Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Nein, denn wir sprechen hier ja von Modellen. Man muss diese konkreten Fragen (RTL II) auf eine abstraktere Ebene hieven. Das weißt Du ja auch.
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je abstrakter, allgemeiner ein Modell ist, z.B. die für die Def. von Lebewesen, das natürlich für alle Organismen gilt, desto weniger konkret beschreibt es die Regeln, Gesetze, die für eine Art von Lebewesen gelten, wie z.B. die der Menschen. Das wäre meine Kritik an der allgemeinen Anwendung der Darwinschen Gesetze auf die menschliche Entwicklung.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Die Frage ist, auf welche Weise sich bestimmte kulturelle Dinge gegen konkurrierende kulturelle Dinge durchsetzen. Das geschieht ja aufgrund von Ursachen.
Ein mögliches Modell der Beschreibung besteht darin, hier ähnliche Mechanismen zu sehen, wie bei jeder anderen Evolution auch: Es existieren zahlreiche Varianten, von denen sich ganz bestimmte Varianten durchsetzen, und sich in ihrer jeweiligen kulturellen Umgebung behaupten.
Du sagst, das Patriarchat und dessen Aufweichung durch die Gleichberechtigung sei aufgrund von Besitzverhältnissen, Produktionsmitteln etc. entstanden. Dasselbe kann man mit dem Modell der Evolution ausdrücken: Das Patriarchat setzte sich gegen konkurrierende soziale Formen durch, weil die Umweltbedingungen dies begünstigten. Mit Umwelt ist die kulturelle Umwelt gemeint, etwa die Besitzverhältnisse.
Diese Umweltbedingungen unterliegen einem Wandel. Der Feminismus konnte sich entwickeln, als die Umweltbedingungen dafür gegeben waren. Erst dann setze er sich gegen einen Pool konkurrierender Ideen durch.
Ich sehe da zwischen diesen unterschiedlichen Modellen zur Beschreibung keinen grundsätzlichen Widerspruch.
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In meinem Modell sind die beherrschenden Eigentumsverhältnisse bzw. Besitzverhältnisse des Produktionsprozesses jeweils
konstitutiv für die kulturelle Umwelt. Sie bestimmen diese. Man betrachtet die sozialen Verhältnisse als Ganze und ihre
gesetzmässigen inneren Zusammenhänge und stellt sich nicht die Gesellschaft als blosse Menge von Individuen vor, die bestimmten Umweltbedingungen wie z.B. Besitzverhältnissen quasi gegenüberstehen. Dieses Denken (Individuum-Umwelt) entsteht selbst aus der Entfremdung der Lebensverhältnisse. Man bringt einige Faktoren an der Oberfläche in Zusammenhang, um sich Veränderungen zu erklären, und kann auf ähnliche Ergebnisse wie bei meinem Ansatz kommen.
Ich möchte gerne meine Eingangsfrage wiederholen:
Wie erklärt sich nach Jörn's Modell und den Gesetzen Darwin's, dass man auf der Welt mehr Religionsgläubige zählt als Atheisten? Folgt aus diesem Modell von Jörn, wendet man es auf Kirchen und Religion an, dass Kirche und Religion einen evolutionären Vorteil gegenüber Atheisten haben?