Zitat:
Zitat von keko#
Dir ist ja Wahrheit wichtig. Jesus hat womöglich gar nicht gelebt, seine Lebensgeschichte erfunden usw. Ich halte das für völlig legitim. Aber muss das entscheidend sein?
|
Nein, muss es nicht. Ich hatte ja gerade diesem Punkt viel Aufmerksamkeit gewidmet. Wir leben auch heute innerhalb rein fiktiver Wirklichkeitskonstruktionen. Zum Beispiel den Menschenrechten. Es ist nicht entscheidend, ob alle Menschen tatsächlich gleich sind. Wir tun so, als wären sie es.
Daneben hatte ich hier den literarischen Wahrheitsbegriff diskutiert. Es spiel keine große Rolle, ob Dr. Faustus tatsächlich existiert hat, sofern man den literarischen Wirklichkeitsbegriff zugrunde legt. Entscheidend ist, ob einem diese Figur etwas sagt.
Allerdings: Die Kirchen, und auch das Christentum selbst verwenden explizit den
faktischen Wahrheitsbegriff. Sie halten ihre Einsichten für absolut wahr. Es ist für sie entscheidend, dass Jesus
tatsächlich von den Toten auferstand. Dass seine Göttlichkeit metaphorisch gemeint sei, er aber faktisch ein Mensch und nur ein Mensch war – diese Relativierungen wirst Du im Christentum nirgends finden.
Aus meiner Sicht bist Du auch bezüglich des Wahrheitsbegriffs kein Christ. Du würdest viel eher mit mir auf einen gemeinsamen Nenner kommen, als mit Papst Franziskus.
