Kohl für die deutschen Konzerne.
Sozialpolitisch besass der Arbeitnehmerflügel in der CDU bis zur Ära Kohl eine viel grössere Bedeutung als unter Merkels neoliberaler Wirtschaftspolitik. Norbert Blühm hätte als Sozialminister unter Kohl nie eine Riesterreform oder eine Erhöhung des Renteneintrittsalters zugelassen oder die Steuerreformen unter Rot-Grün zugunsten der Unternehmer und Reichen sowie die Liberalisierung der Arbeitsmärkte abgelehnt. Er stand als IG-Metaller den Gewerkschaften nahe und vertrat viele traditionell kath. empfindende Arbeiter. Auch diese Gruppen wanderten als CDU-Wähler zur Linke oder zur AFD, wenn sie der Sündenbocktheorie der AFD (Migranten sind schuld an der Armut) glauben.
Insgesamt sollten wir das alles aber eher im Rechtsruck-Thread diskutieren ....