Zitat:
Zitat von Adept
Meinst du geografische Nähe? Hättest du anders reagiert, wenn das in den USA passiert wäre?
|
Das ist eine gute Frage.
Zunächst ging es mir aber nicht in aller erster Linie um meine eigene Reaktion sondern darum, ob ich verstehen kann, daß viele Menschen betroffener reagieren auf Anschläge in relativer Nähe als auf das, was seit Jahren, und in Variationen seit Jahrzehnten, in den sogenannten Krisengebieten passiert.
Welchen Unterschied es macht, ob solche Dinge in den USA passieren oder "bei uns" in Europa? Ich denke es ist zunächst mal ähnlich. Man glaubt die Krisengebiete der Welt zu kennen und ist dann nicht mehr überrascht und auch nicht mehr derart betroffen, wenn sich dort immer wieder Katastrophen und menschliche Tragödien ereignen. Das darf man nicht verwechseln mit einer Geringschätzung gegenüber den dort lebenden Menschen!
Aber der Schock sitze einfach nochmal ein ganzes Stück tiefer, wenn sich solche Dinge in Umgebungen ereignen, die man als sicher wahrgenommen hat. In sofern wäre ich auch von einem Anschlag in den USA stärker betroffen gewesen als von Ereignissen, die sich "gewohnheitsmäßig" in den Kriegs- und Krisengebieten immer wieder ereignen. Ich denke das hat auch nichts mit verkommener (Doppel-)Moral zu tun sondern ist zunächst ein ganz natürlicher Umgang des Menschen mit Gefahren und Risiken die uns umgeben.
Und ja, mit solchen Ereignissen quasi vor der Haustür konfrontiert zu werden schockiert noch mehr. Das hat denke ich eine ganze Reihe von Ursachen. Liegt teilweise in der Natur des Menschen. Und in der Feststellung, dass es diese wahnsinnigen Glaubens- und Kulturmörder tatsächlich schaffen, in unsere Gesellschaft und in unsere als halbwegs sicher geglaubten Städte einzudringen und ihren Krieg dorthin zu transportieren. Es wird einem bewußt, wie naiv man diesbezüglich war und wie relativ schutzlos man diesen Menschen (?) ausgeliefert ist. Es ist sicherlich falsch, in diesem Zusammenhang jetzt jeden Teufel an die Wand zu malen. Aber es hilft auch nichts, sich weiter zu sicher und zu komfortabel zu fühlen. Und diese Erkenntnis macht jetzt, in diesen Moment, betroffner als die Bomben in Nahost.