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triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Ironman Wales 2017
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Alt 14.09.2017, 12:04   #243
flachy
Szenekenner
 
Benutzerbild von flachy
 
Registriert seit: 02.08.2007
Ort: Lausitz
Beiträge: 1.658
Liebe Sportfreunde und Supporter,

immer noch habe ich jeden Morgen auf dem langen Weg nach Dresden Gänsehaut und merke, dass der Sonntag in Wales anders war als die Vielzahl an Rennen, die ich seit 1995 unter die Räder und Füße genommen habe.
Denn jeden Morgen startet meine kleine Tochter neben mir das Video der Awards-Ceremony, welche Grandmaster MC Krümel gedankenschnell und live vor Ort mitgeschnitten und danach verteilt hat.
Der Sound kommt wie bei einem Wacken-Mittschnitt und Dank BlueTooth aus allen Boxen des Lasters gedröhnt und ich fang immer wieder an, ein bissl zu heulen.
Es wird einfach nicht besser und zeigt mir morgens und abends, dass ich letzten Sonntag absolut mein körperliches Limit erreicht habe und eine zeitlang auf dem Rad auch darüber hinaus gegangen bin.

So dankbar ich für das Schwimmen war und meinen Atemrythmus "KAI---LUUU-AAA---KAI---LUUU-AAA" über die gesamte Strecke duchgezogen habe, so schwer mußte ich mir jeden Meter an Land erkämpfen.
Es folgten 567 Minuten Kopfarbeit, bei dem mich nix außer der Traum von Kona vorangebracht hat und den ich ab Kilometer 70 auf dem Rad bereits in den Traum vom Finish downgraden mußte.
Nach 112 Kilometern, keine 2 Kilometer von unserem B&B stoppte ich und fragte die Ordner zitternd&krampfend, ob ich mir trockene Klamotten holen dürfte, egal ob es mich 10 oder 30 Minuten kosten würde, es ging mir nur noch um's nackte Überleben ohne bleibende Kollateralschäden.
"Sure you can. We will write down your number and you can race, but you'll get DQ after your finish".
Jetzt schauten sie mich dreckig-triefendes, zitterndes Bündel Elend noch einmal genauer an und fügten hinzu: "If you'll finish".
Klapprig stieg ich wieder auf mein Höllenbike, wechselte meine "Motivationskassette" von "KAI-LU-A" in das legendäre Brüllen der TESTAMENT-Bandmitglieder auf dem verregneten DYNAMO-Metal-Festival der 90-er "FUUUCK!!! THEEE! RAAAIN!!!" streckte beide Mittelfinger am Unterlenker gegen den verfickten Drachen raus und weiter ging's, Finishen ist das ungeschriebene Gesetz und allererste Athletenpflicht!

Und dann schöpfte ich beim Erreichen der Wechselzone - auf dem letzten Loch pfeifend - doch wieder Mut und Zuversicht, auf dem Ali'i Drive als Aktiver im Herbst 2018 niederknien zu dürfen.
Denn die mir bereits in Massen entgegenkommenden Läufer sahen allesamt durch die Bank aus wie der Tod auf Lightweight-Tretern.
Deren Elend baut mich natürlich auf!
Ein scheinheiliges Selbstvertrauen, dass leider sofort beim Einbiegen in die Laufstrecke erneut jämmerlich in sich zusammenbrach.
Nur um sich dann langsam, ganz langsam und Schleppschritt für Schleppschritt durch das geniale Teambuilding mit DAGRO und unserem "Survival Platoon" erneut wieder als der Silberstreif am Horizont zu entwickeln.
Und auf der vierten Runde, als ich endlich die Kältekrämpfe abgeschüttelt hatte, meine Füße wieder spüren konnte und wußte "Ich schaffe das!" durchfuhr es mich mit einer unglaublichen Wucht, wie ich es bislang nur in Kona '15 sowie Lanzarote '95 erleben durfte - dieses ungeheuere Glücksgefühl, Gänsehaut, Kloss im Hals, Tränen ohne Ende, der Rotz lief - purer Stolz und all diese Glücksgefühle.





Mehr Rennbericht wird es von mir zu Wales und bis Kona 2018 nicht geben.
Es war am Sonntag einfach zu wenig Rennen und zu viel Wille, den ich nicht deteillierter beschreiben mag, im Spiel.
Also denn, ich wünsch' allen Athleten eine geile Zeit und wir sehen uns zu den Sonnenaufgängen in der Ironweek '18 auf dem Ali'i Drive, im Kona Aquatic Center oder Pier - wär geil, ein paar weitere Verrückte dort wieder zu treffen, ich behalt' Euch im Auge.
SPORT FREI!
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